USA, das Aller­letz­te vom 27.08.2026

Nvi­dia und der KI-Boom
Die Tech­no­lo­gie­bran­che erleb­te heu­te einen mas­si­ven Schub, ange­führt von den spek­ta­ku­lä­ren Quar­tals­zah­len von Nvi­dia. Das Unter­neh­men mel­de­te für das zwei­te Quar­tal einen Rekord­um­satz von 96,22 Mil­li­ar­den US-Dol­lar, was einem Anstieg von 97 % im Jah­res­ver­gleich ent­spricht und die Erwar­tun­gen der Wall Street deut­lich über­traf. Für das kom­men­de Fis­kal­jahr 2028 pro­gnos­ti­ziert Nvi­dia ein außer­ge­wöhn­li­ches Umsatz­wachs­tum von ca. 70 %. Dies über­traf die Erwar­tun­gen der Ana­lys­ten, die bei rund 45 % lagen, bei Wei­tem. CEO Jen­sen Huang erklär­te, dass die Nach­fra­ge sich wei­ter beschleu­nigt („demand acce­le­ra­ting“) und das Wachs­tum der­zeit nur durch Eng­päs­se in der Lie­fer­ket­te – ins­be­son­de­re bei Spei­cher­chips – begrenzt wird. Um die stark gestie­ge­nen Kos­ten für Spei­cher­chips abzu­fe­dern, kün­dig­te Nvi­dia Preis­er­hö­hun­gen an; dies wird die Brut­to­mar­ge im nächs­ten Jahr gering­fü­gig von 75 % auf etwa 72 bis 73 % drü­cken. Dar­über hin­aus über­nimmt Nvi­dia zuneh­mend die Rol­le einer „Bank“ für die KI-Bran­che, indem es Kre­di­te für Con­se­quen­ti­al-KI-Unter­neh­men absi­chert (Back­stop­ping), die selbst noch nicht über die nöti­ge Boni­tät für güns­ti­ge Kre­di­te ver­fü­gen. Par­al­lel dazu kur­sie­ren Berich­te, dass Nvi­dia die KI-Ent­wick­ler­platt­form Hug­ging Face für knapp 13 Mil­li­ar­den Dol­lar über­neh­men möch­te.

Erho­lung im SaaS-Sek­tor
Die her­vor­ra­gen­den Ergeb­nis­se gaben auch ande­ren Soft­ware-Unter­neh­men star­ken Rücken­wind. Sales­force erleb­te nach der Bekannt­ga­be einer erwei­ter­ten Part­ner­schaft mit Anthro­pic sei­nen bes­ten Bör­sen­tag seit sechs Jah­ren. Auch der Cyber­si­cher­heits­rie­se Crowdstrike ver­zeich­ne­te auf­grund der mas­si­ven Nach­fra­ge nach Schutz vor KI-gestütz­ten Cyber­an­grif­fen star­ke Zuwäch­se. Die­se Ent­wick­lun­gen dämpf­ten die an der Wall Street zuvor geäu­ßer­ten Ängs­te vor einer „SaaS-Apo­ka­lyp­se“ erheb­lich.

Zins­po­li­tik und das Jack­son Hole Sym­po­si­um
Das mit Span­nung erwar­te­te Jack­son Hole Eco­no­mic Sym­po­si­um in Wyo­ming hat begon­nen. Die gesam­te Auf­merk­sam­keit der Finanz­märk­te rich­tet sich auf die mor­gi­ge Eröff­nungs­re­de des neu­en Fed-Vor­sit­zen­den Kevin Warsh, von dem Klar­heit über die künf­ti­ge Zins­po­li­tik und die Reak­ti­ons­funk­ti­on der Noten­bank erhofft wird. Inner­halb der Fed zeich­nen sich deut­li­che Dif­fe­ren­zen ab. Beth Hammack, die Prä­si­den­tin der Cleve­land Fed, die bei der letz­ten Sit­zung gegen die Zins­ent­schei­dung stimm­te, beton­te in einem Inter­view, dass es „Zeit zum Han­deln“ sei („time to act“). Sie for­dert eine wei­te­re Straf­fung der Geld­po­li­tik, da die Infla­ti­on hart­nä­ckig über dem 2 %-Ziel ver­harrt, wäh­rend sie den Arbeits­markt für weit­ge­hend sta­bil und im Gleich­ge­wicht hält. Jef­frey Schmidt, Prä­si­dent der Kan­sas City Fed, ver­tritt eben­falls eine haw­ki­sche Hal­tung. Er sieht die Zin­sen der­zeit eher auf der akkom­mo­die­ren­den Sei­te und plä­diert dafür, wei­te­re Daten abzu­war­ten, bevor geld­po­li­ti­sche Locke­run­gen in Betracht gezo­gen wer­den. Zudem wird inner­halb der Fed offen über eine Redu­zie­rung der jähr­li­chen Sit­zun­gen von acht auf sechs nach­ge­dacht, um mehr Zeit für die Daten­aus­wer­tung zu haben.

