Grün­den trotz Kri­se – steu­er­lich rich­tig star­ten

1) Grün­dungs­ak­ti­vi­tät in Deutsch­land

Trotz wirt­schaft­li­cher Unsi­cher­hei­ten ent­schei­den sich vie­le Men­schen für den Schritt in die Selbst­stän­dig­keit.
Nach dem KfW-Grün­dungs­mo­ni­tor 2024 gab es rund 585.000 Exis­tenz­grün­dun­gen, was einem Anstieg von etwa 3 % gegen­über dem Vor­jahr ent­spricht. Dabei ist zu beach­ten, dass ein erheb­li­cher Teil auf Neben­er­werbs­grün­dun­gen ent­fällt.

Ein­ord­nung: Der Trend zu neben­be­ruf­li­chen Grün­dun­gen (z. B. Online-Busi­ness, Bera­tung, Platt­form­ar­beit) ist ein wesent­li­cher Trei­ber die­ser Ent­wick­lung. Aus­sa­gen über 2025 sind der­zeit nur pro­gnos­tisch mög­lich.

2) Grün­dungs­kos­ten steu­er­lich abset­zen

Kos­ten, die im Zusam­men­hang mit der Vor­be­rei­tung einer selbst­stän­di­gen Tätig­keit ent­ste­hen, kön­nen steu­er­lich berück­sich­tigt wer­den, wenn eine ernst­haf­te und nach außen erkenn­ba­re Grün­dungs­ab­sicht besteht.

Steu­er­li­che Ein­ord­nung

  • Bei spä­te­ren betrieb­li­chen Ein­künf­ten gel­ten die­se Kos­ten als vor­weg­ge­nom­me­ne Betriebs­aus­ga­ben.
  • Vor­aus­set­zung ist, dass die Auf­wen­dun­gen objek­tiv der spä­te­ren Ein­kunfts­er­zie­lung die­nen.

Typi­sche abzugs­fä­hi­ge Kos­ten

  • Grün­dungs­be­ra­tung, Steu­er­be­ra­tung
  • Erstel­lung der Web­site, Logo, Mar­ke­ting­ma­te­ri­al
  • Fach­li­te­ra­tur, berufs­be­zo­ge­ne Fort­bil­dun­gen
  • Büro­ma­te­ri­al, Arbeits­mit­tel

Wich­ti­ge Abgren­zung

Nicht abzugs­fä­hig sind:

  • pri­va­te Lebens­hal­tungs­kos­ten
  • all­ge­mein moti­vie­ren­de oder per­sön­lich­keits­bil­den­de Maß­nah­men ohne kla­ren Berufs­be­zug

Beson­der­heit bei UG/GmbH

Bei Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten müs­sen Vor­grün­dungs­kos­ten sau­ber behan­delt wer­den, z. B.:

  • als Ein­la­ge des Gesell­schaf­ters oder
  • durch Kos­ten­er­stat­tungs­ver­ein­ba­rung mit der Gesell­schaft

Ohne kla­re Rege­lung dro­hen steu­er­li­che Pro­ble­me (Nicht­an­er­ken­nung, ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung).

3) Kos­ten trans­pa­rent doku­men­tie­ren

Bele­ge müs­sen der Steu­er­erklä­rung nicht auto­ma­tisch bei­gefügt wer­den. Das Finanz­amt kann sie jedoch jeder­zeit im Rah­men einer Prü­fung anfor­dern.

Pra­xis­hin­wei­se

  • Bele­ge voll­stän­dig auf­be­wah­ren (10 Jah­re)
  • Bei erklä­rungs­be­dürf­ti­gen Kos­ten (z. B. Coa­ching, Semi­na­re) emp­fiehlt es sich, den beruf­li­chen Zusam­men­hang in den „ergän­zen­den Anga­ben“ kurz zu erläu­tern.
  • Fort­bil­dun­gen sind nur dann absetz­bar, wenn ein kla­rer fach­li­cher Bezug zur Tätig­keit besteht.

All­ge­mei­ne Moti­va­tions- oder Per­sön­lich­keits­se­mi­na­re wer­den regel­mä­ßig nicht aner­kannt.

4) Die pas­sen­de Rechts­form wäh­len

Die Wahl der Rechts­form soll­te sich an fol­gen­den Kri­te­ri­en ori­en­tie­ren:

  • Haf­tungs­ri­si­ko
  • Gewinn­hö­he
  • Ent­nah­me­be­darf für den Lebens­un­ter­halt
  • geplan­te Ska­lie­rung oder spä­te­rer Ver­kauf

Ein­zel­un­ter­neh­men / Frei­be­ruf

  • Gerin­ge lau­fen­de Kos­ten
  • Vol­le Besteue­rung mit dem per­sön­li­chen Steu­er­satz
  • Sinn­voll, wenn Gewin­ne pri­vat benö­tigt wer­den

GmbH / UG

  • Haf­tungs­be­gren­zung
  • Kör­per­schaft­steu­er + Gewer­be­steu­er (zusam­men ca. 30 %)
  • Steu­er­lich vor­teil­haft bei The­sau­ri­e­rung (Reinves­ti­ti­on der Gewin­ne)
  • Wirt­schaft­lich sinn­voll meist ab ca. 80.000–150.000 € Gewinn (je nach Ein­zel­fall)

Hol­ding-Struk­tur

Eine Hol­ding kann beim spä­te­ren Ver­kauf erheb­li­che Steu­er­vor­tei­le brin­gen:

  • Ver­kauft eine Kapi­tal­ge­sell­schaft Antei­le an einer ande­ren Kapi­tal­ge­sell­schaft, sind 95 % des Gewinns steu­er­frei (§ 8b KStG).
  • Effek­ti­ve Steu­er­be­las­tung ca. 1,5 %.

Ach­tung: Die­ser Vor­teil gilt nicht bei Ver­kauf durch Pri­vat­per­so­nen oder bei Ein­zel­un­ter­neh­men.

5) Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung – bewusst ent­schei­den

Die Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung kann ange­wen­det wer­den, wenn:

  • der Umsatz im Vor­jahr max. 25.000 € betrug und
  • der Umsatz im lau­fen­den Jahr vor­aus­sicht­lich 100.000 € nicht über­steigt.

Vor­tei­le

  • Kei­ne Umsatz­steu­er auf Rech­nun­gen
  • Weni­ger Büro­kra­tie

Nach­tei­le

  • Kein Vor­steu­er­ab­zug aus Ein­gangs­rech­nun­gen

Neue­rung

Wird die 100.000-€-Grenze im lau­fen­den Jahr über­schrit­ten, ent­fällt die Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung sofort – ab die­sem Zeit­punkt ist Umsatz­steu­er aus­zu­wei­sen.

6) Liqui­di­tät gezielt steu­ern

Ein­kom­men­steu­er-Vor­aus­zah­lun­gen

  • Basie­ren auf dem geschätz­ten Gewinn
  • Kön­nen bei Bedarf ange­passt wer­den, um hohe Nach­zah­lun­gen zu ver­mei­den

Umsatz­steu­er: Ist-Ver­steue­rung

  • Bei der Ist-Ver­steue­rung wird Umsatz­steu­er erst bei Zah­lungs­ein­gang fäl­lig
  • Mög­lich bis 800.000 € Vor­jah­res­um­satz
  • Frei­be­ruf­ler nut­zen sie auto­ma­tisch
  • Gewer­be­trei­ben­de müs­sen sie bean­tra­gen

Das ver­bes­sert die Liqui­di­tät erheb­lich, ins­be­son­de­re bei lan­gen Zah­lungs­zie­len.

7) Ver­lus­te steu­er­lich nut­zen

Ein­zel­un­ter­neh­mer / Frei­be­ruf­ler

  • Ver­lus­te kön­nen mit ande­ren Ein­künf­ten (z. B. Gehalt) ver­rech­net wer­den
  • Mög­lich ist:
    • Ver­lust­rück­trag (max. 1 Mio. € / 2 Mio. € bei Zusam­men­ver­an­la­gung)
    • Ver­lust­vor­trag in Fol­ge­jah­re

GmbH

  • Ver­lus­te blei­ben in der GmbH (Tren­nungs­prin­zip)
  • Kei­ne Ver­rech­nung mit pri­va­ten Ein­künf­ten der Gesell­schaf­ter

Aktu­el­le Rege­lung (2024–2027)

  • Bis 1 Mio. €: voll­stän­di­ge Ver­rech­nung
  • Dar­über hin­aus: nur 70 % des dar­über­lie­gen­den Ein­kom­mens ver­re­chen­bar

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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater