Der MSCI World gilt seit Jahren als Standardlösung für den langfristigen Vermögensaufbau. Breit gestreut, kostengünstig und einfach investierbar – für viele Anleger ist er das Fundament ihres Depots. Doch nach dem turbulenten Börsenjahr 2025 stellt sich zunehmend die Frage: Ist der MSCI World auch 2026 noch eine verlässliche Wahl?
Rückblick: Solide Rendite mit Schönheitsfehlern
Nominal konnte der MSCI World 2025 rund 20 Prozent zulegen. Im historischen Vergleich ist das ordentlich – vor allem angesichts geopolitischer Spannungen, neuer US-Zölle und hoher Marktvolatilität. Für europäische Anleger fiel das Ergebnis jedoch deutlich schwächer aus. Der starke US-Dollar-Verfall gegenüber dem Euro reduzierte die reale Rendite erheblich. Erst währungsgesicherte ETFs konnten dieses Risiko teilweise abfedern – allerdings zu höheren laufenden Kosten.

Das Kernproblem: US-Dominanz statt echter Diversifikation
Was viele Anleger unterschätzen: Der MSCI World ist längst kein global ausgewogener Index mehr. Über 70 Prozent des Index entfallen auf US-Unternehmen. Damit ist der ETF faktisch eine Wette auf die wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten – und weniger ein echtes Weltportfolio.
Diese Struktur war jahrelang ein Vorteil, solange US-Aktien besser liefen als der Rest der Welt. 2025 zeigte jedoch erstmals ein anderes Bild: Europa und Schwellenländer entwickelten sich deutlich stärker als der MSCI World. Ausgerechnet der vermeintlich breiteste Index blieb hinter alternativen Regionen zurück.
Klumpenrisiko Technologie
Hinzu kommt die starke Konzentration auf wenige Mega-Caps. Die größten Indexpositionen bestehen fast ausschließlich aus US-Tech-Konzernen wie Nvidia, Apple, Microsoft oder Alphabet. Acht der neun größten Positionen stammen aus dem Technologiesektor.
Damit hängt die Entwicklung des MSCI World zunehmend vom KI-Boom ab. Sollte sich die Euphorie rund um Künstliche Intelligenz als überzogen erweisen, würden mögliche Kursrückgänge dieser Schwergewichte den gesamten Index belasten. Diversifikation sieht anders aus.
Blick nach vorn: Wo Experten Chancen sehen
Viele Marktstrategen erwarten für 2026 eine Abschwächung der US-Dominanz. Chancen sehen sie unter anderem in:
- Europa und Japan, gestützt durch staatliche Investitionsprogramme
- China, insbesondere im Technologiesektor mit geringeren Kostenstrukturen
- Energie-, Finanz- und Infrastruktursektoren, die moderater bewertet sind
- Small Caps, also kleinere Unternehmen mit Nachholpotenzial
- Schwellenländer-ETFs, etwa mit Fokus auf China oder Indien
Diese Bereiche bieten nicht nur potenzielles Wachstum, sondern vor allem eines: echte regionale und strukturelle Diversifikation.
Fazit: Der MSCI World bleibt – aber nicht allein
Der MSCI World ist auch 2026 kein schlechtes Investment. Er bleibt transparent, günstig und langfristig investierbar. Doch seine Schwächen sind offensichtlicher geworden: hohe US-Abhängigkeit, starke Tech-Konzentration und spürbare Währungsrisiken.
Als alleiniger ETF reicht er für viele Anleger nicht mehr aus.
Als Basisbaustein kann er weiterhin sinnvoll sein – vorausgesetzt, er wird durch andere Regionen, Sektoren und Unternehmensgrößen ergänzt.
Wer heute breit investieren will, muss breiter denken als der MSCI World allein.
Der MSCI World Index ist ein globaler Aktienindex, der rund 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern abbildet und als wichtiger Maßstab für die Performance der entwickelten Märkte gilt. Er wurde erstmals 1986 von MSCI eingeführt (mit historischen Daten ab 1969) und spiegelt seither globale Wirtschaftszyklen und Krisen wider.
Wichtige Kennzahlen (Stand Nov. 2023):
- Ländergewichtung: USA (~70 %), Japan (~6 %), UK (~4 %), Frankreich (~3 %), Kanada (~3 %)
- Top-Sektoren: Informationstechnologie (22 %), Finanzen (15 %), Gesundheitswesen (13 %)
- Top-Unternehmen: Apple, Microsoft, Amazon, Nvidia, Alphabet – allesamt US-basiert
Besonderheiten:
- Keine Schwellenländer: China ist z. B. nicht enthalten (stattdessen im MSCI Emerging Markets).
- Zwei Varianten: Kursindex (ohne Dividenden) und Performanceindex (mit Dividenden).
- ETFs: Beliebte Anlageform; Anbieter wie iShares, Xtrackers oder Amundi bieten kostengünstige Nachbildungen an.
Vor- und Nachteile:
- Vorteile: Hohe Diversifikation, einfache Handhabung, geringe Kosten.
- Nachteile: Starke US-Dominanz, keine Kontrolle über Einzelpositionen, Marktrisiken.
Der MSCI World gilt als solide Basis für langfristige, global diversifizierte Anlagestrategien.