In der ersten Februarwoche 2026 erlebte der globale Software-Sektor einen der heftigsten Rückschläge seit Jahren. Innerhalb weniger Handelstage wurden bis zu eine Billion US-Dollar an Börsenwert vernichtet. Besonders betroffen waren klassische SaaS-Unternehmen ebenso wie große Tech-Konzerne. Auslöser der Turbulenzen waren neue Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, wachsende Zweifel an bisherigen Geschäftsmodellen sowie eine insgesamt sinkende Risikobereitschaft der Investoren.
KI als unmittelbarer Auslöser – aber nicht als alleinige Ursache
Neue KI-Tools, unter anderem von Anthropic, verstärkten die Sorge, dass autonome Agenten künftig nicht nur Software unterstützen, sondern sie teilweise ersetzen könnten. Genau diese Vorstellung traf den Kern vieler hoch bewerteter SaaS-Modelle: Wenn KI Aufgaben selbstständig erledigt, verliert klassische Anwendungssoftware potenziell an Bedeutung.
Gleichzeitig wäre es zu kurz gegriffen, den Kurseinbruch ausschließlich auf einzelne Produktankündigungen zurückzuführen. Enttäuschende Wachstumssignale im Tech-Sektor, hohe Investitionsausgaben für KI-Infrastruktur und zunehmender Margendruck wirkten als strukturelle Brandbeschleuniger. Die Marktkorrektur war daher eher ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren als ein isolierter „KI-Schock“.
Was der Sell-off wirklich signalisiert
Der Rückgang vieler Software-Aktien spiegelt vor allem eine Neubewertung wider. Jahrelang galten SaaS-Geschäftsmodelle als nahezu unantastbar: planbare Umsätze, hohe Margen und starke Kundenbindung rechtfertigten extreme Bewertungen.
Mit generativer KI verändert sich dieses Bild:
- Vom Tool zum Ergebnis: Statt Software zu lizenzieren, könnten Unternehmen künftig direkt automatisierte Dienstleistungen beziehen – ein möglicher Übergang von Software as a Service zu outcome-basierten Modellen.
- Produktivitätsgewinne durch KI-Coding: Schnellere Entwicklung und stärkere Automatisierung könnten den Bedarf an Standardsoftware reduzieren.
- Weniger Nutzer, weniger Lizenzen: Effizienzsteigerungen in Unternehmen schlagen unmittelbar auf die Erlösmodelle vieler Anbieter durch.
Diese Trends sind real, ihr Tempo und Ausmaß jedoch offen. Von einer „Apokalypse“ für Software zu sprechen, greift daher zu kurz.
Übertreibung gehört zur Börse dazu
Ein Blick in die Technologiegeschichte zeigt: Disruptionsängste führen häufig zu Überreaktionen. Weder verschwand Software nach dem Dot-Com-Crash, noch wurde sie durch die Cloud-Revolution entwertet – stattdessen entstanden neue Marktführer und zusätzliche Wertschöpfungsschichten.
Auch diesmal spricht vieles für ein ähnliches Muster. KI dürfte bestehende Geschäftsmodelle unter Druck setzen, gleichzeitig aber neue Software-Kategorien, Plattformen und Dienste hervorbringen. Der aktuelle Kursrückgang wirkt daher weniger wie ein endgültiger Zusammenbruch, sondern eher wie ein schmerzhafter, aber notwendiger Bewertungs-Reset.
Fazit für Investoren
Der Einbruch im Software-Sektor markiert keinen klaren Endpunkt, sondern den Beginn einer Übergangsphase. Entscheidend wird sein,
- welche Anbieter KI produktiv integrieren,
- wer neue Preismodelle erfolgreich etabliert,
- und welche Geschäftsmodelle tatsächlich durch Automatisierung verdrängt werden.
Kurzfristig dominiert Unsicherheit. Langfristig jedoch bleibt Software – in veränderter Form – ein zentraler Treiber der digitalen Wirtschaft. Für Investoren bedeutet das vor allem eines: selektiver werden, statt den gesamten Sektor abzuschreiben.