Arbeits­markt Schweiz im Okto­ber 2025

Sta­bi­li­sie­rung auf hohem Niveau bei gleich­zei­tig zuneh­men­den struk­tu­rel­len Risi­ken

1. Gesamt­ent­wick­lung der Arbeits­lo­sig­keit
Die regis­trier­te Arbeits­lo­sig­keit steigt im Okto­ber 2025 gegen­über dem Vor­mo­nat leicht an (+1,5 % auf 135’212 Per­so­nen). Sai­son­be­rei­nigt zeigt sich ein noch mode­ra­te­rer Anstieg (+0,5 %). Im Jah­res­ver­gleich ist der Zuwachs jedoch deut­lich (+16,1 %). Die Arbeits­lo­sen­quo­te liegt bei 2,9 %, sai­son­be­rei­nigt bei 3,0 %. Die­se Wer­te mar­kie­ren – gemes­sen an den Vor­jah­ren – eine spür­ba­re Abküh­lung des Arbeits­markts. Aller­dings bleibt das Niveau im his­to­ri­schen Kon­text noch immer rela­tiv nied­rig. Die Zunah­me erscheint breit abge­stützt über Alters­grup­pen, Sprach­re­gio­nen und Aus­bil­dungs­ni­veaus hin­weg.

Kri­ti­sche Ein­ord­nung:
Der mode­ra­te Monats­an­stieg spricht eher für sai­so­na­le oder kon­junk­tu­rell fla­che Effek­te, der star­ke Jah­res­an­stieg dage­gen für struk­tu­rel­le oder zumin­dest anhal­ten­de zykli­sche Belas­tun­gen. Die Zah­len deu­ten nicht auf eine Arbeits­markt­kri­se, aber auf einen klar schwä­che­ren Arbeits­markt als 2023–2024.

2. Jugend­ar­beits­lo­sig­keit und älte­re Arbeit­neh­men­de
Die Jugend­ar­beits­lo­sig­keit sinkt zum Vor­mo­nat deut­lich (-2,8 %), bleibt aber im Jah­res­ver­gleich mar­kant erhöht (+15,9 %). Älte­re Arbeits­lo­se (50–64) stei­gen sowohl im Monats- wie im Jah­res­ver­gleich an, wobei ins­be­son­de­re der Jah­res­an­stieg (+15,5 %) bemer­kens­wert ist.

Kri­ti­sche Ein­ord­nung:
Der kurz­fris­ti­ge Rück­gang bei jun­gen Men­schen könn­te sai­so­nal bedingt sein (Start des Aus­bil­dungs­jah­res). Die struk­tu­rel­le Ent­wick­lung bleibt aber nega­tiv. Die Zunah­me bei älte­ren Arbeit­neh­men­den ist arbeits­markt­po­li­tisch rele­van­ter, da die­se Grup­pe typi­scher­wei­se län­ge­re Such­dau­ern hat.

3. Stel­len­su­chen­de ins­ge­samt
Die Zahl der Stel­len­su­chen­den (eine brei­te­re Kate­go­rie als „Arbeits­lo­se“) steigt eben­falls deut­lich (+2,8 % zum Vor­mo­nat, +14,9 % zum Vor­jahr). Die Quo­te liegt bei 4,7 %, sai­son­be­rei­nigt bei 4,8 %.

Kri­ti­sche Ein­ord­nung:
Der par­al­le­le Anstieg von Arbeits­lo­sen und Stel­len­su­chen­den signa­li­siert eine brei­te­re Schwä­che­pha­se des Arbeits­mark­tes. Die sai­son­be­rei­nig­te Zunah­me unter­streicht, dass es kei­ne rein sai­so­na­le Bewe­gung ist.

4. Offe­ne Stel­len
Die gemel­de­ten offe­nen Stel­len sin­ken im Monats­ver­gleich deut­lich (-6,4 %). Sai­son­be­rei­nigt zeigt sich aller­dings ein leich­ter Anstieg (+0,9 %). Im Jah­res­ver­gleich bleibt das Ange­bot an offe­nen Stel­len leicht höher (+1,5 %).

Kri­ti­sche Ein­ord­nung:
Der Rück­gang dürf­te teil­wei­se durch sai­so­na­le Effek­te im Herbst ver­ur­sacht sein. Der leich­te sai­son­be­rei­nig­te Anstieg wider­spricht aller­dings nicht der all­ge­mei­nen Schwä­che, son­dern kann auf Mel­de­pflicht, ver­än­der­te Rekru­tie­rungs­pro­zes­se oder bran­chen­spe­zi­fi­sche Fak­to­ren zurück­ge­hen. Ins­ge­samt bleibt das Stel­len­an­ge­bot aber flach.

5. Kurz­ar­beit
Die Zahl der von Kurz­ar­beit betrof­fe­nen Per­so­nen geht stark zurück (-27,7 % gegen­über Juni; Daten drei Mona­te ver­zö­gert).

