Regel­in­sol­ven­zen im Dezem­ber 2025

1. Kern­aus­sa­gen

1.1 Ent­wick­lung der Regel­in­sol­ven­zen (Dezem­ber 2025)

  • Im Dezem­ber 2025 stieg die Zahl der bean­trag­ten Regel­in­sol­ven­zen um 15,2 % gegen­über dem Vor­jah­res­mo­nat.
  • Es han­delt sich um vor­läu­fi­ge Anga­ben (expe­ri­men­tel­ler Schnell­in­di­ka­tor).
  • Wich­tig: Die Sta­tis­tik erfasst die Anträ­ge erst nach der ers­ten Ent­schei­dung des Insol­venz­ge­richts; der tat­säch­li­che Antrag liegt oft rund drei Mona­te frü­her.

Ein­ord­nung:
Der deut­li­che Anstieg signa­li­siert eine spür­ba­re Ver­schlech­te­rung der wirt­schaft­li­chen Lage vie­ler Unter­neh­men. Auf­grund des Zeit­ver­zugs bil­det die Zahl eher die wirt­schaft­li­che Situa­ti­on des Spätsommers/Herbstes 2025 ab – ein Indiz für eine bereits län­ger anhal­ten­de Schwä­che­pha­se.

1.2 Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen (Okto­ber 2025, end­gül­ti­ge Ergeb­nis­se)

  • 2.108 Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen im Okto­ber 2025
  • +4,8 % gegen­über Okto­ber 2024
  • For­de­run­gen der Gläu­bi­ger: ca. 2,6 Mrd. Euro (Okto­ber 2024: ca. 3,8 Mrd. Euro)

Ein­ord­nung:
Der Rück­gang der For­de­rungs­sum­me trotz stei­gen­der Fall­zah­len deu­tet dar­auf hin, dass eher klei­ne­re oder weni­ger kapi­tal­in­ten­si­ve Unter­neh­men insol­vent gin­gen. Das rela­ti­viert die gesamt­wirt­schaft­li­che Spreng­kraft, zeigt aber gleich­zei­tig eine brei­te struk­tu­rel­le Schwä­che im Mit­tel­stand.

1.3 Ver­brau­cher­insol­ven­zen (Okto­ber 2025)

  • 6.709 Ver­brau­cher­insol­ven­zen
  • +7,6 % gegen­über dem Vor­jah­res­mo­nat

Ein­ord­nung:
Der Anstieg bei Pri­vat­in­sol­ven­zen ist ein Warn­si­gnal für Real­ein­kom­mens­ver­lus­te, stei­gen­de Lebens­hal­tungs­kos­ten und mög­li­cher­wei­se zuneh­men­de Über­schul­dung. Hier zeigt sich die sozia­le Dimen­si­on der wirt­schaft­li­chen Abküh­lung.

1.4 Bran­chen­ver­gleich: Insol­venz­häu­fig­keit

(je 10.000 Unter­neh­men, Okto­ber 2025)

  1. Ver­kehr und Lage­rei: 12,3
  2. Gast­ge­wer­be: 10,5
  3. Bau­ge­wer­be: 8,5

Ein­ord­nung:
Die­se Bran­chen sind beson­ders kon­junk­tur- und kos­ten­an­fäl­lig:

  • Verkehr/Logistik: hohe Ener­gie­prei­se, schwa­che Indus­trie­pro­duk­ti­on
  • Gast­ge­wer­be: Kon­sum­zu­rück­hal­tung, Per­so­nal­kos­ten, Nach­wir­kun­gen der Pan­de­mie
  • Bau: Zins­an­stieg, Nach­fra­ge­rück­gang, Mate­ri­al­kos­ten

Das Mus­ter spricht für struk­tu­rel­le Belas­tun­gen, nicht nur für kurz­fris­ti­ge Schwan­kun­gen.

