Das Bank­no­ten-Para­do­xon: War­um der Bar­geld­um­lauf steigt, obwohl immer weni­ger bar bezahlt wird

Der lang­fris­ti­ge Wan­del des Zah­lungs­ver­kehrs in Deutsch­land zeigt ein schein­bar wider­sprüch­li­ches Bild. Wäh­rend digi­ta­le Zah­lungs­me­tho­den zuneh­mend an Bedeu­tung gewin­nen und Bar­geld im täg­li­chen Zah­lungs­ver­kehr an Rele­vanz ver­liert, steigt der Gesamt­wert der im Umlauf befind­li­chen Euro-Bank­no­ten wei­ter­hin an. Die­ses Phä­no­men wird in der geld­öko­no­mi­schen For­schung als Bank­no­ten-Para­do­xon bezeich­net. Ana­ly­sen der Deut­schen Bun­des­bank bis zum Jahr 2025 zei­gen, dass sich hin­ter die­ser Ent­wick­lung meh­re­re struk­tu­rel­le Fak­to­ren ver­ber­gen, die über die klas­si­sche Funk­ti­on von Bar­geld als Zah­lungs­mit­tel hin­aus­ge­hen.

Rück­gang der Bar­zah­lun­gen im All­tag

Im deut­schen Ein­zel­han­del und im Dienst­leis­tungs­sek­tor hat sich der Anteil bar­geld­lo­ser Zah­lun­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich erhöht. Kon­takt­lo­se Kar­ten­zah­lun­gen, mobi­le Bezahl­sys­te­me sowie der zuneh­men­de Online­han­del haben den Ein­satz von Schei­nen und Mün­zen im All­tag spür­bar redu­ziert.

Die­ser Trend lässt sich auch in den soge­nann­ten Strom­grö­ßen des Bar­geld­kreis­laufs beob­ach­ten, also in den Ein- und Aus­zah­lun­gen von Bank­no­ten bei der Bun­des­bank. Die­se Kenn­zif­fern spie­geln den akti­ven Umlauf des Bar­gelds wider und zei­gen seit meh­re­ren Jah­ren einen rück­läu­fi­gen Ver­lauf. Mit ande­ren Wor­ten: Bar­geld wird sel­te­ner tat­säch­lich zum Bezah­len ein­ge­setzt.

Stei­gen­der Bar­geld­um­lauf als Bestands­grö­ße

Dem­ge­gen­über wächst der Gesamt­be­stand der umlau­fen­den Bank­no­ten wei­ter­hin. Die­se Bestands­grö­ße umfasst alle von der Bun­des­bank aus­ge­ge­be­nen Bank­no­ten, unab­hän­gig davon, ob sie aktiv im Zah­lungs­ver­kehr ver­wen­det oder ledig­lich gehal­ten wer­den.

Zwi­schen 2022 und 2025 zeigt sich hier ein bemer­kens­wer­ter Effekt: Obwohl der akti­ve Bar­geld­kreis­lauf klei­ner wird, nimmt der gesam­te Bank­no­ten­um­lauf wei­ter zu. Die­se Diver­genz bil­det den Kern des Bank­no­ten-Para­do­xons.

Öko­no­misch betrach­tet lässt sich die­se Ent­wick­lung dadurch erklä­ren, dass Bar­geld meh­re­re Funk­tio­nen erfüllt. Neben sei­ner Rol­le als Zah­lungs­mit­tel fun­giert es auch als Wertauf­be­wah­rungs- und Sicher­heits­in­stru­ment.

Bar­geld als Wertauf­be­wah­rungs­mit­tel

Ein zen­tra­ler Trei­ber der stei­gen­den Bar­geld­be­stän­de ist die Nut­zung von Bank­no­ten als Hor­tungs­me­di­um. Beson­ders in Pha­sen nied­ri­ger oder sin­ken­der Zin­sen ver­rin­gern sich die Oppor­tu­ni­täts­kos­ten der Bar­geld­hal­tung. Wenn Spar­ein­la­gen oder kurz­fris­ti­ge Anla­gen nur gerin­ge Ren­di­ten abwer­fen, erscheint es für vie­le Haus­hal­te weni­ger nach­tei­lig, Geld in bar auf­zu­be­wah­ren.

Seit den Zins­sen­kun­gen im Jahr 2024 beob­ach­tet die Bun­des­bank erneut eine stär­ke­re Bar­geld­hor­tung durch pri­va­te Haus­hal­te im Inland. Bar­geld dient dabei weni­ger dem täg­li­chen Zah­lungs­ver­kehr als viel­mehr einer Form der liqui­den Reser­ve.

