Futures-Märk­te in der Wochen­bi­lanz (12. KW)

Infla­ti­ons­ge­trie­be­nes Risk-Off: Ener­gie steigt stark, wäh­rend glo­ba­le Risi­ko­as­sets fal­len

Aus der 1‑Wo­chen-Quer­schnitts­ma­trix lässt sich ein recht kla­res Risk-Off-Signal ablei­ten. Es ist aller­dings kein „rei­nes“ Stan­dard-Risk-Off, son­dern ein infla­ti­ons- bzw. ange­bots­ge­trie­be­nes Risk-Off mit Ener­gie­schock-Kom­po­nen­te.

1. Pri­mä­re Les­art: Risk-Off

Meh­re­re Seg­men­te bewe­gen sich kon­sis­tent in eine defen­si­ve Rich­tung:

Akti­en­in­di­zes fal­len breit

Die wich­tigs­ten Akti­en­ba­ro­me­ter lie­gen durch­weg im Minus:

  • S&P 500: -1,90 %
  • Nasdaq 100: -2,05 %
  • DJIA: -2,12 %
  • Rus­sell 2000: -1,67 %
  • Euro Sto­xx 50: -3,70 %
  • DAX: -4,47 %
  • Nik­kei 225: -3,82 %

Das ist kein iso­lier­ter regio­na­ler Rück­set­zer, son­dern ein breit ange­leg­ter Abver­kauf von Risi­ko­as­sets. Beson­ders wich­tig: Euro­pa und Japan sind noch schwä­cher als die USA. Das spricht gegen ein idio­syn­kra­ti­sches US-The­ma und eher für einen glo­ba­len Makro­fak­tor.

Zykli­sche Indus­trie­me­tal­le bre­chen ein

  • Cop­per: -6,64 %
  • Pal­la­di­um: -8,51 %
  • Pla­ti­num: -3,51 %

Kup­fer ist hier beson­ders rele­vant. In einer quan­ti­ta­ti­ven Makro­les­art ist Kup­fer oft ein Pro­xy für glo­ba­le Wachs­tums- und Indus­trie­nach­fra­ge­er­war­tun­gen. Ein der­art deut­li­cher Rück­gang passt typi­scher­wei­se zu schwä­che­rem Growth-Sen­ti­ment und damit zu Risk-Off.

Agrar- und Softs über­wie­gend schwach

  • Soy­be­ans: -5,22 %
  • Wheat: -3,01 %
  • Soy­be­an Oil: -2,86 %
  • Rough Rice: -2,46 %
  • Corn: -0,37 %
  • Oats: -4,85 %

Das ist kein klas­si­sches Kern­kri­te­ri­um für Risk-Off, ver­stärkt aber das Bild einer brei­ten Roh­stoff­schwä­che außer­halb des Ener­gie­sek­tors.

2. Aber: Nicht klas­si­sches dis­in­fla­tio­nä­res Risk-Off

Ein nor­ma­les „sau­be­res“ Risk-Off-Regime sähe oft so aus:

  • Akti­en run­ter
  • Öl run­ter
  • Ren­di­ten run­ter / Bonds rauf
  • USD rauf
  • Gold sta­bil bis rauf

Genau die­ses Mus­ter liegt nicht vor. Statt­des­sen sehen wir:

Ener­gie explo­diert nach oben

  • Hea­ting Oil: +14,79 %
  • Brent: +8,77 %
  • Gaso­li­ne RBOB: +8,05 %
  • Etha­nol: +2,93 %
  • WTI: +0,20 %
  • Natu­ral Gas: -1,15 % (Aus­nah­me)

Das ist der domi­nie­ren­de Aus­rei­ßer im Daten­satz. Wenn Ener­gie so stark steigt, wäh­rend Akti­en gleich­zei­tig fal­len, ist das typi­scher­wei­se kein growth-posi­ti­ve Risk-On, son­dern eher ein Hin­weis auf:

  • Ange­bots­ri­si­ken
  • geo­po­li­ti­sche Span­nun­gen
  • Infla­ti­ons­druck
  • ver­schlech­ter­te Terms of Trade für ener­gie­im­por­tie­ren­de Regio­nen

Das spricht für ein stag­fla­tio­nä­res Risk-Off oder genau­er: cost-push / infla­ti­on sca­re risk-off.