2. Metho­di­sche Hin­wei­se (wich­tig für die Bewer­tung)

  • Die Insol­venz­sta­tis­tik erfasst nur Geschäfts­auf­ga­ben im Rah­men eines Insol­venz­ver­fah­rens, nicht frei­wil­li­ge Schlie­ßun­gen.
  • Nur rund 30 % aller Insol­venz­ver­fah­ren sind Regel­in­sol­ven­zen; davon wie­der­um ca. 55 % Unter­neh­mens­ver­fah­ren.
  • Die vor­läu­fi­gen Zah­len sind expe­ri­men­tell und metho­disch weni­ger belast­bar.
  • Ab Dezem­ber 2025 stellt Desta­tis die Ver­öf­fent­li­chung die­ser vor­läu­fi­gen Schnell­in­di­ka­to­ren ein; künf­tig nur noch end­gül­ti­ge Ergeb­nis­se.

Kri­ti­sche Bewer­tung:
Das Ende der Schnell­in­di­ka­to­ren ver­schlech­tert die aktu­el­le wirt­schaft­li­che Trans­pa­renz. Gera­de in Kri­sen­zei­ten ist zeit­na­he Sta­tis­tik ein wich­ti­ges Steue­rungs­in­stru­ment für Poli­tik und Wirt­schaft. Hier ent­steht eine Infor­ma­ti­ons­lü­cke.

3. Gesamt­be­wer­tung und kri­ti­sche Wür­di­gung

3.1 Was die Zah­len nahe­le­gen

  • Die Kom­bi­na­ti­on aus stei­gen­den Unter­neh­mens- und Ver­brau­cher­insol­ven­zen spricht für eine brei­te wirt­schaft­li­che Schwä­che, nicht nur für bran­chen­spe­zi­fi­sche Pro­ble­me.
  • Beson­ders betrof­fen sind dienst­leis­tungs­na­he, per­so­nal­in­ten­si­ve und ener­gie­ab­hän­gi­ge Bran­chen.
  • Der gerin­ge­re For­de­rungs­um­fang könn­te kurz­fris­tig beru­hi­gen, darf aber nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass die Zahl der Markt­teil­neh­mer sinkt – mit lang­fris­ti­gen Fol­gen für Wett­be­werb, Beschäf­ti­gung und regio­na­le Struk­tu­ren.

3.2 Was man nicht über­in­ter­pre­tie­ren soll­te

  • Ein Teil des Anstiegs könn­te Nach­hol­ef­fek­te sein (auf­ge­scho­be­ne Insol­ven­zen aus der Zeit der Aus­set­zung der Antrags­pflicht).
  • Die vor­läu­fi­gen Daten sind metho­disch ein­ge­schränkt; end­gül­ti­ge Zah­len kön­nen abwei­chen.

3.3 Kri­ti­sche Gegen­po­si­ti­on

Man könn­te argu­men­tie­ren, dass eine stei­gen­de Insol­venz­zahl auch Aus­druck einer markt­be­rei­ni­gen­den Funk­ti­on ist: Unpro­duk­ti­ve Geschäfts­mo­del­le ver­schwin­den, Res­sour­cen wer­den frei.
Gegen­ar­gu­ment: In einem Umfeld hoher Ener­gie­prei­se, geo­po­li­ti­scher Unsi­cher­heit und schwa­cher Nach­fra­ge ist nicht sicher, ob hier tat­säch­lich „inef­fi­zi­en­te“ Unter­neh­men ver­schwin­den – oder ob struk­tu­rell gesun­de Betrie­be durch exter­ne Schocks in die Insol­venz gedrängt wer­den.

4. Kurz­fa­zit

Die Mit­tei­lung zeigt deut­lich:

  • Deut­li­cher Anstieg der Regel­in­sol­ven­zen Ende 2025
  • Brei­te Betrof­fen­heit von Unter­neh­men und Ver­brau­chern
  • Beson­ders hohe Risi­ken in Verkehr/Logistik, Gast­ge­wer­be und Bau
  • Metho­disch ein­ge­schränk­te, aber in der Ten­denz alar­mie­ren­de Signa­le

Ins­ge­samt deu­ten die Daten weni­ger auf eine kurz­fris­ti­ge Del­le als auf eine ver­fes­tig­te wirt­schaft­li­che Schwä­che­pha­se hin, deren sozia­le und struk­tu­rel­le Fol­gen noch nicht voll­stän­dig sicht­bar sind.


Quel­le: desta­tis

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