Die­se Funk­ti­on wird häu­fig mit Sicher­heits­mo­ti­ven ver­bun­den. Bar­geld gilt als unmit­tel­bar ver­füg­bar, unab­hän­gig von tech­ni­schen Infra­struk­tu­ren oder Finanz­in­ter­me­diä­ren. In wirt­schaft­lich unsi­che­ren Zei­ten kann dies die Nach­fra­ge zusätz­lich erhö­hen.

Bedeu­tung der Aus­lands­nach­fra­ge

His­to­risch spiel­te auch die Aus­lands­nach­fra­ge nach Euro-Bank­no­ten eine zen­tra­le Rol­le. Über vie­le Jah­re hin­weg war sie sogar der wich­tigs­te Trei­ber des deut­schen Bank­no­ten­um­laufs.

Nach Schät­zun­gen befan­den sich Ende 2025 rund 46 % des gesam­ten von der Bun­des­bank aus­ge­ge­be­nen Bar­geld­werts – etwa 459 Mil­li­ar­den Euro – außer­halb Deutsch­lands. Ein erheb­li­cher Teil davon zir­ku­liert sogar außer­halb des Euro­raums.

Euro-Bank­no­ten wer­den in zahl­rei­chen Regio­nen der Welt als sta­bi­le Wertauf­be­wah­rungs- oder Par­al­lel­wäh­rung genutzt. Aller­dings zei­gen neue­re Daten, dass die­se Nach­fra­ge seit eini­gen Jah­ren spür­bar zurück­ge­gan­gen ist. Damit gewinnt die inlän­di­sche Hor­tungs­nach­fra­ge rela­tiv an Bedeu­tung.

Kri­sen als Beschleu­ni­ger der Bar­geld­nach­fra­ge

Ein wei­te­rer Fak­tor, der das Para­do­xon ver­stärkt hat, sind Kri­sen­si­tua­tio­nen. Wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie kam es zu einem deut­li­chen Anstieg der Bar­geld­nach­fra­ge. Vie­le Haus­hal­te erhöh­ten ihre Bar­geld­re­ser­ven aus Vor­sichts­grün­den, wäh­rend gleich­zei­tig Kon­sum­mög­lich­kei­ten durch Lock­downs ein­ge­schränkt waren.

Sol­che Ereig­nis­se ver­deut­li­chen die Rol­le von Bar­geld als psy­cho­lo­gi­sche und wirt­schaft­li­che Sicher­heits­re­ser­ve. Selbst wenn es im All­tag weni­ger ver­wen­det wird, steigt sei­ne Nach­fra­ge in Zei­ten erhöh­ter Unsi­cher­heit.

Beson­der­hei­ten bei Euro-Mün­zen

Auch bei den Euro-Mün­zen zeigt sich eine auf­fäl­li­ge Dis­kre­panz zwi­schen Umlauf und tat­säch­li­cher Nut­zung. Obwohl enor­me Stück­zah­len im Umlauf sind, wer­den ins­be­son­de­re Klein­mün­zen nur begrenzt im Zah­lungs­ver­kehr ein­ge­setzt.

Ein erheb­li­cher Teil der Ein- und Zwei-Cent-Mün­zen ver­schwin­det aus dem akti­ven Kreis­lauf, weil sie ver­lo­ren gehen, gesam­melt oder zu Hau­se auf­be­wahrt wer­den. Die­se Ent­wick­lung führt dazu, dass stän­dig neue Mün­zen pro­du­ziert wer­den müs­sen, obwohl ihre prak­ti­sche Bedeu­tung für Trans­ak­tio­nen gering ist.

Auf­grund die­ser Inef­fi­zi­enz spricht sich die Bun­des­bank für eine gesetz­li­che Run­dungs­re­gel bei Bar­zah­lun­gen aus. Prei­se wür­den dabei auf den nächs­ten Fünf-Cent-Betrag gerun­det, wodurch die kleins­ten Mün­zen lang­fris­tig ent­behr­lich wür­den.

Bar­geld zwi­schen Sicher­heits­re­ser­ve und Zah­lungs­mit­tel

Die aktu­el­len Daten zei­gen deut­lich, dass Bar­geld heu­te zwei unter­schied­li­che Rol­len erfüllt. Als Trans­ak­ti­ons­mit­tel ver­liert es kon­ti­nu­ier­lich an Bedeu­tung. Digi­ta­le Zah­lungs­me­tho­den sind schnel­ler, kom­for­ta­bler und zuneh­mend ver­brei­tet.

