Der Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt (Februar 2026) der Bundesagentur für Arbeit zeichnet das Bild eines insgesamt stagnierenden, leicht abgeschwächten Arbeitsmarktes, der noch deutlich unter den Nachwirkungen der konjunkturellen Schwäche der vergangenen drei Jahre steht .
1. Gesamtwirtschaftliche Lage
- Das Bruttoinlandsprodukt ist im 4. Quartal 2025 um 0,3 % gewachsen.
- Frühindikatoren deuten auf eine leichte konjunkturelle Erholung hin.
- Dennoch bleibt die wirtschaftliche Dynamik schwach, insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe.
- Exporte stabilisieren sich leicht, bleiben jedoch durch geopolitische Unsicherheiten und den starken Euro belastet.
Einordnung:
Die konjunkturelle Bodenbildung ist sichtbar, aber noch nicht stark genug, um den Arbeitsmarkt spürbar zu beleben.
2. Beschäftigung und Erwerbstätigkeit
Erwerbstätigkeit
- 45,66 Mio. Erwerbstätige (Januar 2026)
- Rückgang um 0,2 % gegenüber Vorjahr
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
- 34,98 Mio. Beschäftigte (Dezember 2025)
- Leichter Rückgang um 0,1 % gegenüber Vorjahr
- Teilzeit wächst (+1,7 %), Vollzeit sinkt (–0,9 %)
Branchenentwicklung
- Rückgänge im Verarbeitenden Gewerbe (–180.000).
- Zuwächse im Gesundheits- und Pflegebereich sowie in staatsnahen Dienstleistungen.
Staatsangehörigkeit
- Beschäftigung deutscher Staatsangehöriger sinkt.
- Beschäftigung ausländischer Personen steigt (+3,9 %), insbesondere aus Drittstaaten.
Bewertung:
Strukturelle Verschiebungen sind deutlich: Industrie verliert, Dienstleistungs- und Sozialbereiche gewinnen. Demografische Effekte und Migration prägen die Entwicklung stark.
3. Kurzarbeit
- 139.000 Beschäftigte in konjunktureller Kurzarbeit (Dezember 2025).
- Quote: 0,4 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
- Schwerpunkt weiterhin im Verarbeitenden Gewerbe.
Einordnung:
Kurzarbeit dient weiterhin als Puffer, liegt aber deutlich unter früheren Krisenniveaus.
4. Arbeitskräftenachfrage
Gemeldete Stellen
- 638.000 gemeldete Stellen (Februar 2026)
- Bestand stabilisiert sich auf niedrigem Niveau.
- Durchschnittliche Vakanzzeit: 165 Tage.
BA-Stellenindex (BA-X)
- 106 Punkte.
- Deutlich unter Höchststand von 2022.
Gesamtwirtschaftliches Stellenangebot
- 1,03 Mio. offene Stellen (3. Quartal 2025)
- 19 % weniger als im Vorjahr.
Kritischer Punkt:
Trotz steigender Arbeitslosigkeit bleiben viele Stellen unbesetzt. Ursachen sind:
- Qualifikationsmismatch
- Regionale Unterschiede
- Fachkräfteengpässe in bestimmten Berufen (Pflege, IT, Bau)
5. Arbeitslosigkeit
Gesamt
- 3,07 Mio. Arbeitslose
- +3 % gegenüber Vorjahr
- Arbeitslosenquote: 6,5 % (saisonbereinigt 6,3 %)
Rechtskreise
- SGB III: +9 % gegenüber Vorjahr (konjunkturnah)
- SGB II: –1 % gegenüber Vorjahr
Langzeitarbeitslosigkeit
- 1,07 Mio. Personen
- Anteil: 34,8 % aller Arbeitslosen
- +5 % gegenüber Vorjahr
Dynamik
- Zugangsrisiko aus Beschäftigung: 0,60 % (niedrig, aber steigend)
- Abgangschance in Beschäftigung: 5,64 % (historisch niedrig)
Bewertung:
Die zentrale Problematik liegt weniger im massiven Stellenabbau, sondern in schwachen Abgangschancen aus Arbeitslosigkeit. Das deutet auf strukturelle Probleme hin, nicht auf einen akuten Kriseneinbruch.
6. Unterbeschäftigung
- 3,724 Mio. Personen (ohne Kurzarbeit)
- Gegenüber Vorjahr nahezu unverändert.
Die Differenz zwischen steigender Arbeitslosigkeit und stabiler Unterbeschäftigung erklärt sich durch rückläufige Fördermaßnahmen.
7. Internationaler Vergleich
- ILO-Erwerbslosenquote Deutschland: 4,0 %
- EU-Durchschnitt: 5,9 %
- Eurozone: 6,2 %
Deutschland liegt weiterhin unter dem EU-Durchschnitt, auch wenn die Quote leicht gestiegen ist.
8. Soziale Sicherung
- 4,865 Mio. Menschen beziehen Leistungen.
- 1,11 Mio. Arbeitslosengeld (SGB III)
- 3,82 Mio. Grundsicherung (SGB II)
Entwicklung:
- +76.000 ALG-Beziehende
- –149.000 in der Grundsicherung
9. Ausbildungsmarkt (2025/26)
- Deutlich weniger gemeldete Ausbildungsstellen.
- Bewerberzahlen leicht gestiegen.
- Markt noch stark in Bewegung → vorläufige Einschätzung.
10. Arbeitsmarktpolitische Instrumente
- 698.000 Personen in Fördermaßnahmen.
- Aktivierungsquote: 15,3 % (unverändert).
- Leichter Anstieg gegenüber Vorjahr.
Gesamtbewertung
Der Bericht beschreibt keinen dramatischen Einbruch, sondern eine Phase der strukturellen Stagnation:
- Konjunktur stabilisiert sich langsam.
- Beschäftigung verliert Dynamik.
- Industrie schrumpft, Dienstleistungssektor kompensiert nicht vollständig.
- Arbeitslosigkeit steigt moderat.
- Integrationschancen in Arbeit sind ungewöhnlich schwach.
- Fachkräfteengpässe bestehen parallel zu erhöhter Arbeitslosigkeit.
Das zentrale Spannungsfeld lautet:
Arbeitslosigkeit steigt, obwohl kein massiver Beschäftigungseinbruch vorliegt – und offene Stellen bleiben trotz steigender Arbeitslosigkeit unbesetzt.
Dies weist auf strukturelle Anpassungsprobleme hin (Qualifikation, Demografie, Branchenwandel).