3. Bonds bestä­ti­gen nicht ein­deu­tig eine Flucht in Sicher­heit

Die Staats­an­lei­hen­prei­se fal­len leicht:

  • 2Y Note: -0,34 %
  • 5Y Note: -0,62 %
  • 10Y Note: -0,81 %
  • 30Y Bond: -1,15 %

Wenn die Instru­men­te hier als Bond-Futures bzw. Bond­prei­se zu lesen sind, bedeu­tet das:
Ren­di­ten stei­gen, statt zu fal­len.

Das ist für ein Stan­dard-Risk-Off unty­pisch, aber für ein infla­ti­ons­ge­trie­be­nes Risk-Off sehr typisch:

  • Akti­en wer­den ver­kauft wegen höhe­rem Dis­kont­satz / Mar­gen­druck
  • Bonds wer­den eben­falls ver­kauft wegen Infla­ti­ons­er­war­tun­gen oder höhe­rem Term Pre­mi­um
  • Ener­gie steigt

Die­ses Mus­ter ist makro­öko­no­misch deut­lich pro­ble­ma­ti­scher als ein nor­ma­les Growth-Sca­re-Regime.

4. Safe Havens ver­hal­ten sich unein­heit­lich

Gold und Sil­ber fal­len stark

  • Gold: -9,62 %
  • Sil­ver: -14,36 %

Das ist auf den ers­ten Blick kon­train­tui­tiv, weil Gold oft als Kri­sen­hedge gilt. Quan­ti­ta­tiv muss man hier sau­ber tren­nen:

Gold steigt nicht in jeder Kri­se. Gold fällt häu­fig, wenn:

  • Real­zin­sen stei­gen
  • der Dol­lar stark ist
  • Liqui­di­tät abge­zo­gen wird
  • infla­ti­ons­be­ding­te Zins­er­hö­hungs­ängs­te domi­nie­ren

Sil­ber ist zusätz­lich hybri­der, da es auch ein indus­tri­el­les Metall ist. Der star­ke Fall bei Gold/Silber passt also eher zu:
haw­ki­sh repri­cing / rising real yields / liqui­da­ti­on pres­su­re
und weni­ger zu einem klas­si­schen Defla­ti­ons­schock.

USD nur mode­rat posi­tiv

  • USD: -0,65 % in der Gra­fik

Hier ist Vor­sicht nötig: Ohne genaue Defi­ni­ti­on des USD-Instru­ments ist die Inter­pre­ta­ti­on unsi­cher. Falls es sich um einen USD-Index-Future han­delt, wäre ein Rück­gang eher unty­pisch für klas­si­sches Risk-Off. Gleich­zei­tig stei­gen:

  • EUR: +0,96 %
  • GBP: +0,62 %
  • NZD: +0,49 %
  • CHF: +0,14 %
  • JPY: +0,13 %
  • AUD: +0,08 %

Das FX-Bild ist damit nicht der sau­bers­te Risk-Off-Bestä­ti­ger. Es könn­te auf posi­ti­ons­ge­trie­be­ne USD-Abga­ben oder auf eine sehr spe­zi­fi­sche US-Zins-/Wachs­tums­sto­ry hin­wei­sen. Rein quan­ti­ta­tiv schwächt das das Signal etwas ab, wider­legt es aber nicht, weil die Equity‑, Bond- und Ener­gy-Kom­po­nen­te deut­lich domi­nan­ter sind.