Span­nun­gen zwi­schen dem Finanz­mi­nis­te­ri­um und der Fed
Für zusätz­li­che Kom­ple­xi­tät sorgt die Inter­ven­ti­on des US-Finanz­mi­nis­te­ri­ums unter Minis­ter Scott Bes­sent. Bess­ents Ankün­di­gung, die Rück­käu­fe lang­fris­ti­ger Staats­an­lei­hen (Buy­backs) zu erhö­hen, hat die Ren­di­ten für 10- und 30-jäh­ri­ge Tre­asu­ries kurz­fris­tig sin­ken las­sen. Dies erschwert jedoch die Arbeit der Fed unter Kevin Warsh. Kri­ti­ker wie Stan­ley Dru­cken­mil­ler wer­fen dem Finanz­mi­nis­te­ri­um vor, die Sym­pto­me statt der eigent­li­chen Ursa­che (des mas­si­ven Haus­halts­de­fi­zits) zu bekämp­fen und das freie Markt­si­gnal zu ver­zer­ren, das Warsh für sei­ne Zins­ent­schei­dun­gen benö­tigt.

Han­dels­streit mit Kana­da und „Lake Ame­ri­ca“
Prä­si­dent Donald Trump sorg­te heu­te mit der Unter­zeich­nung einer Exe­cu­ti­ve Order für Auf­se­hen, mit der der Lake Onta­rio offi­zi­ell in „Lake Ame­ri­ca“ umbe­nannt wird. Die Begrün­dung der Regie­rung lau­tet, dass sich das meis­te Was­ser­vo­lu­men und die tiefs­ten Stel­len des Sees auf US-Ter­ri­to­ri­um befin­den. Trump nutz­te den Anlass, um schar­fe Kri­tik an Kana­da zu üben, das die USA seit Jahr­zehn­ten im Han­del und beim Mili­tär „aus­nut­ze“. Er kün­dig­te dras­ti­sche Zöl­le auf kana­di­sche Auto­im­por­te an. Der US-Han­dels­be­auf­trag­te Jamie­son Gre­er erklär­te zudem, dass die Gesprächs­ka­nä­le mit Kana­da der­zeit auf Eis lie­gen und die USA ein voll­stän­di­ges Ver­bot bestimm­ter kana­di­scher Export­gü­ter prü­fen.

Gleich­zei­tig gerät Trump im eige­nen Lager unter Druck: Sei­ne tem­po­rä­re Auf­he­bung von Zöl­len auf rund 300.000 Ton­nen Rind­fleisch­im­por­te zur Sen­kung der Ver­brau­cher­prei­se stieß bei US-Land­wir­ten und Ran­chern auf hef­ti­gen Wider­stand. Der texa­ni­sche Land­wirt­schafts­kom­mis­sar Sid Mil­ler bezeich­ne­te den Schritt als schäd­lich für ame­ri­ka­ni­sche Rin­der­züch­ter und warn­te vor dras­ti­schen Pro­fit­ver­lus­ten sowie einer Gefähr­dung der Mid­term-Wah­len für die Repu­bli­ka­ner.

Geo­po­li­tik: Ukrai­ne und Iran
Auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne domi­niert eine gehei­me Rei­se von CIA-Direk­tor John Rat­clif­fe nach Mos­kau. Rat­clif­fe über­brach­te eine direk­te War­nung der USA an Wla­di­mir Putin, kei­ne Angrif­fe auf NATO-Ter­ri­to­ri­um (wie die bal­ti­schen Staa­ten) zu wagen. Laut Trump habe Putin im Gegen­zug zuge­si­chert, kein NATO-Ter­ri­to­ri­um anzu­grei­fen. Der ehe­ma­li­ge US-Son­der­be­auf­trag­te Keith Kel­logg berich­te­te der­weil von einer Rei­se in die Ukrai­ne und zeig­te sich sehr beein­druckt von der dor­ti­gen Wirt­schaft und der flo­rie­ren­den, hei­mi­schen Rüs­tungs­in­dus­trie.

