Die Bundesregierung beantwortet eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion zur Anwerbung internationaler Studierender, insbesondere aus Nicht‑EU‑Staaten, zu Qualitätsproblemen an privaten Hochschulen und zu Folgen für Fachkräftezuwanderung.
Zentrale Aussagen der Bundesregierung
1. Bedeutung internationaler Studierender
- Deutschland braucht aufgrund des demografischen Wandels zusätzliche Fachkräfte.
- Internationale Studierende leisten laut IW‑Studie (2025) einen hohen volkswirtschaftlichen Beitrag:
- Jeder Jahrgang erwirtschaftet langfristig einen Überschuss von 15,5 Mrd. Euro.
- Bleibequote: Rund 45 % bleiben langfristig in Deutschland.
- Rund 402.000 internationale Studierende (2025), davon 43 % in Ingenieurwissenschaften, 12 % in MINT‑Grundlagenfächern.
Hochschulrecht & Visa
2. Visa-Voraussetzungen
- Rechtsgrundlage: § 16b Aufenthaltsgesetz.
- Anerkennung/Akkreditierung von Hochschulen liegt in der Zuständigkeit der Länder.
- Keine zentralen Bundesdaten zu Kriterien einzelner Hochschulen.
Datenlage & bekannte Probleme
3. Vermittlungsagenturen
- Bundesregierung erhebt keine Daten zu Kooperationen zwischen Hochschulen und Agenturen.
- Keine Daten zu Anzahl der über Agenturen vermittelten Studierenden.
4. Fehlberatung / Missstände
- Bundesregierung hat vereinzelt Berichte über Missstände (z. B. IU Internationale Hochschule).
- Keine systematischen Daten zu Falschinformationen über Studienbedingungen.
5. Studiengebühren privater Hochschulen
- Starke Variation.
- Durchschnitt laut Wissenschaftsrat:
- 870 € / Monat an privaten Universitäten.
- 380 € / Monat an privaten HAW/FH.
Maßnahmen gegen Missbrauch
- Bundesregierung beobachtet Entwicklungen und stimmt sich mit Herkunftsländern ab.
- Auslandsvertretungen warnen vor unlauteren Vermittlungspraktiken.
- Keine konkreten neuen Maßnahmen seit 2022 genannt.
Studienabbrüche, Exmatrikulationen, Abschlüsse
6. Exmatrikulationen / Studienabbrüche
- Keine Daten zu Exmatrikulationen wegen Akkreditierungsproblemen.
- Studienabbrecherzahlen (Bildungsausländer):
- 2018: 33.113
- 2019: 32.739
- 2020: 31.031
7. Verteilung auf Hochschulen
- Anlage zeigt:
- Höchste Zahlen Nicht‑EU‑Studierender in Berlin, München, Aachen, Hamburg, Frankfurt.
- Private Hochschulen besonders relevant in Erfurt, Potsdam, Bremen.
8. Erfolgreiche Abschlüsse
- 2024: 58.015 Abschlüsse internationaler Studierender aus Nicht‑EU‑Staaten.
- Davon 6.793 an privaten Hochschulen.
9. Beliebteste Studienfächer (2024)
Top‑Fächer nach bestandenen Prüfungen:
- Informatik (4.179)
- Elektrotechnik (3.296)
- Maschinenbau (2.743)
- Internationales Management (2.664)
- Wirtschaftsingenieurwesen (1.906)
- Medizin (1.334)
- Architektur (1.276)
Übergang in den Arbeitsmarkt
10. Beschäftigung nach Abschluss
- Keine spezifischen Daten zu Einstiegsbranchen oder Einkommen.
- IW‑Daten (2019):
- 89 % der internationalen Absolventen erwerbstätig.
- 55 % mit mittlerem bis hohem Einkommen (> 2.600 € netto).
11. Bleibequote
- OECD: 45 % bleiben 10 Jahre nach Studienbeginn in Deutschland.
Aufenthaltstitel & Widerrufe
- Keine Daten zu Widerrufen von Aufenthaltstiteln wegen nicht erbrachter Studienleistungen.
- Keine Daten, ob private Hochschulabsolventen häufiger Aufenthaltstitel zur Erwerbstätigkeit erhalten.
Erwerbstätigkeit während des Studiums
- Rund 61 % der internationalen Studierenden arbeiten neben dem Studium.
- Keine Daten zu Branchen oder Herkunftsländern.
Gesamtfazit
Die Bundesregierung bestätigt die hohe Bedeutung internationaler Studierender für den deutschen Arbeitsmarkt, räumt aber gleichzeitig ein, dass sie zu vielen kritischen Punkten der Anfrage keine eigenen Daten erhebt – insbesondere zu Vermittlungsagenturen, Missständen an privaten Hochschulen, Exmatrikulationen, Studienabbrüchen oder Widerrufen von Aufenthaltstiteln. Die bekannten Missstände werden beobachtet, aber es gibt keine umfassende bundesweite Datenerhebung und nur begrenzte Maßnahmen.
Quelle: Bundestagsdrucksache 21/7380