Als Wertauf­be­wah­rungs- und Vor­sor­ge­instru­ment bleibt Bar­geld jedoch gefragt. Gera­de die­se Funk­ti­on erklärt, war­um der Bar­geld­um­lauf wei­ter wächst, obwohl der rea­le Ein­satz im Zah­lungs­ver­kehr abnimmt.

Das Bank­no­ten-Para­do­xon macht somit deut­lich, dass die Nach­fra­ge nach Bar­geld nicht allein durch Zah­lungs­ge­wohn­hei­ten bestimmt wird. Sicher­heits­mo­ti­ve, Zins­po­li­tik und inter­na­tio­na­le Nut­zung spie­len eine eben­so wich­ti­ge Rol­le.

Für die Geld­po­li­tik und die Bar­geld­lo­gis­tik bedeu­tet dies, dass die Ana­ly­se von Bar­geld­strö­men allein nicht aus­reicht. Erst die Kom­bi­na­ti­on von Bestands- und Strom­grö­ßen ermög­licht ein voll­stän­di­ges Bild der tat­säch­li­chen Bar­geld­nach­fra­ge.


Quel­le: Bun­des­bank

Dyna­mik der Bar­geld­nach­fra­ge und das Bank­no­ten-Para­do­xon

1. Ein­lei­tung: Der stra­te­gi­sche Kon­text der Bar­geld­nut­zung

Bar­geld fun­giert inner­halb der euro­päi­schen Volks­wirt­schaft als dua­les Medi­um: Es ist das ein­zi­ge gesetz­lich sank­tio­nier­te phy­si­sche Zah­lungs­mit­tel für Trans­ak­tio­nen und zugleich ein zen­tra­ler Anker der Wertauf­be­wah­rung. Seit gerau­mer Zeit kon­fron­tiert uns die Empi­rie jedoch mit einer struk­tu­rel­len Diver­genz, die als „Bank­no­ten-Para­do­xon“ defi­niert ist. Die­ses beschreibt das Phä­no­men eines ste­tig stei­gen­den Bar­geld­um­laufs bei gleich­zei­tig rück­läu­fi­ger Nut­zung im ope­ra­ti­ven Zah­lungs­ver­kehr – eine Ent­wick­lung, die durch die beschleu­nig­te Digi­ta­li­sie­rung der Point-of-Sale-Zah­lun­gen ver­schärft wur­de.

Für die Deut­sche Bun­des­bank ist die Ana­ly­se die­ses Para­do­xons von emi­nen­ter Bedeu­tung. Auch „trä­ges“ Geld, das zur Hor­tung genutzt wird, stellt eine Ver­bind­lich­keit in unse­rer Bilanz dar und gene­riert signi­fi­kan­te Geld­schöp­fungs­ge­win­ne (Seig­ni­o­ra­ge). Eine prä­zi­se Bedarfs­pla­nung setzt vor­aus, dass wir die Moti­ve hin­ter dem gesam­ten Bar­geld­vo­lu­men – von der inlän­di­schen Reser­ve­hal­tung bis zum glo­ba­len Aus­lands­um­lauf – tief­grei­fend ver­ste­hen. Die Zins­wen­de vom Som­mer 2022 stellt hier­bei den ent­schei­den­den exo­ge­nen Impuls dar, der die bis­he­ri­gen Wachs­tums­mus­ter fun­da­men­tal auf­ge­bro­chen hat.

2. Quan­ti­ta­ti­ve Ana­ly­se des Euro-Bank­no­ten­um­laufs

Zur Beur­tei­lung der Markt­li­qui­di­tät ist die strik­te Tren­nung zwi­schen Bestands­grö­ßen (kumu­lier­te Net­to­emis­sio­nen) und Strom­grö­ßen (Ein- und Aus­zah­lun­gen im Bank­no­ten­kreis­lauf) uner­läss­lich. Wäh­rend der Bestand den agg­re­gier­ten Wert wider­spie­gelt, indi­zie­ren die Strom­grö­ßen die Inten­si­tät der zir­ku­lä­ren Nut­zung zwi­schen Kre­dit­in­sti­tu­ten, Nicht­ban­ken und der Zen­tral­bank.