5. VIX-Ver­hal­ten ist auf­fäl­lig und rela­ti­viert das Signal leicht

  • VIX: -3,84 %

Das ist ein wich­ti­ger Ein­wand gegen ein voll aus­ge­präg­tes Panik-Risk-Off. Wenn Akti­en breit fal­len, erwar­tet man oft einen stei­gen­den VIX. Dass der VIX sinkt, deu­tet eher auf:

  • kei­nen aku­ten Vola­ti­li­täts­schock,
  • eher geord­ne­tes Repri­cing,
  • mög­li­cher­wei­se Rück­gang impli­zi­ter Vola­ti­li­tät nach zuvor hohem Niveau,
  • oder eine Rota­ti­on aus Growth/Duration ohne ech­te Stress­dy­na­mik.

Das heißt: Risk-Off ja, aber eher order­ly repri­cing als pani­scher Liqui­da­ti­ons­mo­dus.

6. Quan­ti­ta­ti­ve Gesamt­klas­si­fi­ka­ti­on

Ich wür­de das Regime in drei Ebe­nen klas­si­fi­zie­ren:

A. Ein­fa­ches Signal

Net­to: Risk-Off

Begrün­dung:

  • glo­ba­le Akti­en­in­di­zes breit nega­tiv
  • zykli­sche Metal­le deut­lich nega­tiv
  • Bonds eben­falls nega­tiv
  • Ener­gie deut­lich posi­tiv

B. Prä­zi­se­re Regi­me­be­schrei­bung

Stag­fla­tio­nä­res / infla­ti­ons­ge­trie­be­nes Risk-Off

Das ist die tref­fen­de­re Dia­gno­se, weil:

  • Ener­gie mas­siv steigt,
  • Bonds nicht als Safe Haven funk­tio­nie­ren,
  • Edel­me­tal­le eben­falls nicht schüt­zen,
  • Akti­en unter Druck ste­hen.

C. Nicht bestä­tigt als „Panik-Stress“

Kein voll aku­ter Crash-/Pa­nik­mo­dus

Begrün­dung:

  • VIX fällt statt zu stei­gen
  • FX-Safe-Haven-Mus­ter ist nicht beson­ders sau­ber
  • die Bewe­gun­gen wir­ken eher wie Makro-Repri­cing als wie sys­te­mi­sche Stress­pha­se

7. Ein mög­li­ches heu­ris­ti­sches Score-Modell

Wenn man aus dem Daten­satz ein ver­ein­fach­tes Signal bau­en woll­te, könn­te man vier Blö­cke gewich­ten:

Block 1: Risk Assets

Durch­schnitt von S&P 500, Nasdaq 100, Rus­sell 2000, Euro Sto­xx 50, DAX, Nik­kei 225
Ergeb­nis: klar nega­tiv

Block 2: Growth/Cyclicals

Durch­schnitt von Cop­per, Pal­la­di­um, Pla­ti­num, Soy­be­ans
Ergeb­nis: stark nega­tiv

Block 3: Defen­si­ve Assets

Bond-Futures, Gold, CHF, JPY
Ergeb­nis: gemischt bis nega­tiv, also kei­ne klas­si­sche Defen­siv­ro­ta­ti­on

Block 4: Infla­ti­on Shock

Hea­ting Oil, Brent, Gaso­li­ne
Ergeb­nis: extrem posi­tiv

Dar­aus ergä­be sich etwa:

  • Risk sen­ti­ment score: nega­tiv
  • Infla­ti­on shock score: stark posi­tiv
  • Panic/stress score: nur mode­rat posi­tiv bis neu­tral

In Wor­ten:
Das Markt­re­gime ist nicht „growth opti­mism“ und auch nicht „defla­ti­on sca­re“, son­dern ein infla­tio­nä­rer Schock mit nega­ti­ver Wir­kung auf Risi­ko­as­sets.

Es zeigt sich ein kla­res Risk-Off-Signal, aller­dings nicht in der klas­si­schen defla­tio­nä­ren Form. Es han­delt sich eher um ein infla­ti­ons- bzw. ener­gie­schock­ge­trie­be­nes Risk-Off mit stag­fla­tio­nä­ren Zügen: Akti­en und zykli­sche Metal­le fal­len, Ener­gie steigt stark, Bonds bie­ten kei­nen Schutz, und der Rück­gang des VIX spricht gegen aku­te Panik


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