Tesla hat angekündigt, die Einmalzahlung für sein „Full Self-Driving“-System abzuschaffen und die Funktion künftig ausschließlich im monatlichen Abonnement anzubieten. Was als strategischer Schritt verkauft wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein Instrument zur Erreichung von Elon Musks persönlichen Bonuszielen.
Elon Musk verkauft die Abschaffung des Einmalkaufs für „Full Self-Driving“ als Fortschritt. In Wahrheit ist sie vor allem eines: ein machtpolitischer und finanzieller Hebel zu seinen eigenen Gunsten. Wer genauer hinsieht, erkennt nicht die Vision eines besseren Produkts – sondern die Logik eines Systems, das Kunden in dauerhafte Abhängigkeit zwingt, um individuelle Vergütungsziele zu erreichen.
1. Das Abo ist kein Service – es ist eine Bindungsfalle
Das klassische Versprechen beim Autokauf lautete: Du zahlst – und es gehört dir.
Mit dem FSD-Abo wird dieses Prinzip endgültig entsorgt. Autonomie, also eine sicherheitskritische Kernfunktion, wird in ein kündbares, veränderbares, verteuerbares Mietverhältnis überführt.
Das ist kein Fortschritt. Das ist Machtverschiebung.
- Heute zahlst du monatlich.
- Morgen wird der Preis angepasst.
- Übermorgen werden Funktionen gestrichen oder neu bepreist.
Und du hast keine Alternative, weil dein Fahrzeug architektonisch darauf ausgelegt ist.
Das ist kein „Service-Modell“, das ist Lock-in.
2. Der Elefant im Raum: Musks Vergütung
Man kann die Entscheidung nicht seriös diskutieren, ohne den Kontext zu benennen:
Musk braucht FSD-Abos, um persönliche Meilensteine zu erreichen.
Nicht Tesla braucht sie.
Nicht zwingend die Kunden.
Er braucht sie.
Das ist der Kern des Problems.
Wenn Produktstrategie und persönliche Vergütung so eng ineinander greifen, entsteht ein struktureller Interessenkonflikt. Dann wird nicht mehr gefragt:
„Was ist die beste Lösung für Nutzer und Sicherheit?“
sondern:
„Was maximiert die Kennzahlen, die meinen Bonus auslösen?“
In jedem normalen Governance-System wäre das ein rotes Tuch. Bei Tesla wird es als Vision verkauft.
3. „Recurring Revenue“ ist kein Argument – es ist eine Ausrede
Ja, Abos sind für Unternehmen attraktiv.
Ja, sie stabilisieren Cashflows.
Ja, Investoren lieben sie.
Aber: Nicht alles, was monetarisierbar ist, sollte monetarisiert werden.
Autonomes Fahren ist keine Musik-Playlist. Es ist keine Fitness-App. Es ist kein Streamingdienst. Es ist Sicherheitsinfrastruktur. Und die gehört nicht in ein Modell, das auf psychologischer Trägheit („Ich kündige später“) basiert.
Wenn ein Hersteller beginnt, sicherheitsrelevante Funktionen als Mietware zu behandeln, dann hat er die Grenze zwischen Produkt und Erpressbarkeit überschritten.
4. Die große Lüge: „Mehr Nutzung, mehr Zugang, mehr Freiheit“
Befürworter sagen: Das Abo senkt die Einstiegshürde, mehr Menschen können FSD nutzen.
Das klingt sozial. Ist es aber nicht.
In Wahrheit bedeutet es:
- Dauerzahlung statt Eigentum
- Abhängigkeit statt Kontrolle
- Unsicherheit statt Planbarkeit
Freiheit ist nicht, etwas monatlich mieten zu dürfen.
Freiheit ist, es zu besitzen.
Alles andere ist semantische Kosmetik.
5. Das größere Bild: Der schleichende Umbau der Eigentumsordnung
Tesla ist kein Einzelfall. Aber Tesla ist Vorreiter.
Und genau das macht es gefährlich.
Wenn sich dieses Modell durchsetzt, wird:
- das Auto zur Plattform,
- die Plattform zum Gatekeeper,
- der Nutzer zum Dauerschuldner.
Nicht, weil es technisch notwendig wäre – sondern weil es betriebswirtschaftlich opportun ist.
Das ist kein technologischer Fortschritt.
Das ist ökonomische Refeudalisierung.
6. Klare Position
Diese Entscheidung ist:
- nicht nutzerfreundlich,
- nicht innovationsgetrieben,
- nicht ethisch neutral.
Sie ist machtstrategisch, vergütungsgetrieben und strukturell problematisch.
Und sie verdient Widerspruch.
Nicht, weil Abos per se böse sind.
Sondern weil hier eine Grenze überschritten wird:
Die Grenze zwischen Produkt und Kontrolle.
7. Schluss
Tesla hätte die Wahl gehabt:
- FSD als hochwertiges Produkt verkaufen,
- Eigentum respektieren,
- Vertrauen aufbauen.
Stattdessen wählt man:
- Abhängigkeit,
- Dauerzahlung,
- Kennzahlenoptimierung.
Das ist keine Vision.
Das ist finanzielle Ingenieurskunst auf dem Rücken der Kunden.
Und genau so sollte man es auch benennen.