Bezüg­lich des Irans beton­te Trump, dass die Wirt­schafts­blo­cka­de unver­min­dert fort­ge­setzt wird. Trotz eines jüngs­ten Angriffs auf einen Öltan­ker in der Stra­ße von Hor­mus sei die wich­ti­ge Pas­sa­ge für den inter­na­tio­na­len Schiffs­ver­kehr unter der Kon­trol­le des US-Mili­tärs geöff­net.

Kre­dit­ri­si­ken im Hoch­schul­sek­tor
Im Bil­dungs­sek­tor wird vor erheb­li­chen Risi­ken gewarnt. Inzwi­schen bewer­ten Rating­agen­tu­ren rund 50 % des Sek­tors der pri­va­ten Col­leges mit „Tri­ple B“ oder schlech­ter. Haupt­ur­sa­chen für die­se finan­zi­el­le Schwä­chung sind der demo­gra­fi­sche Wan­del, sin­ken­de inter­na­tio­na­le Anmel­dun­gen sowie die zuneh­men­de Sor­ge der Ver­brau­cher über die Erschwing­lich­keit von Stu­di­en­ge­büh­ren.


Prä­si­dent Donald Trump hat per Exe­cu­ti­ve Order die sofor­ti­ge Umbe­nen­nung des Lake Onta­rio in „Lake Ame­ri­ca“ ange­ord­net. Die offi­zi­el­le Begrün­dung der US-Regie­rung, die durch den Bera­ter Ben und das Innen­mi­nis­te­ri­um (Depart­ment of the Inte­ri­or) umge­setzt wer­den soll, stützt sich auf geo­gra­fi­sche Gege­ben­hei­ten: Das meis­te Was­ser­vo­lu­men des Sees befin­de sich auf dem Ter­ri­to­ri­um der Ver­ei­nig­ten Staa­ten, und auch die tiefs­ten Stel­len des Gewäs­sers lägen in US-Gewäs­sern. Daher sol­le der Name nun offi­zi­ell im geo­gra­fi­schen Infor­ma­ti­ons­dienst der USA (Geo­gra­phic Names Infor­ma­ti­on Ser­vice) ange­passt wer­den, um zu ver­deut­li­chen, dass es sich um einen „ame­ri­ka­ni­schen See“ han­delt.

Hin­ter die­ser sym­bo­li­schen Ges­te steckt jedoch eine mas­si­ve Eska­la­ti­on des Han­dels- und Sicher­heits­kon­flikts zwi­schen den USA und Kana­da. Trump nutzt die Umbe­nen­nung als poli­ti­sches Signal und wirft Kana­da vor, die USA seit lan­gem auf unfai­re Wei­se aus­zu­nut­zen („rip­ping us off“). Sei­nen Anga­ben zufol­ge ver­lo­ren die USA in den letz­ten 15 Jah­ren im Durch­schnitt etwa 60 bis 62 Mil­li­ar­den US-Dol­lar pro Jahr durch die Unter­stüt­zung Kana­das. Trump warf kana­di­schen Poli­ti­kern vor, „nasty peo­p­le“ (unfreund­li­che Men­schen) zu sein, die US-ame­ri­ka­ni­sche Land­wir­te mit Zöl­len von bis zu 400 % bele­gen. Er bezeich­ne­te Kana­da im Bereich des Han­dels als das am schwie­rigs­ten zu hand­ha­ben­de Land über­haupt, da es sich extrem anspruchs­be­rech­tigt („entit­led“) ver­hal­te.

Neben den Han­dels­fra­gen zieht Trump auch die mili­tä­ri­sche Alli­anz in Zwei­fel. Er beschwer­te sich dar­über, dass die USA Kana­da prak­tisch kos­ten­los ver­tei­di­gen, ohne eine Gegen­leis­tung zu erhal­ten. Als kon­kre­tes Bei­spiel nann­te er die Anschaf­fung von 11 neu­en US-Eis­bre­chern. Kana­da wol­le die­se Schif­fe nut­zen, ohne einen finan­zi­el­len Bei­trag zu leis­ten. Die kana­di­sche Regie­rung wol­le wie ein US-Bun­des­staat behan­delt wer­den, wei­ge­re sich aber, die ent­spre­chen­den Pflich­ten und Kos­ten zu tra­gen.

