Das „Zielkauf“-Modell (72 % Rabatt)

Das „Zielkauf“-Modell weist meh­re­re struk­tu­rel­le und öko­no­mi­sche Inkon­sis­ten­zen auf.

1. Mathe­ma­ti­sche Kon­sis­tenz

Die Aus­sa­ge „2 % monat­lich über 36 Mona­te = 72 % Gesamtra­batt“ ist for­mal kor­rekt:

  • 2 % × 36 Mona­te = 72 %

Aber:
Das ist kei­ne Ver­zin­sung, son­dern eine linea­re Aus­schüt­tung. Ent­schei­den­der ist die Fra­ge, wor­auf sich die 2 % bezie­hen.

Wenn es sich – wie beschrie­ben – um 2 % der ursprüng­li­chen Kauf­sum­me pro Monat han­delt, ergibt sich:

  • Nach 36 Mona­ten: 72 % der Kauf­sum­me zurück­ge­zahlt
  • Zusätz­lich: Lie­fe­rung von Gold im Wert von 100 % (zum Zeit­punkt des Kaufs)

→ Effek­tiv erhält der Kun­de rech­ne­risch 172 % Gegen­wert.

Das ist der ers­te kri­ti­sche Punkt:
Ein sol­cher „Rabatt“ ist öko­no­misch nicht plau­si­bel, wenn er nicht durch exter­ne Ein­nah­men gedeckt ist.

2. Wirt­schaft­li­che Trag­fä­hig­keit

Das Modell impli­ziert:

  • Sofor­ti­ge Zah­lung durch den Kun­den (Liqui­di­täts­zu­fluss für Anbie­ter)
  • Monat­li­che Aus­zah­lun­gen an den Kun­den
  • Zusätz­lich spä­te­re Lie­fe­rung eines rea­len Ver­mö­gens­werts (Gold)

Damit ent­ste­hen für den Anbie­ter:

  1. Liqui­di­täts­ab­flüs­se (72 %)
  2. Sach­leis­tungs­ver­pflich­tung (100 %)

→ Gesamt­ver­pflich­tung: 172 % der Ein­nah­men

Damit das funk­tio­niert, müss­te der Anbie­ter:

  • ent­we­der extrem hohe Ren­di­ten erwirt­schaf­ten (deut­lich > 72 % in 3 Jah­ren),
  • oder neue Kun­den­gel­der ver­wen­den, um bestehen­de Ver­pflich­tun­gen zu bedie­nen.

Letz­te­res ent­spricht struk­tu­rell einem Pon­zi-/Schnee­ball­sys­tem.

3. Markt­lo­gik (Gold­preis)

Selbst unter opti­mis­ti­schen Annah­men:

  • Gold­preis­stei­ge­run­gen von 5–10 % p.a. sind his­to­risch bereits hoch
  • Über 3 Jah­re ergibt das grob 15–30 %

→ Das reicht bei wei­tem nicht, um 72 % Aus­schüt­tung + Lie­fe­rung zu finan­zie­ren.

4. Ver­trags- und Risi­ko­struk­tur

Das Modell ver­schiebt prak­tisch alle Risi­ken auf den Kun­den:

  • Vor­kas­se ohne sofor­ti­ge Gegen­leis­tung
  • Lie­fe­rung erst nach 36 Mona­ten
  • Abhän­gig­keit von der Zah­lungs­fä­hig­keit des Anbie­ters über lan­ge Zeit

Typi­sche Risi­kom­erk­ma­le:

  • Kein Son­der­ver­mö­gen (falls zutref­fend)
  • Kein direk­ter Eigen­tums­er­werb am Gold bei Zah­lung
  • Emit­ten­ten­ri­si­ko (Total­ver­lust mög­lich)

5. Mar­ke­ting vs. Rea­li­tät

Die Ver­wen­dung von Pro­mi­nen­ten (z. B. Oli­ver Pocher) ist kein Qua­li­täts­in­di­ka­tor für ein Finanz­pro­dukt.
Sie dient pri­mär der Ver­trau­ens­bil­dung im Ver­trieb.

6. Gesamt­be­wer­tung

Das Modell ist mit hoher Wahr­schein­lich­keit:

  • öko­no­misch nicht trag­fä­hig, wenn es wie beschrie­ben funk­tio­niert
  • stark erklä­rungs­be­dürf­tig, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Mit­tel­ver­wen­dung
  • typisch für Hoch­ri­si­ko- oder Betrugs­mo­del­le, wenn kei­ne trans­pa­ren­te, über­prüf­ba­re Ertrags­quel­le exis­tiert

7. Prä­zi­se Rück­fra­gen (ent­schei­dend)

Um das Modell sau­ber zu bewer­ten, müss­ten min­des­tens fol­gen­de Punk­te geklärt wer­den:

  1. Wor­auf bezie­hen sich die 2 % genau (Nomi­nal­be­trag, Rest­be­trag, etc.)?
  2. Wo wird das Geld wäh­rend der 36 Mona­te inves­tiert?
  3. Gibt es einen recht­lich gesi­cher­ten Eigen­tums­an­spruch auf kon­kre­tes Gold (z. B. Lager­stel­len, Seri­en­num­mern)?
  4. Ist das Gold Son­der­ver­mö­gen oder Teil der Insol­venz­mas­se?
  5. Wer ist regu­lie­ren­de Auf­sicht (BaFin o. Ä.)?

Fazit

In der dar­ge­stell­ten Form ist das Modell hoch­gra­dig unplau­si­bel.
Die zen­tra­le Red Flag ist die Kom­bi­na­ti­on aus:

  • Vor­kas­se
  • lau­fen­den Aus­zah­lun­gen
  • spä­te­rer Sach­leis­tung

→ ohne erkenn­ba­re, rea­lis­ti­sche Ren­di­te­quel­le.

War­um fal­len Men­schen dar­auf rein?

Sol­che Model­le funk­tio­nie­ren nicht trotz, son­dern wegen sehr sta­bi­ler psy­cho­lo­gi­scher und struk­tu­rel­ler Mecha­nis­men.

1. Wahr­neh­mungs­feh­ler (kogni­ti­ve Ebe­ne)

Meh­re­re bekann­te Effek­te grei­fen gleich­zei­tig:

  • Framing-Effekt
    „72 % Rabatt“ klingt fun­da­men­tal anders als „hoch­ris­kan­tes Kre­dit­ge­schäft“.
    → glei­che Rea­li­tät, ande­re Wahr­neh­mung
  • Auto­ri­täts- und Pro­mi-Bias
    Wenn Per­so­nen wie Oli­ver Pocher invol­viert sind, sinkt die kri­ti­sche Distanz.
  • Anker­ef­fekt
    „Gold für 28 % des Prei­ses“ setzt einen star­ken men­ta­len Refe­renz­punkt.
  • Kom­ple­xi­täts­re­duk­ti­on
    Men­schen prü­fen sel­ten Cash­flow-Logi­ken; sie ver­las­sen sich auf ein­fa­che Nar­ra­ti­ve.

2. Zeit­li­che Ent­kopp­lung

Das Modell nutzt gezielt Zeit:

  • Zah­lung sofort
  • Beloh­nung schritt­wei­se (monat­lich)
  • Risi­ko mani­fes­tiert sich spät (36 Mona­te)

→ Das Gehirn gewich­tet kurz­fris­ti­ge „Bewei­se“ (monat­li­che Zah­lun­gen) stär­ker als lang­fris­ti­ge Risi­ken.

Das ist iden­tisch mit Mecha­ni­ken aus klas­si­schen Pon­zi-Sys­te­men:

  • Anfangs­aus­zah­lun­gen erhö­hen Ver­trau­en
  • kri­ti­sche Pha­se liegt in der Zukunft

3. Schein­ba­re Vali­die­rung durch ech­te Zah­lun­gen

Ein zen­tra­ler Punkt:

  • Kun­den erhal­ten tat­säch­lich Geld (2 % monat­lich)

Das erzeugt:

  • „Es funk­tio­niert ja“-Feedback
  • sozia­le Bestä­ti­gung („mein Bekann­ter bekommt Geld“)

→ Das ist der stärks­te Ver­stär­ker sol­cher Sys­te­me

4. Finan­zi­el­le Illu­si­on statt Pro­dukt­ver­ständ­nis

Vie­le Teil­neh­mer inter­pre­tie­ren das falsch:

Sie glau­ben, sie kau­fen:

  • „güns­ti­ges Gold“

Tat­säch­lich machen sie öko­no­misch eher:

  • eine unbe­si­cher­te Vor­leis­tung (Kre­dit an den Anbie­ter)

Der Unter­schied wird oft nicht erkannt.

5. Ver­triebs­sys­te­me

Sol­che Model­le wer­den sel­ten pas­siv ver­kauft:

  • pro­vi­si­ons­ge­trie­be­ne Ver­mitt­ler
  • Emp­feh­lungs­mar­ke­ting
  • per­sön­li­che Netz­wer­ke

→ Ver­trau­en wird sozi­al „gelie­hen“

Das redu­ziert kri­ti­sche Prü­fung mas­siv.

6. Selek­ti­ons­bi­as (wich­tig für dei­ne Wahr­neh­mung)

Du siehst vor allem:

  • die Unplau­si­bi­li­tät

Ande­re sehen:

  • monat­li­che Zah­lun­gen
  • schein­ba­re Erfolgs­fäl­le

→ Unter­schied­li­che Infor­ma­ti­ons­ba­sis

Zusätz­lich:

  • Kri­ti­sche Stim­men kom­men spä­ter
  • Posi­ti­ve Erfah­rungs­be­rich­te domi­nie­ren am Anfang

7. Fazit (prä­zi­se)

Es ist kein Rät­sel, son­dern ein wie­der­keh­ren­des Mus­ter:

Sol­che Sys­te­me funk­tio­nie­ren zuver­läs­sig, wenn sie:

  1. früh aus­zah­len
  2. ein ein­fa­ches Nar­ra­tiv haben („Rabatt“)
  3. kom­ple­xe Risi­ken ver­schlei­ern
  4. sozia­le Bestä­ti­gung erzeu­gen

Das ist seit Jahr­zehn­ten kon­stant beob­acht­bar – unab­hän­gig vom kon­kre­ten Pro­dukt (Gold, Immo­bi­li­en, Kryp­to etc.).

Wenn man es streng for­mu­liert:

Nicht die Men­schen „fal­len dar­auf her­ein“, son­dern das Modell ist gezielt so kon­stru­iert, dass nor­ma­le Ent­schei­dungs­me­cha­nis­men sys­te­ma­tisch fehl­ge­lei­tet wer­den.


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