HENSOLDT hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich zugelegt:
- Auftragseingang: 2,812 Mrd. Euro, damit gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.
- Auftragsbestand: Rekordwert von 10,356 Mrd. Euro, ein Plus von 46,5 %.
- Umsatz: 1,167 Mrd. Euro, plus 23,6 %.
- Bereinigtes EBITDA: 137 Mio. Euro, plus 28,5 %.
- EBITDA-Marge: leicht verbessert auf 11,8 %.
- Free Cashflow: weiterhin negativ bei −136 Mio. Euro, aber besser als im Vorjahr mit −181 Mio. Euro. Ursache sind vor allem saisonale Vorinvestitionen vor den geplanten Auslieferungen im vierten Quartal.
Besonders stark entwickelte sich das Segment Optronics: Der Auftragseingang stieg von 164 Mio. auf 971 Mio. Euro, der Umsatz um 63,2 %. Das bereinigte EBITDA erhöhte sich von 1 Mio. auf 24 Mio. Euro. Treiber waren unter anderem Großaufträge für die Schützenpanzer Puma und Schakal. Auch das Segment Sensors wuchs, unter anderem durch Eurofighter-Radare, Knifefish und TRML-4D-Radare.
HENSOLDT bestätigt seine Prognose für 2026:
- Umsatz von rund 2,75 Mrd. Euro
- Book-to-Bill-Verhältnis von 1,5 bis 2,0
- Bereinigte EBITDA-Marge von 18,5 bis 19,0 %
- Cash Conversion von rund 50 % des bereinigten EBITDA
Einordnung: Die Nachfrage ist sehr hoch und gibt HENSOLDT langfristige Planungssicherheit. Der zentrale operative Punkt ist nun, den Rekordauftragsbestand schnell, zuverlässig und profitabel in Umsatz und Cashflow umzusetzen. Dafür baut das Unternehmen seine Produktions- und Logistikkapazitäten aus.
Der Kursrückgang deutet darauf hin, dass der Markt mehr erwartet hatte. Die Zahlen sind operativ stark, aber mehrere Punkte können Investoren enttäuscht haben:
Keine Prognoseanhebung: HENSOLDT bestätigt lediglich die Jahresziele. Nach dem verdoppelten Auftragseingang und dem Rekordauftragsbestand könnten Anleger eine höhere Umsatz- oder Margenprognose erwartet haben. Der erwartete Jahresumsatz von rund 2,75 Mrd. Euro liegt zudem ungefähr auf Höhe der bisherigen Analystenschätzungen.
Margenentwicklung bleibt verhalten: Das bereinigte EBITDA stieg zwar um 28,5 %, die Marge aber nur von 11,3 % auf 11,8 %. Angesichts des starken Umsatzwachstums fällt die operative Hebelwirkung damit bislang eher begrenzt aus.
Negativer Cashflow: Der bereinigte Free Cashflow lag bei −136 Mio. Euro. Das ist besser als im Vorjahr, die Verbesserung beruht aber teilweise auf Kundenanzahlungen. Cash-Generierung bleibt daher ein zentraler Prüfpunkt für Investoren.
Verlorene Marineaufträge: Belastend wirken weiterhin die Einstellung des F126-Fregattenprogramms und die Vergabe von Radar- und Kampfsystemen für mögliche Ersatzfregatten an Saab. Beim F126-Programm stand für HENSOLDT ein Auftragswert von mehr als 200 Mio. Euro im Raum.
Hohe Bewertung: Bei einem erwarteten Gewinn von etwa 1,82 Euro je Aktie wurde HENSOLDT zuletzt mit einem geschätzten 2026er-KGV von rund 45 gehandelt. Bei einer solchen Bewertung reichen gute Zahlen häufig nicht; der Markt verlangt deutliche positive Überraschungen.
Die passende Einordnung wäre daher:
Die Geschäftsentwicklung ist stark, aber Auftragseingang und Auftragsbestand waren vermutlich bereits weitgehend eingepreist. Ohne Prognoseanhebung und mit weiterhin schwachem Cashflow fehlte dem Markt ein neuer positiver Impuls.