1. Gesamtwirtschaftlicher Kontext
- Anhaltende wirtschaftliche Schwäche:
Das reale BIP stagnierte im 3. Quartal 2025, für das Gesamtjahr wird lediglich ein Mini-Wachstum von ca. +0,1 % erwartet. Deutschland befindet sich faktisch im dritten Jahr einer Stagnations-/Rezessionsphase. - Unsichere Erwartungen:
Unternehmensstimmung und Konsumklima sind eingetrübt, Sparneigung steigt, Investitionen bleiben verhalten.
Kritische Einordnung:
Die Kombination aus schwacher Binnenkonjunktur, Exportproblemen (u.a. Wettbewerbsdruck, Zölle) und Investitionszurückhaltung deutet auf strukturelle Probleme hin, nicht nur auf eine konjunkturelle Delle. Politische Maßnahmen (z.B. Abschreibungen, Leitzinssenkungen) zeigen bisher nur begrenzte Wirkung.
2. Arbeitsmarkt – Dezember 2025 (Monatsperspektive)
2.1 Beschäftigung
- Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stagniert, Teilzeit wächst, Vollzeit nimmt ab.
- Verarbeitendes Gewerbe verliert stark, Zuwächse vor allem in staatsnahen Bereichen (Gesundheit, Pflege, Soziales).
- Beschäftigungszuwachs fast ausschließlich durch Ausländer, insbesondere Drittstaaten (Ukraine, Asylherkunftsländer, Westbalkan).
- Beschäftigung von Deutschen sinkt deutlich, v.a. demografisch bedingt.
Kritische Einordnung:
Der Beschäftigungsaufbau in staatsnahen Bereichen kompensiert nur statistisch den industriellen Abbau. Realwirtschaftlich ist das problematisch, da produktive Wertschöpfung verloren geht, während konsumtive Dienstleistungen wachsen. Die demografische Schrumpfung der deutschen Erwerbsbevölkerung verschärft die Lage zusätzlich.
2.2 Kurzarbeit
- Rund 203.000 Beschäftigte in konjunktureller Kurzarbeit (Oktober), Quote ca. 0,6 %.
- Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe relevant.
Kritische Einordnung:
Kurzarbeit wirkt weiterhin als Puffer, verhindert Entlassungen, kann aber strukturelle Anpassungen verzögern. Bei längerer Stagnation droht ein „Hinauszögern der Bereinigung“.
2.3 Arbeitskräftenachfrage
- Gemeldete Stellen auf niedrigem Niveau stabilisiert, aber historisch schwach.
- Gesamtwirtschaftliches Stellenangebot (IAB): –19 % ggü. Vorjahr.
- Lange Vakanzzeiten (Ø 167 Tage) → Passungsprobleme.
Kritische Einordnung:
Kein flächendeckender Fachkräftemangel, sondern segmentierte Engpässe (Pflege, Bau, IT, Erziehung, Verkehr). Das spricht für Qualifikationsmismatch und unzureichende Weiterbildungspolitik.
2.4 Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung
- Arbeitslosigkeit steigt saisonbedingt (2,91 Mio), Quote 6,2 %.
- Langzeitarbeitslosigkeit nimmt zu (+6 % ggü. Vorjahr).
- Abgangschancen historisch niedrig, Zugangsrisiko steigt.
Kritische Einordnung:
Besonders problematisch ist die Kombination aus:
- steigender Langzeitarbeitslosigkeit,
- schwacher Nachfrage,
- geringer Integrationsdynamik.
Das erhöht die Gefahr dauerhafter Exklusion vom Arbeitsmarkt.
3. Soziale Sicherung bei Arbeitslosigkeit
- 4,79 Mio Leistungsbeziehende (ALG I + Bürgergeld) im Dezember.
- ALG-I-Beziehende deutlich mehr (+102.000),
- Bürgergeld-Beziehende leicht weniger (–122.000).
Kritische Einordnung:
Der Anstieg im SGB III zeigt die konjunkturelle Verschlechterung. Der Rückgang im SGB II ist teilweise statistisch und migrationsbedingt. Von Entspannung kann keine Rede sein.
4. Ausbildungsmarkt
4.1 Kurzfristig (Nachvermittlung, „5. Quartal“)
- Weniger Ausbildungsstellen, mehr Bewerber.
- Unversorgte Bewerber deutlich gestiegen.
4.2 Jahresrückblick 2025
- Ausbildungsstellenmeldungen rückläufig, Bewerbermeldungen steigend.
- Passungsprobleme prägen den Markt.
- Mehr unversorgte Bewerber, weniger unbesetzte Stellen.
Kritische Einordnung:
Hier zeigt sich ein strukturelles Vermittlungsproblem:
Nicht zu wenige Jugendliche, sondern falsche regionale, qualitative und berufliche Passung. Gleichzeitig schreckt die wirtschaftliche Unsicherheit Betriebe von Ausbildung ab – ein riskanter Trend mit Blick auf den Fachkräftebedarf.
5. Arbeitsmarktpolitische Instrumente
- Dezember: 718.000 Teilnehmende, leicht mehr als im Vorjahr.
- Jahresdurchschnitt 2025: 677.000, –4 % ggü. Vorjahr.
- Aktivierungsquote sinkt.
Kritische Einordnung:
Der Rückgang der Förderung bei gleichzeitig steigender Langzeitarbeitslosigkeit ist arbeitsmarktpolitisch widersprüchlich. Gerade in einer Schwächephase wären Qualifizierung und intensive Betreuung besonders nötig.
6. Jahresrückblick 2025 – Gesamtbild
- Drittes Jahr steigende Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung.
- Beschäftigung wächst zu schwach, um Arbeitslosigkeit zu kompensieren.
- Stellenmeldungen auf historischem Tiefstand.
- Ausbildungsmarkt angespannt, mehr unversorgte Bewerber.
Zusammenfassende Bewertung:
2025 war arbeitsmarktlich kein Krisenjahr im klassischen Sinn, aber ein Erosionsjahr:
- schleichender Abbau industrieller Beschäftigung,
- wachsende Langzeitarbeitslosigkeit,
- nachlassende Dynamik,
- strukturelle Mismatches,
- demografische Belastungen.
7. Gesamtfazit (kompakt)
Der Bericht zeichnet das Bild eines strukturell geschwächten Arbeitsmarkts:
- Konjunktur schwach,
- Beschäftigung qualitativ problematisch verschoben,
- Nachfrage niedrig,
- Integrationschancen gering,
- Ausbildungsmarkt dysfunktional,
- Arbeitsmarktpolitik eher defensiv als offensiv.
Kritischer Kernpunkt:
Ohne kräftige Investitionen, Qualifizierungsoffensiven und eine aktive Industrie- und Standortpolitik droht eine Verfestigung von Arbeitslosigkeit und Fachkräfteengpässen zugleich – ein klassischer Fall von gleichzeitigem Mangel und Überschuss.
