1. Zentrale Aussage
Das ifo Beschäftigungsbarometer signalisiert im Dezember 2025 eine weitere Verschlechterung der Beschäftigungsaussichten in Deutschland. Mit 91,9 Punkten erreicht der Index den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Die Unternehmen planen überwiegend Stellenabbau statt Neueinstellungen .
2. Gesamtwirtschaftlicher Kontext
- Der Rückgang von 92,5 Punkten im November auf 91,9 Punkte im Dezember zeigt eine anhaltende Eintrübung.
- Hauptursache ist laut ifo die schwache Konjunktur, die den Arbeitsmarkt zunehmend belastet.
- Besonders auffällig ist der „schleichende Stellenabbau“ im Jahr 2025, der nicht abrupt, sondern kontinuierlich erfolgt.
3. Branchenbezogene Entwicklung
- Industrie: Nahezu alle Industriezweige bauen Personal ab. Besonders stark betroffen ist die Bekleidungsindustrie.
- Dienstleistungssektor: Unternehmen bleiben bei Neueinstellungen zurückhaltend; auch hier verschlechtert sich die Stimmung.
- Handel: Die Erwartungen sind ebenfalls negativ, viele Unternehmen planen mit weniger Beschäftigten.
- Bauwirtschaft: Insgesamt stabile Lage, da sich positive und negative Erwartungen ausgleichen; das Bauhauptgewerbe rechnet mit konstantem Personalbestand.
- Positive Ausnahmen: Tourismusbranche und Unternehmensberatungen erwarten steigenden Personalbedarf im kommenden Jahr.
4. Einordnung der Zeitreihe
Die im Dokument dargestellte Zeitreihe des Beschäftigungsbarometers (Grafik) zeigt, dass sich der Index seit dem Hochpunkt 2021/2022 deutlich nach unten bewegt hat. Der aktuelle Wert bestätigt einen längerfristigen Abwärtstrend und keine kurzfristige Schwankung.


5. Kritische Würdigung
- Das Beschäftigungsbarometer misst Erwartungen, nicht die tatsächlich realisierte Beschäftigung. Es ist daher ein Frühindikator, dessen Aussagekraft von der weiteren konjunkturellen Entwicklung abhängt.
- Die starke Betonung der Industrie verdeckt, dass es innerhalb der Wirtschaft durchaus gegenläufige Dynamiken gibt (z. B. Tourismus, Beratung).
- Der Vergleich mit Mai 2020 ist zwar eindrucksvoll, greift aber nur bedingt: Damals war der Arbeitsmarkt durch einen exogenen Schock (Pandemie) geprägt, heute durch strukturelle und konjunkturelle Schwächen.
- Offen bleibt, inwieweit demografische Effekte, Fachkräftemangel oder staatliche Maßnahmen (z. B. Arbeitsmarktpolitik) die negative Entwicklung künftig abfedern könnten.
6. Fazit
Das ifo-Beschäftigungsbarometer zeichnet ein konsistentes Bild eines sich weiter abschwächenden Arbeitsmarkts in Deutschland zum Jahresende 2025. Trotz einzelner Lichtblicke überwiegen branchenübergreifend die Abbaupläne. Die Ergebnisse mahnen zur Vorsicht, sollten jedoch nicht als unumkehrbare Prognose verstanden werden, sondern als Warnsignal in einer konjunkturell angespannten Phase.