Die fol­gen­de Tabel­le zeigt die Bestands­da­ten zum Jah­res­ul­ti­mo 2025:

Kenn­zahlWert (Mrd. €)Stra­te­gi­sche Ein­ord­nung / Trend
Gesamt­um­lauf Euro­sys­tem1.619Mar­gi­na­les Wachs­tum (+/- 0 %)
Bun­des­bank-Anteil am Umlauf99061 % Anteil; über­kom­pen­siert Rück­gang im restl. Euro­sys­tem
Umlauf Euro­sys­tem (exkl. BBk)629Rück­läu­fig; Wachs­tums­ra­te im Dez. 2025 bei ‑0,4 %
Ent­wick­lung Bun­des­bank-Neu­er, fla­che­rer Trend seit dem Pivot 2022

Die Zins­wen­de im Som­mer 2022 indu­zier­te eine signi­fi­kan­te Erhö­hung der Oppor­tu­ni­täts­kos­ten der Bar­geld­hal­tung. In der Fol­ge redu­zier­ten die Kre­dit­in­sti­tu­te ihre Kas­sen­be­stän­de in kür­zes­ter Zeit um über 30 Mrd. €. Auch pri­va­te Haus­hal­te und ande­re Nicht­ban­ken began­nen, ihre wäh­rend der Pan­de­mie auf­ge­bau­ten Liqui­di­täts­re­ser­ven abzu­bau­en. Erst die erneu­te geld­po­li­ti­sche Kor­rek­tur durch die EZB – die Sen­kung des Ein­la­ge­sat­zes von 4,00 % auf 2,00 % ab Juni 2024 – führ­te zu einer mode­ra­ten Sta­bi­li­sie­rung der Wertauf­be­wah­rungs­kom­po­nen­te. Die­se Diver­genz ver­deut­licht, dass die Bun­des­bank-Nach­fra­ge den Rück­gang im übri­gen Euro­sys­tem über­kom­pen­sier­te und so den Gesamt­um­lauf sta­bi­li­sier­te.

3. Regio­na­le und funk­tio­na­le Dif­fe­ren­zie­rung der Nach­fra­ge

Die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Inlands- und Aus­lands­nach­fra­ge ist das pri­mä­re Kor­rek­tiv für unse­re geld­po­li­ti­sche Pro­gno­se­ge­nau­ig­keit. Die Moti­ve der Bar­geld­hal­tung vari­ie­ren regio­nal erheb­lich und reagie­ren unter­schied­lich auf glo­ba­le Schocks.

Die Schätz­wer­te der Kom­po­nen­ten per Ende 2025 glie­dern sich wie folgt:

  • Aus­lands­um­lauf (459 Mrd. € | 46 % des BBk-Umlaufs): Hier­von ent­fal­len 273 Mrd. € auf Dritt­staa­ten außer­halb des Euro­raums und 186 Mrd. € auf das rest­li­che Euro-Wäh­rungs­ge­biet.
  • Inlands­um­lauf (531 Mrd. € | 54 % des BBk-Umlaufs): Die­ser wird mas­siv durch die Wertauf­be­wah­rung (496 Mrd. €) domi­niert, wäh­rend die Trans­ak­ti­ons­kas­se ledig­lich 35 Mrd. € (ca. 4 % des Bestands) bean­sprucht.

Der stra­te­gi­sche „So What?“-Faktor: Wir beob­ach­ten eine his­to­ri­sche Zäsur. War das Wachs­tum bis 2014 pri­mär durch die Aus­lands­nach­fra­ge getrie­ben (Anteil damals 73 %), hat sich der Fokus nun voll­stän­dig auf die inlän­di­sche Wertauf­be­wah­rung ver­la­gert. Beson­ders kri­tisch: 2025 ver­zeich­ne­te der Aus­lands­um­lauf erst­mals seit Ein­füh­rung des Euro einen abso­lu­ten Rück­gang. Dies liegt pri­mär an den soge­nann­ten Net Ship­ments (Lie­fe­run­gen durch Sor­ten­groß­händ­ler), die bereits seit 2020 durch­weg nega­tiv sind. Die posi­ti­ven Net­to­ex­por­te über den Rei­se­ver­kehr konn­ten die­se Abflüs­se 2025 nicht mehr kom­pen­sie­ren. Damit ist die Bar­geld­nach­fra­ge heu­te stär­ker von der Zins­po­li­tik der EZB abhän­gig als von geo­po­li­ti­schen Kri­sen außer­halb des Euro­raums.

4. Struk­tur und Inef­fi­zi­en­zen des Euro-Münz­um­laufs

Die Bereit­stel­lung von Münz­geld unter­liegt einer hohen öko­no­mi­schen Kom­ple­xi­tät, da Her­stel­lung, Logis­tik und Ver­pa­ckung im Ver­gleich zum Nenn­wert über­pro­por­tio­nal hohe Kos­ten ver­ur­sa­chen. Die aktu­el­le Daten­la­ge offen­bart eine mas­si­ve Inef­fi­zi­enz im Münz­kreis­lauf.