Trump erklär­te, er habe schon seit lan­gem über die­se Namens­än­de­rung nach­ge­dacht. Er ver­wies dar­auf, dass sei­ne Admi­nis­tra­ti­on bereits den Golf von Mexi­ko in „Gulf of Ame­ri­ca“ umbe­nannt habe, was mitt­ler­wei­le rou­ti­ne­mä­ßig so ver­wen­det wer­de. Mit einem Augen­zwin­kern füg­te er hin­zu, dass die USA nun einen eige­nen Golf und einen eige­nen See besä­ßen und als nächs­tes eigent­lich nur noch ein Oze­an feh­le. Er deu­te­te scherz­haft an, dass man als nächs­tes den Atlan­tik oder den Pazi­fik umbe­nen­nen könn­te.

Die Umbe­nen­nung fällt in eine Pha­se, in der die Han­dels­be­zie­hun­gen zwi­schen den bei­den Nach­barn kom­plett ein­ge­fro­ren sind. Ver­hand­lun­gen wur­den aus­ge­setzt, und der US-Han­dels­be­auf­trag­te Jamie­son Gre­er droh­te unlängst mit dras­ti­schen Zöl­len auf kana­di­sche Auto­im­por­te sowie mit einem voll­stän­di­gen Import­ver­bot für bestimm­te kana­di­sche Güter. Dies birgt jedoch erheb­li­che poli­ti­sche Risi­ken für die Repu­bli­ka­ner so kurz vor den Mid­term-Wah­len. Eine Ana­ly­se zeigt, dass der Kon­flikt vor allem US-Bun­des­staa­ten wie Ohio und Michi­gan wirt­schaft­lich schwer tref­fen könn­te, da Kana­da zu deren Top-5-Export­märk­ten gehört. Wäh­rend die US-Stahl­in­dus­trie das Schei­tern der Ver­hand­lun­gen begrüßt, wächst in der Bevöl­ke­rung die Sor­ge vor stei­gen­den Lebens­hal­tungs­kos­ten (afforda­bili­ty) kurz vor den Wah­len.


Die mit gro­ßer Span­nung erwar­te­te Rede des Fed-Vor­sit­zen­den Kevin Warsh beim Jack­son Hole Eco­no­mic Sym­po­si­um steht im abso­lu­ten Fokus der glo­ba­len Finanz­märk­te. Nach sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz am 29. Juli, die an der Wall Street teils als unklar emp­fun­den wur­de, erwar­ten Inves­to­ren und Ana­lys­ten die­ses Mal eine deut­lich prä­zi­se­re Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Zen­tra­le Erwar­tun­gen an die Rede

  • For­mu­lie­rung einer Reak­ti­ons­funk­ti­on (Reac­tion Func­tion): Die Markt­teil­neh­mer hof­fen dar­auf, dass Warsh eine kla­re öko­no­mi­sche Reak­ti­ons­funk­ti­on der Noten­bank skiz­ziert. Sie wol­len ver­ste­hen, wie die Fed unter sei­ner Füh­rung auf künf­ti­ge makro­öko­no­mi­sche Daten reagie­ren wird. Es wird erwar­tet, dass er die­se Büh­ne nutzt, um das gro­ße Gan­ze („Big Pic­tu­re“) der US-Geld­po­li­tik zu erör­tern.
  • Kla­res Bekennt­nis zur Infla­ti­ons­be­kämp­fung: Obwohl das Sym­po­si­um offi­zi­ell unter dem The­ma „Zukunft der Finan­zen“ steht und sich unter ande­rem mit Sta­b­le­co­ins befasst, dreht sich an den Märk­ten alles um die Infla­ti­on. Inves­to­ren erwar­ten von Warsh eine deut­li­che Ant­wort dar­auf, wie er sein zen­tra­les Ver­spre­chen ein­lö­sen will, die Infla­ti­on nach­hal­tig auf das 2 %-Ziel zu sen­ken. Jede fes­te Zusa­ge, den Deckel auf der Infla­ti­on zu hal­ten, wür­de von den Märk­ten äußerst posi­tiv auf­ge­nom­men wer­den.
  • Kei­ne kon­kre­te „For­ward Gui­dance“: Exper­ten beto­nen über­ein­stim­mend, dass Warsh ein bekann­ter Geg­ner von detail­lier­ten Zukunfts­pro­gno­sen („For­ward Gui­dance“) ist. Statt­des­sen wird erwar­tet, dass er eher eine all­ge­mei­ne Ori­en­tie­rung („fur­ther gui­dance“) bie­tet. Getreu dem Mot­to „Weni­ger ist mehr“ dürf­te sei­ne Bot­schaft bewusst zurück­hal­tend aus­fal­len. Vie­le Ana­lys­ten war­nen daher bereits vor einer poten­zi­el­len Ent­täu­schung an den Märk­ten, da Warsh vor­aus­sicht­lich kei­ner­lei kon­kre­te Details oder Zeit­plä­ne für künf­ti­ge Zins­än­de­run­gen nen­nen wird.
  • Der anti­zi­pier­te Kom­pro­miss: Micha­el McKee (Bloom­berg) ver­mu­tet, dass Warsh einen Mit­tel­weg wäh­len wird. Er könn­te sich dar­auf beschrän­ken zu beto­nen, dass die Fed all ihre Instru­men­te nut­zen wird, um die Infla­ti­on zu bezwin­gen, falls die­se nicht wie gewünscht zurück­geht – ohne jedoch spe­zi­fi­sche Werk­zeu­ge oder Ter­mi­ne beim Namen zu nen­nen.

