Die Bun­des­bank ver­stärkt ihre Warn­si­gna­le


Das makro­fi­nan­zi­el­le Umfeld habe sich spür­bar ein­ge­trübt, die Risi­ken für Ban­ken und Finanz­märk­te sei­en gewach­sen. Der neue Finanz­sta­bi­li­täts­be­richt zeigt, dass die lan­ge Pha­se rela­ti­ver Ruhe an den Märk­ten eher trü­ge­risch war. Hin­ter soli­den Bilan­zen und rekord­na­hen Bör­sen­stän­den ver­ber­gen sich struk­tu­rel­le Anfäl­lig­kei­ten, deren zeit­glei­che Wir­kung das Finanz­sys­tem emp­find­lich tref­fen könn­te.

Im Zen­trum der Sor­ge steht der deut­li­che Anstieg not­lei­den­der Kre­di­te. Seit drei Jah­ren nimmt die Zahl fau­ler Dar­le­hen kon­ti­nu­ier­lich zu. Die Bun­des­bank betont, dass vor allem gro­ße Insti­tu­te sta­bi­ler erschei­nen mögen, als sie es tat­säch­lich sind: Risi­ko­mo­del­le beru­hen auf his­to­ri­schen Kri­sen und unter­schät­zen mög­li­che Belas­tun­gen in einem Umfeld, das durch schwa­ches Wachs­tum, geo­po­li­ti­sche Brü­che und wirt­schaft­li­che Unsi­cher­heit geprägt ist. Beson­ders kri­tisch sehen Auf­se­her die Kom­ple­xi­tät man­cher Bank­bi­lan­zen, die der Rea­li­tät glo­bal ver­netz­ter Finanz­strö­me kaum noch gerecht wer­de und in Stress­si­tua­tio­nen zu abrup­ten Ver­trau­ens­ver­lus­ten füh­ren könn­te.

Eine wei­te­re Bau­stel­le sind die hohen Bewer­tun­gen an Akti­en- und Unter­neh­mens­an­lei­he­märk­ten. Zwar reflek­tie­ren sie den Opti­mis­mus der Inves­to­ren, doch mahnt die Bun­des­bank, dass schon unschein­ba­re Ereig­nis­se deut­li­che Kurs­aus­schlä­ge aus­ge­löst haben. Die Märk­te reagie­ren ner­vö­ser, Kapi­tal bewegt sich schnel­ler als in frü­he­ren Zyklen. Ein plötz­li­cher Bewer­tungs­um­schwung hät­te die Kraft, Ban­ken, Ver­si­che­rer und Fonds gleich­zei­tig zu belas­ten, nicht zuletzt auf­grund ein­heit­li­cher Anla­ge­prä­fe­ren­zen, die Anste­ckungs­ef­fek­te begüns­ti­gen.

Auch die Immo­bi­li­en­märk­te dif­fe­ren­zie­ren sich zuneh­mend. Wäh­rend der Wohn­im­mo­bi­li­en­markt nach deut­li­chen Rück­set­zern Anzei­chen einer Erho­lung zeigt und struk­tu­rel­le Über­be­wer­tun­gen weit­ge­hend abge­baut sind, bleibt der Gewer­be­im­mo­bi­li­en­markt anfäl­lig. Home­of­fice-Trends, Leer­stän­de und ver­än­der­te Kon­sum­mus­ter set­zen Büro- und Ein­zel­han­dels­flä­chen wei­ter unter Druck. Die Bun­des­bank spricht von Sta­bi­li­sie­rung, aber nicht von Ent­war­nung.

Von beson­de­rer Trag­wei­te sind die wach­sen­den Risi­ken aus dem Pri­va­te-Cre­dit-Seg­ment. Das Markt­vo­lu­men die­ses Schat­ten­ban­ken­sek­tors ist glo­bal stark ange­stie­gen, getra­gen von US-Fonds, deren Kre­dit­ver­ga­ben zuneh­mend über euro­päi­sche Ban­ken refi­nan­ziert wer­den. Die Auf­sicht sieht hier ein unbe­re­chen­ba­res Wech­sel­spiel zwi­schen gerin­ger Trans­pa­renz, hoher Risi­ko­be­reit­schaft und makro­öko­no­mi­schen Belas­tun­gen. Die­se Ent­wick­lung wird zu einem Prüf­stein für die Fähig­keit der Regu­lie­rer, nicht­bank­li­che Finanz­in­ter­me­diä­re sys­te­ma­tisch zu erfas­sen.

Scharf fällt die Kri­tik an der stei­gen­den Staats­ver­schul­dung aus. In meh­re­ren Euro­staa­ten wächst die Gefahr, dass Anlei­he­kur­se bei nach­las­sen­dem Wachs­tum unter Druck gera­ten. Die Bun­des­bank erin­nert dar­an, dass öffent­li­che Finan­zen und Bank­bi­lan­zen eng ver­bun­den sind. Hohe Refi­nan­zie­rungs­be­dar­fe und stei­gen­de Zins­las­ten könn­ten die Glaub­wür­dig­keit ein­zel­ner Staa­ten belas­ten und damit das gesam­te Sys­tem desta­bi­li­sie­ren. Deutsch­land habe eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung, soli­de Haus­halts­füh­rung und kla­re fis­ka­li­sche Regeln vor­zu­le­ben. Dass die Bun­des­re­gie­rung neue Schul­den teils nutzt, um kon­sum­ti­ve Aus­ga­ben zu ermög­li­chen, stößt in Frank­furt auf deut­li­che Skep­sis.

Lang­fris­tig ver­weist die Bun­des­bank auf neue sys­te­mi­sche Gefah­ren. Tech­no­lo­gi­sche Risi­ken aus künst­li­cher Intel­li­genz, Cyber­an­grif­fen und künf­ti­gem Quan­tum Com­pu­ting tref­fen auf zuneh­mend glo­bal ver­floch­te­ne Fonds- und Kapi­tal­märk­te. Die Noten­bank betont daher den Wert einer vor­aus­schau­en­den makro­pru­den­zi­el­len Poli­tik und der gewach­se­nen inter­na­tio­na­len Koope­ra­ti­on. Die Auf­ga­be bleibt, Risi­ken früh­zei­tig zu benen­nen, ohne neue Ver­un­si­che­rung zu erzeu­gen.

Der Finanz­sta­bi­li­täts­be­richt zeigt damit ein dop­pel­tes Bild: Einer­seits sind deut­sche Ban­ken heu­te bes­ser kapi­ta­li­siert als vor der gro­ßen Finanz­kri­se, und zen­tra­le Markt­seg­men­te wie der Wohn­im­mo­bi­li­en­be­reich wir­ken weni­ger hit­ze­an­fäl­lig. Ande­rer­seits ver­dich­ten sich struk­tu­rel­le Belas­tun­gen, deren Zusam­men­wir­ken im Ernst­fall sehr schnell sys­tem­re­le­vant wer­den könn­te. Die eigent­li­che Bot­schaft der Bun­des­bank lau­tet daher: Wider­stands­kraft darf nicht mit Unver­wund­bar­keit ver­wech­selt wer­den.


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