1. Grundlegende Entwicklung: Machtverschiebung im Autohandel
Erstmals importiert die Europäische Union mehr Autos und Autoteile aus China, als sie dorthin exportiert. Damit hat sich das bisherige Kräfteverhältnis im internationalen Automobilhandel umgekehrt.
- EU-Exporte nach China: Rückgang um 34 % auf 16 Mrd. €
- EU-Importe aus China: Anstieg auf 22 Mrd. €
- Ergebnis: Handelsdefizit von etwa 6 Mrd. € statt früherem Exportüberschuss.
Seit dem Rekordjahr 2022 haben sich die Exporte in die Volksrepublik sogar mehr als halbiert. Gleichzeitig sind die Importe deutlich gestiegen.
2. Bedeutung für Deutschland
Für die deutsche Automobilindustrie hat diese Entwicklung besondere Relevanz, da China lange einer der wichtigsten Absatzmärkte war.
- China war 2025 nur noch das sechstwichtigste Exportland für deutsche Hersteller.
- Deutsche Autoexporte nach China sanken von etwa 30 Mrd. € (2022) auf rund 13,6 Mrd. €.
- Gleichzeitig stiegen die Importe aus China um etwa zwei Drittel.
Noch übersteigen deutsche Exporte die Importe, aber der Abstand schrumpft schnell.
3. Ursachen der Entwicklung
Die Analyse nennt mehrere strukturelle Faktoren:
a) Stärkere chinesische Konkurrenz
Chinesische Hersteller gewinnen international Marktanteile, besonders in Europa.
b) Dominanz bei Schlüsseltechnologien
China dominiert den Markt für E‑Auto-Batterien, die ebenfalls zu den Importstatistiken zählen.
c) Produktion europäischer Hersteller in China
Ein Teil der Importzahlen entsteht dadurch, dass europäische Marken Fahrzeuge in China produzieren und nach Europa exportieren, etwa:
- Mini (BMW)
- Cupra Tavascan (Volkswagen)
- Smart (Mercedes-Benz/Geely)
d) Schwäche der Nachfrage
Weitere Faktoren:
- schwache Weltkonjunktur
- hohe Neuwagenpreise
- geopolitische Unsicherheiten
- langsam wachsender Absatz von Elektroautos.
4. Folgen für die Automobilindustrie
Die Branche befindet sich laut Studie in einem strukturellen Umbruch.
Wirtschaftliche Folgen
- Umsatz der deutschen Automobilindustrie sank 2025 um 1,6 % auf rund 528 Mrd. €.
Beschäftigung
- 50 000 Jobs weniger in der Branche
- insgesamt etwa 725 000 Beschäftigte – niedrigster Stand seit 14 Jahren.
Besonders stark betroffen sind Zulieferer, bei denen seit 2019 rund 73 000 Arbeitsplätze verloren gingen.
5. Zukunftsaussichten
Experten erwarten eine weitere Verschärfung des Wettbewerbs.
- Chinesische Hersteller sind in Deutschland noch relativ schwach vertreten.
- In anderen europäischen Märkten gewinnen sie jedoch zunehmend Marktanteile.
Wenn sich die Trends fortsetzen, könnten Importe und Exporte bereits um 2026 gleich groß sein.
Kritische Einordnung
Die Entwicklung lässt sich nicht ausschließlich als „Erfolg chinesischer Autobauer“ interpretieren:
- Statistische Verzerrung: Viele Fahrzeuge werden von europäischen Herstellern in China produziert und dann in die EU exportiert.
- Struktureller Wandel der Industrie: Elektromobilität verschiebt Wertschöpfung (z. B. Batterien) stärker nach Asien.
- Abhängigkeit vom chinesischen Markt: Die deutsche Autoindustrie hat stark auf China gesetzt, wodurch Rückgänge dort besonders stark wirken.
Gleichzeitig zeigt die Entwicklung langfristig eine strategische Schwächung der europäischen Automobilindustrie, da zentrale Technologien und Produktionskapazitäten zunehmend außerhalb Europas liegen.