Der schwie­ri­ge geld­po­li­ti­sche Spa­gat

Warsh bewegt sich bei sei­nem Auf­tritt auf einem schma­len Grat:

  • Unab­hän­gig­keit vs. Erwar­tungs­hal­tung: Er muss bewei­sen, dass er ein daten­ab­hän­gi­ger und poli­tisch unab­hän­gi­ger Beob­ach­ter der Wirt­schaft ist. Dies ist beson­ders kom­plex, da er einer­seits als Fal­ke die Infla­ti­on bekämp­fen muss, ande­rer­seits aber den Vor­sitz inne­hat, weil von ihm lang­fris­tig Zins­sen­kun­gen erwar­tet wer­den. Die Glaub­wür­dig­keit der Fed steht an der Wall Street ohne­hin zur Debat­te.
  • Kon­flikt mit dem Finanz­mi­nis­te­ri­um: Erschwert wird sei­ne Auf­ga­be durch das Han­deln von Finanz­mi­nis­ter Scott Bes­sent. Bess­ents Ankün­di­gung, ver­stärkt lang­fris­ti­ge Staats­an­lei­hen zurück­zu­kau­fen, hat die Ren­di­ten künst­lich gedrückt. Dies ver­zerrt das „rei­ne Markt­si­gnal“, das Warsh eigent­lich als Kom­pass nut­zen möch­te. Warsh hat­te in der Ver­gan­gen­heit betont, dass er „den Ren­ten­markt die Arbeit für ihn machen las­sen“ möch­te – ein Plan, den Bess­ents Inter­ven­tio­nen nun mas­siv durch­kreu­zen.

Gegen­sätz­li­che Strö­mun­gen inner­halb der Fed

Die Rede fin­det vor dem Hin­ter­grund einer tie­fen inter­nen Zer­ris­sen­heit der US-Noten­bank statt:

  • Beth Hammack (Cleve­land Fed), die beim letz­ten Tref­fen gegen die Zins­ent­schei­dung stimm­te, for­dert vehe­ment, dass es „Zeit zum Han­deln“ sei. Sie plä­diert für mehr geld­po­li­ti­sche Straf­fung, da sie den Arbeits­markt für sta­bil und die Infla­ti­on für zu hart­nä­ckig hält.
  • Jef­frey Schmidt (Kan­sas City Fed) stützt die­se haw­ki­sh Hal­tung. Er sieht die aktu­el­len Zin­sen sogar als ten­den­zi­ell akkom­mo­die­rend an und for­dert eben­falls eine restrik­ti­ve Poli­tik und mehr Daten vor einer Locke­rung.
  • Gleich­zei­tig zei­gen sich ers­te kon­junk­tu­rel­le Ris­se: Das US-Ver­brau­cher­ver­trau­en ist auf ein Sie­ben­mo­nats­tief gefal­len, belas­tet durch hohe Ben­zin­prei­se und eine Abküh­lung bei den Neu­ein­stel­lun­gen.

Warsh muss mor­gen also nicht nur die Erwar­tun­gen einer ner­vö­sen Wall Street mana­gen, son­dern auch eine Brü­cke zwi­schen den ver­schie­de­nen Lagern inner­halb sei­nes eige­nen Aus­schus­ses bau­en.


Man beschäf­tigt sich mit ame­ri­ka­ni­scher Poli­tik nicht aus Ame­ri­ka-Fas­zi­na­ti­on, son­dern aus deut­schem Eigen­in­ter­es­se.

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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater