Waffenbesitz und Waffeneinsatz von und durch Neonazis und Reichsbürger/Selbstverwalter sowie Waffenfunde in Deutschland
Thema
Antwort der Bundesregierung (August 2026) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zum Waffenbesitz, Waffeneinsatz und Waffenfunden bei Neonazis, Rechtsextremisten, Reichsbürgern/Selbstverwaltern sowie Personen, die dem Bereich „verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“ zugerechnet werden.
1. Umfang des Waffenbesitzes (Stand 31.12.2024)
- 1.120 Rechtsextremisten mit waffenrechtlicher Erlaubnis
- 357 Reichsbürger/Selbstverwalter
- 37 Personen aus dem Delegitimierungs-Spektrum
- Erlaubnispflichtige Schusswaffen im Nationalen Waffenregister:
- 2.996 bei Rechtsextremisten
- 932 bei Reichsbürgern/Selbstverwaltern
- 124 im Delegitimierungs-Spektrum
- Daten für 2025 liegen noch nicht vor.
2. Entzug von Waffenbesitzkarten (2024)
- 157 Rechtsextremisten
- 191 Reichsbürger/Selbstverwalter
- 12 Delegitimierer → Erlaubnisse wurden entzogen oder freiwillig abgegeben.
3. Waffenfunde & Waffeneinsatz (2024–2025)
PMK‑rechts (Politisch motivierte Kriminalität – rechts)
- 2024: 629 Delikte mit Waffenbezug
- 2025: 756 Delikte
- In ~45 % der Fälle: Gewaltdelikte
- Häufigste Untertatmittel:
- Hieb- und Stichwaffen
- Schlagwaffen
- Softair-/Paintballwaffen
- Gas-/Schreckschusswaffen
- Faustfeuerwaffen
- Waffenfunde bei Durchsuchungen:
- 2024: 90 Fälle
- 2025: keine Sonderauswertung
Reichsbürger/Selbstverwalter
- Nur wenige Fälle mit Waffenbezug (jeweils 2–3 pro Jahr).
4. Angriffe auf Geflüchtete & Asylunterkünfte
Die Tabellen listen Fälle auf, bei denen Waffen mitgeführt, eingesetzt oder gefunden wurden.
Beispiele (Auswahl):
- Gas-/Schreckschusswaffen in BW, BB, MV, BY, HE, MV, NI, NW
- Faustfeuerwaffen in BY, BE, HE, SN
- Langwaffen in BY → Keine Unterscheidung zwischen legal/illegal möglich.
5. Schießübungen von Rechtsextremen
- 23 Fallkomplexe (2024–2025)
- Etwa die Hälfte der Übungen fand in Deutschland statt.
- Weitere Details verweigert aus Gründen des Staatswohls.
6. Sicherstellungen durch Polizei & Zoll
Polizei/BKA:
- ca. 60 Schusswaffen (Verdacht auf WaffG/KWKG-Verstöße)
- Magazine, Munition, Pistolen in einzelnen Verfahren
- Ein Depot 2025: zwei gefälschte, funktionsfähige Pistolen
Zoll:
- 2024: 161 Kriegswaffen, 399 sonstige Waffen
- 2025: 5 Kriegswaffen, 163 sonstige Waffen → 2024 hohe Zahlen wegen zwei Großsicherstellungen.
7. Sprengstofffunde
2024:
- 4 Sicherstellungen, überwiegend Selbstlaborate
- u. a. 100 g TATP, 25 kg Raketentreibstoff
2025:
- 147 Sicherstellungen (neues Erfassungssystem BLAST → nicht vergleichbar mit 2024)
Sprengstoffdepots:
- 2024: 4 Handgranaten (TNT) bei Marburg
8. Datenlücken & verweigerte Auskünfte
Die Bundesregierung verweigert teils Antworten wegen:
- Staatswohl
- Geheimschutz
- laufender Ermittlungen
- fehlender statistischer Erfassung → Besonders bei Fragen zu Täterstrukturen, Herkunft von Waffen, politischer Zuordnung, Details zu Sprengstofftransporten.
9. Keine Daten vorhanden zu:
- Waffenherstellungserlaubnissen
- Waffenhandelserlaubnissen
- Schießstättenerlaubnissen
- Widerrufen dieser Erlaubnisse
Kernaussage
Die Bundesregierung bestätigt erheblichen legalen und illegalen Waffenbesitz im rechtsextremen und reichsbürgernahen Spektrum, dokumentiert zahlreiche Waffendelikte, Sicherstellungen und Schießübungen, weist aber zugleich auf erhebliche Lücken in der statistischen Erfassung und auf Sicherheitsgründe hin, die detailliertere Auskünfte verhindern.
Bundestagsdrucksache 21/7665