Kri­ti­sche Ein­ord­nung:
Kurz­ar­beit ist ein Früh­in­di­ka­tor für kon­junk­tu­rel­le Belas­tun­gen. Der star­ke Rück­gang wirkt posi­tiv, steht aber im Wider­spruch zum Anstieg der Arbeits­lo­sig­keit. Dies kann dar­auf hin­deu­ten, dass Betrie­be weni­ger auf Arbeits­platz­si­che­rung set­zen oder dass der kon­junk­tu­rel­le Abschwung nicht in allen Bran­chen gleich wirkt.

6. Regio­na­le Unter­schie­de
Die Arbeits­lo­sen­quo­te bleibt stark kan­to­nal dif­fe­ren­ziert: tie­fe Wer­te z. B. in Appen­zell Inner­rho­den (0,8 %), hohe in Jura (5,0 %) und Genf (4,9 %). Der Anstieg zum Vor­jahr ist jedoch flä­chen­de­ckend.

Kri­ti­sche Ein­ord­nung:
Die struk­tu­rel­len Dif­fe­ren­zen zwi­schen den Kan­to­nen blei­ben bestehen. Beson­ders urba­ne und dienst­leis­tungs­ori­en­tier­te Regio­nen ver­zeich­nen höhe­re Quo­ten, was auf bran­chen­spe­zi­fi­sche Belas­tun­gen hin­deu­tet.

7. Bran­chen­trends
Alle Haupt­sek­to­ren ver­zeich­nen höhe­re Arbeits­lo­sen­zah­len als im Vor­jahr. Dienst­leis­tungs­be­ru­fe wei­sen die stärks­ten abso­lu­ten Zuwäch­se auf. Im Maschi­nen­bau, in der Che­mie und in wis­sens­in­ten­si­ven Dienst­leis­tun­gen zeigt sich ein deut­li­cher Anstieg.

Kri­ti­sche Ein­ord­nung:
Die breit gestie­ge­nen Wer­te spre­chen gegen eine sek­to­ra­le Son­der­schwä­che und eher für eine kon­junk­tu­rel­le Gesamt­dämp­fung. Die beson­ders betrof­fe­nen Bran­chen gehö­ren teil­wei­se zu export­ori­en­tier­ten Indus­trien, was auf inter­na­tio­na­le Fak­to­ren hin­deu­ten kann.

8. Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit
Die Zahl der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen steigt deut­lich (+31,9 % im Jah­res­ver­gleich).

Kri­ti­sche Ein­ord­nung:
Dies ist der struk­tu­rell pro­ble­ma­tischs­te Wert. Ein per­sis­ten­ter Anstieg der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit weist auf inef­fi­zi­en­te Matching-Pro­zes­se, Qua­li­fi­ka­ti­ons­lü­cken oder man­geln­de Inte­gra­ti­ons­me­cha­nis­men hin.

Gesamt­fa­zit
Der Schwei­zer Arbeits­markt zeigt im Okto­ber 2025 eine mess­ba­re Abschwä­chung, die sich nicht mehr mit sai­so­na­len Effek­ten erklä­ren lässt. Der Arbeits­markt bleibt jedoch im his­to­ri­schen Ver­gleich robust. Beson­ders kri­tisch sind die par­al­le­len Ent­wick­lun­gen stei­gen­der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit, brei­ter Auf­fä­che­rung über alle Alters- und Qua­li­fi­ka­ti­ons­grup­pen sowie der gleich­zei­ti­ge Rück­gang der gemel­de­ten offe­nen Stel­len. Kurz­ar­beit geht zwar zurück, trägt aber nicht zur Ent­las­tung des Mark­tes bei. Die Gesamt­dy­na­mik passt eher zu einer ver­hal­te­nen Kon­junk­tur als zu einer aku­ten Kri­se.


Quel­le: Bericht „Die Lage auf dem Arbeits­markt – Okto­ber 2025“ des SECO

Grenz­gän­ger­sta­tis­tik im 3. Quar­tal 2025

Die Grenz­gän­ger­sta­tis­tik (GGS) zum 3. Quar­tal 2025 ist ab sofort ver­füg­bar. Die Anzahl der in der Schweiz täti­gen aus­län­di­schen Grenz­gän­ger und Grenz­gän­ge­rin­nen mit Grenz­gän­ger­be­wil­li­gun­gen (Aus­weis G) belief sich Ende Sep­tem­ber auf rund 410 000. Ihre Gesamt­zahl stieg um 1,2% gegen­über dem 3. Quar­tal 2024.

Etwas mehr als die Hälf­te aller Grenz­gän­ge­rin­nen und Grenz­gän­ger hat­ten ihren Wohn­sitz in Frank­reich (57,6%). Eben­falls gros­se Antei­le wohn­ten in Ita­li­en (22,7%) und in Deutsch­land (16,5%). Über die letz­ten fünf Jah­re hin­weg stieg die Anzahl von 342 000 im 3. Quar­tal 2020 auf 410 000 im 3. Quar­tal 2025. Dies ent­spricht einem Wachs­tum von 19,9%.


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