Die Europäische Zentralbank (EZB) hat kürzlich beschlossen, den Einlagenzins im Euroraum unverändert bei 2,0 Prozent zu belassen. Es handelt sich um die vierte Zinspause in Folge, ein Schritt, der von den Finanzmärkten weitgehend erwartet worden war .
1. Aktuelle Zinsentscheidung
- Die EZB hält das bestehende Zinsniveau stabil und verzichtet vorerst auf weitere Lockerungen.
- Der Einlagenzins, den Banken für bei der EZB geparktes überschüssiges Kapital erhalten, bleibt bei 2,0 Prozent.
- Hintergrund ist die Einschätzung der Notenbank, dass sich die Inflation mittelfristig am Zielwert von 2 Prozent stabilisieren dürfte; zuletzt lag sie im November bei 2,1 Prozent .
2. Inflationsentwicklung und neue Projektionen
- Auffällig ist die Anhebung der Prognose für die Kerninflation im Jahr 2026 um 0,3 Prozentpunkte, was auf anhaltenden inländischen Preisdruck hindeutet, insbesondere im Dienstleistungssektor.
- Die EZB verweist erstmals explizit auf diesen strukturellen Inflationsfaktor.
- Die neuen Projektionen zeigen:
- 2026: Inflation 1,9 %, Kerninflation 2,2 %, Wachstum 1,2 %
- 2027: Inflation 1,8 %, Kerninflation 1,9 %, Wachstum 1,4 %
- 2028: Inflation 2,0 %, Kerninflation 2,0 %, Wachstum 1,4 % .
3. Rolle externer Faktoren
- In den Prognosen ist berücksichtigt, dass die Einführung des neuen EU-CO₂-Bepreisungssystems („ETS 2“) von 2027 auf 2028 verschoben wurde.
- Dadurch wird der inflationäre Effekt (z. B. steigende Energie- und Kraftstoffpreise) zeitlich nach hinten verlagert: geringerer Preisdruck 2027, dafür ein leichter Inflationsschub 2028.
4. Geldpolitische Bewertung und Kritik
- EZB-Chefvolkswirt Philip Lane betont, dass die Notenbank auf temporäre Abweichungen vom Inflationsziel nicht sofort reagieren will.
- Diese Flexibilität wird von der EZB als strategische Stärke dargestellt, birgt jedoch das Risiko, persistente Preistrends zu unterschätzen und zu spät gegenzusteuern.
- Externe Ökonomen bewerten die abwartende Haltung überwiegend als angemessen, sehen aber kaum noch Spielraum für vorsorgliche Zinssenkungen, solange sich Konjunktur und Inflation nicht deutlich verschlechtern .
5. Gesamteinschätzung
Das wirtschaftliche Lagebild bleibt gemischt: sinkende Inflationsraten sprechen für Entspannung, gleichzeitig signalisiert die erhöhte Kerninflation strukturelle Risiken. Die EZB setzt daher auf Stabilität und Beobachtung statt auf weitere Zinsschritte. Diese Strategie erscheint kurzfristig konsistent, ist jedoch nicht frei von Risiken, da sie stark auf die Annahme setzt, dass der Dienstleistungs-Preisdruck tatsächlich nachlässt und keine neuen externen Schocks auftreten.
