Sachsen-Anhalt steckt unter der seit Jahren CDU-geführten Landesregierung in einer hartnäckigen wirtschaftlichen Schieflage. Nach mehreren Jahren schwacher Entwicklung hat sich die konjunkturelle Talfahrt auch 2025 fortgesetzt. Zwar fiel der Rückgang etwas geringer aus als im Vorjahr, von einer tragfähigen Erholung kann jedoch keine Rede sein. Das reale Bruttoinlandsprodukt sank im ersten Halbjahr 2025 um 0,3 Prozent, für das Gesamtjahr wird erneut ein preisbereinigter Rückgang von rund 0,2 Prozent erwartet. Der nominale Zuwachs der Wirtschaftsleistung beruht im Wesentlichen auf Preiseffekten und kaschiert die tatsächliche Schwäche. Damit fällt Sachsen-Anhalt sowohl hinter den gesamtdeutschen Trend als auch hinter Ostdeutschland ohne Berlin zurück – ein deutliches Warnsignal für die wirtschaftspolitische Bilanz der Landesregierung.
Besonders alarmierend ist die anhaltend schlechte Stimmung in den Unternehmen. Industrie, Bauwirtschaft und Handel klagen seit Langem über zunehmend schwierige Rahmenbedingungen. Schwache Nachfrage, hohe Energie- und Arbeitskosten, mangelnde Planungssicherheit und ein klar erkennbarer Investitionsstau belasten die Betriebe. Die Umfragen der Industrie- und Handelskammern sprechen eine deutliche Sprache: Deutlich mehr Unternehmen berichten von Umsatzrückgängen als von Zuwächsen, die Investitionsbereitschaft liegt spürbar unter dem langjährigen Durchschnitt. Eine wirtschaftspolitische Strategie, die diesen Negativtrend brechen könnte, ist bislang nicht erkennbar.
Besonders schwer wiegt die strukturelle Verwundbarkeit der sachsen-anhaltischen Wirtschaft – ein Problem, das die Landesregierung über Jahre nicht ernsthaft angegangen ist. Sachsen-Anhalt ist überdurchschnittlich stark von energieintensiven Industrien, Vorleistungssektoren und der Automobilzulieferkette abhängig. Schlüsselbranchen wie Chemie, Glas, Maschinenbau und Zulieferindustrie stehen unter massivem Kostendruck und reagieren besonders empfindlich auf konjunkturelle Eintrübungen. In Krisenphasen trifft das Land deshalb härter als Regionen mit breiterer sektoraler Aufstellung oder einem höheren Anteil wachstumsstarker Dienstleistungen. Hinzu kommen hausgemachte Standortprobleme: ausufernde Bürokratie, hohe Energiekosten und eine über Jahre vernachlässigte wirtschaftliche Diversifizierung.
Auch die demografische Entwicklung verschärft die Lage – auch hier fehlen wirksame Gegenstrategien. Bevölkerungsrückgang und Alterung erschweren die Fachkräftesicherung und schwächen langfristig Arbeitskräfteangebot, Innovationskraft und regionale Nachfrage. Der Arbeitsmarkt kippt zunehmend: Zwar ist die Beschäftigung in Teilen noch stabil, doch die Arbeitslosenquote steigt, offene Stellen werden seltener gemeldet, und viele Unternehmen halten sich bei Neueinstellungen zurück. In einzelnen Branchen häufen sich Insolvenzen und Beschäftigungsrisiken, vor allem dort, wo schwache Nachfrage und hohe Kosten zusammentreffen.
Der Ausblick ist entsprechend ernüchternd. Für 2026 ist bestenfalls eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau zu erwarten, ein echter Aufschwung ist nicht in Sicht. Entscheidend werden die Energiepreise, die in- und ausländische Nachfrage sowie die Investitionsbedingungen sein. Solange die Landesregierung jedoch keine konsequenten strukturellen Reformen anstößt, bleibt Sachsen-Anhalt anfällig für weitere Krisen. Nötig wären eine ernsthafte Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur, deutlich bessere Standortbedingungen, verlässliche Energie- und Investitionsrahmen sowie ein offensives Vorgehen zur Fachkräftesicherung – Vorhaben, an denen die CDU-geführte Regierung bislang nur halbherzig arbeitet.
Das Gesamtbild ist eindeutig: Sachsen-Anhalt ist derzeit kein Wachstumsland, sondern eine Region in einer wirtschaftlichen Dauerkrise mit ausgeprägten strukturellen Belastungen. Die anhaltende Schwäche ist keine vorübergehende Flaute, sondern Ausdruck tieferliegender Standort- und Strukturprobleme, für die die politische Verantwortung klar zu benennen ist. Eine belastbare Trendwende ist unter der aktuellen Landesregierung bislang nicht gelungen.