GfK-Konsumklima in Deutschland – Dezember 2025

1. Zentrale Befunde

1.1 Deutlicher Einbruch des Konsumklimas

  • Der GfK-Konsumklimaindex fällt für Januar 2026 um 3,5 Punkte auf –26,9.
  • Damit wird nicht nur der Vormonat klar unterschritten, sondern auch die Erwartungen der Ökonomen verfehlt (erwartet: ca. –23).
  • Das Niveau gehört zu den schwächsten Werten seit der Corona-Zeit und liegt nur knapp über dem Tiefpunkt vom April 2024.

Einordnung:
Der Rückgang ist kein kurzfristiger Ausreißer, sondern Ausdruck einer verfestigten Konsumzurückhaltung.

2. Ursachen des Stimmungseinbruchs

2.1 Stark steigende Sparneigung

  • Die Sparneigung steigt auf 18,7 Punkte, den höchsten Wert seit der Finanzkrise 2008.
  • Dies gilt als Haupttreiber des Absturzes.

Interpretation:
Die Haushalte reagieren defensiv: Unsicherheit schlägt Ausgabenbereitschaft.

2.2 Sinkende Einkommenserwartungen

  • Der Einkommensindikator fällt zum dritten Mal in Folge auf –6,9 Punkte.
  • Entscheidender Faktor ist nicht das nominale Einkommen, sondern die wahrgenommene reale Kaufkraft, die durch neue Inflationsängste geschwächt wird.

Kritische Anmerkung:
Die Studien machen deutlich, wie stark Inflationserwartungen wirken – unabhängig davon, ob reale Einkommen bereits sinken.

2.3 Rückgang der Anschaffungsneigung

  • Die Bereitschaft zu größeren Käufen (z. B. Möbel, Autos, Fahrräder) sinkt auf –7,5 Punkte.
  • Im Jahresvergleich liegt sie rund zwei Punkte unter Vorjahr.

Folge:
Insbesondere der Einzelhandel langlebiger Güter leidet strukturell weiter.

3. Lichtblick: Konjunkturerwartungen

  • Der Konjunkturindikator steigt leicht auf +1,2 Punkte.
  • Verbraucher rechnen für 2026 mit allenfalls moderatem Wachstum (≈ 1 %), teils getragen von staatlichen Ausgaben (Infrastruktur, Rüstung).

Relativierung:
Dieser Optimismus bleibt abstrakt und übersetzt sich nicht in konkretes Konsumverhalten.

4. Politisch-ökonomischer Kontext

  • Verunsicherung entsteht durch:
    • erneute Inflationsängste,
    • Diskussionen über die Zukunft der Rentenversicherung,
    • unklaren wirtschaftspolitischen Kurs.
  • Kommentatoren sprechen von einem „Fehlstart ins Konsumjahr 2026“ bzw. einem „heftigen Nackenschlag zur Weihnachtszeit“.

5. Kritische Gesamtbewertung

  1. Psychologie dominiert Ökonomie
    Die Daten zeigen weniger eine akute Einkommenskrise als eine Krise des Vertrauens.
  2. Sparen als rationales Signal
    Die hohe Sparneigung ist nicht irrational, sondern Ausdruck von Vorsorge angesichts politischer und preislicher Unsicherheit.
  3. Begrenzte Aussagekraft für kurzfristige Prognosen
    Das Konsumklima ist ein Stimmungs-Frühindikator, kein harter Umsatzmaßstab – insbesondere, da der Einzelhandel nur rund 30 % der Konsumausgaben ausmacht.
  4. Risiko für Konjunkturerholung
    Ohne glaubwürdige Stabilisierung von Kaufkraft und Erwartungssicherheit droht der private Konsum auch 2026 ein Bremsklotz des Wachstums zu bleiben.

6. Kurzfazit

Das deutsche Konsumklima befindet sich zum Jahreswechsel 2025/26 in einem klaren Abwärtstrend. Getrieben von hoher Sparneigung, sinkenden Einkommenserwartungen und politisch-ökonomischer Unsicherheit fehlt dem privaten Konsum derzeit jede Dynamik. Der leichte Optimismus für die Gesamtwirtschaft reicht nicht aus, um die Zurückhaltung der Verbraucher zu durchbrechen.


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