Rech­ne­risch hält jeder Ein­woh­ner in Deutsch­land 541 Mün­zen (Wert: 128 €). Davon sind allein 280 Stück Klein­mün­zen (1- und 2‑Cent), deren kumu­lier­ter Wert ledig­lich 4 € beträgt. Die­se Volu­mi­na sind nicht durch Trans­ak­ti­ons­er­for­der­nis­se erklär­bar, son­dern Resul­tat mas­si­ver „Sicker­ver­lus­te“ und Hor­tung. Ein Blick auf die Trans­ak­ti­ons­kas­sen­an­tei­le ver­deut­licht den Hand­lungs­be­darf: Bei 1‑Cent-Mün­zen zir­ku­lie­ren nur noch 12,4 %, bei 2‑Cent-Mün­zen 14,9 % aktiv.

Ein signi­fi­kan­tes Spe­zi­fi­kum zeigt sich bei der 2‑Eu­ro-Mün­ze: Ent­ge­gen der öko­no­mi­schen Regel, dass der Trans­ak­ti­ons­an­teil mit der Stü­cke­lungs­grö­ße steigt, ist die­ser bei der 2‑Eu­ro-Mün­ze auf­fal­lend nied­rig. Dies ist auf ihre Nut­zung als Instru­ment für das „Spa­ren im Klei­nen“ sowie auf das Sam­mel­ver­hal­ten (z. B. Bun­des­län­der-Serie) zurück­zu­füh­ren. Ange­sichts die­ser Inef­fi­zi­en­zen hat das Natio­na­le Bar­geld­fo­rum das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen (BMF) expli­zit gebe­ten, eine gesetz­li­che Run­dungs­re­gel auf 5 Cent vor­an­zu­trei­ben, um die volks­wirt­schaft­li­chen Kos­ten des Münz­kreis­laufs zu redu­zie­ren.

5. Fazit: Impli­ka­tio­nen für die zukünf­ti­ge Bar­geld­stra­te­gie

Die Ana­ly­se des Berichts­jah­res 2025 zeigt eine deut­li­che Ent­kop­pe­lung von Bestands- und Strom­grö­ßen. Wäh­rend die kumu­lier­ten Net­to­emis­sio­nen nomi­nell stei­gen, schrumpft der akti­ve Kreis­lauf. Dies wird durch die Ein­zah­lungs­sta­tis­tik belegt: Der Rück­gang der Ein­zah­lun­gen bei der Bun­des­bank um 28,3 Mrd. € konn­te im Jahr 2024 weder durch ver­stärk­tes pri­va­tes Recy­cling (2,0 Mrd. €) noch durch Cash­back-Ver­fah­ren im Han­del (1,3 Mrd. €) auf­ge­fan­gen wer­den.

Für die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung der Bun­des­bank erge­ben sich drei Kern­punk­te:

  1. Sta­bi­li­tät des fla­che­ren Pfa­des: Seit dem Trend­bruch 2022 hat sich ein neu­es Wachs­tums­gleich­ge­wicht eta­bliert, das deut­lich unter den Raten der Vor­jah­re liegt. Wir gehen davon aus, dass die­ser fla­che­re Trend für die kom­men­den Jah­re die Basis der Bedarfs­pla­nung bil­det.
  2. Trans­for­ma­ti­on der Nach­fra­ge­mo­ti­ve: Bar­geld hat sich im Inland erfolg­reich als Instru­ment der Wertauf­be­wah­rung behaup­tet, wäh­rend die Rol­le als Trans­ak­ti­ons­me­di­um und die Bedeu­tung des Aus­lands­um­laufs schwin­den.
  3. Regu­la­to­ri­sche Flan­kie­rung: Die gerin­ge Zir­ku­la­ti­ons­ge­schwin­dig­keit von Klein­mün­zen macht eine Run­dungs­re­gel öko­no­misch alter­na­tiv­los.

Zusam­men­fas­send bleibt fest­zu­hal­ten, dass das Bar­geld­sys­tem trotz sin­ken­der Trans­ak­ti­ons­re­le­vanz robust bleibt, sei­ne Steue­rung jedoch auf­grund der erhöh­ten Zins­sen­si­ti­vi­tät der Nicht­ban­ken eine kom­ple­xe­re, daten­ge­stütz­te Pro­gnos­tik erfor­dert.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater