S&P‑500-Aufnahmekandidaten als Anlag­e­idee

Am kom­men­den Frei­tag wird der S&P 500 bekannt­ge­ben, wel­che Unter­neh­men im Rah­men einer Neu­ge­wich­tung in den Index auf­ge­nom­men oder aus die­sem ent­fernt wer­den. 36 Unter­neh­men schei­nen die Auf­nah­me­kri­te­ri­en zu erfül­len, wäh­rend mehr als 110 bestehen­de Mit­glie­der die Markt­ka­pi­ta­li­sie­rungs­schwel­le des Index nicht mehr errei­chen.

Hier ist eine mög­li­che regel­ba­sier­te „S&P‑500-Aufnahmekandidaten“-Strategie. Sie ori­en­tiert sich am Ansatz aus dem Inter­view: Kan­di­da­ten vor der mög­li­chen Auf­nah­me kau­fen, nach Ein­tritt des Index­ereig­nis­ses wie­der ver­kau­fen. Der Fonds im Text arbei­tet mit rund 40 Akti­en und Wahr­schein­lich­keits­ge­wich­tun­gen.

1. Anla­ge­uni­ver­sum

Gesucht wer­den grö­ße­re US-Unter­neh­men, die noch nicht im S&P 500 sind, aber grund­sätz­lich die Vor­aus­set­zun­gen erfül­len könn­ten. S&P ver­langt unter ande­rem Kri­te­ri­en bezüg­lich US-Domi­zil, Grö­ße, Liqui­di­tät und Pro­fi­ta­bi­li­tät. Wich­tig: Die Erfül­lung der Kri­te­ri­en garan­tiert kei­ne Auf­nah­me; das Index­ko­mi­tee ent­schei­det letzt­lich und berück­sich­tigt unter ande­rem auch die sek­to­ra­le Zusam­men­set­zung.

Das ist für die Stra­te­gie zen­tral: Man ver­sucht nicht ein­fach, die 20 größ­ten Nicht-Mit­glie­der zu kau­fen, son­dern die Wahr­schein­lich­keit einer tat­säch­li­chen Auf­nah­me ein­zu­schät­zen.

2. Kan­di­da­ten bewer­ten

Ich wür­de jedem Unter­neh­men einen Score von 0–100 geben:

Kri­te­ri­umGewicht
Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung / Grö­ße25 %
Pro­fi­ta­bi­li­tät20 %
Han­dels­li­qui­di­tät10 %
US-Domi­zil & for­ma­le S&P‑Eignung10 %
Bedarf für Ersatz im jewei­li­gen Sek­tor15 %
Wahr­schein­lich­keit eines frei wer­den­den S&P‑Platzes10 %
bis­he­ri­ges Ver­hal­ten des Index­ko­mi­tees10 %

Die letz­ten Punk­te sind gera­de des­halb wich­tig, weil der S&P 500 nicht ein­fach aus den 500 größ­ten US-Unter­neh­men besteht. S&P selbst weist dar­auf hin, dass geeig­ne­te Kan­di­da­ten nicht auto­ma­tisch auf­ge­nom­men wer­den.

3. Kauf­re­gel

Statt auf einen ein­zi­gen Kan­di­da­ten zu wet­ten:

Top 10–15 Kan­di­da­ten kau­fen.

Bei­spiels­wei­se bei einem für die­se Stra­te­gie vor­ge­se­he­nen Kapi­tal von 10.000 €:

  • 10 Akti­en × ca. 800 € = 8.000 €
  • 2.000 € Liqui­di­täts­re­ser­ve
  • maxi­mal 8 % des Stra­te­gie-Kapi­tals pro Aktie

Noch defen­si­ver wäre eine Gleich­ge­wich­tung von bei­spiels­wei­se 5–6 % je Kan­di­dat.

Das unter­schei­det sich etwas vom Inter­view-Fonds: Dort wird nach Auf­nah­me-Wahr­schein­lich­keit gewich­tet. Für Pri­vat­an­le­ger hal­te ich eine begrenz­te Gewich­tung für sinn­vol­ler, weil ein falsch ein­ge­schätz­ter Kan­di­dat sonst einen unver­hält­nis­mä­ßig gro­ßen Scha­den ver­ur­sa­chen kann.

4. Zeit­punkt

Der inter­es­san­te Zeit­raum liegt vor der offi­zi­el­len Bekannt­ga­be.

Nicht sinn­voll wäre dage­gen, erst nach einer offi­zi­el­len Auf­nah­me-Mit­tei­lung aggres­siv ein­zu­stei­gen. Genau hier hat sich der Markt laut Inter­view ver­än­dert: Die Reak­ti­on fin­det inzwi­schen teil­wei­se unmit­tel­bar nach der Ver­öf­fent­li­chung statt und kann nach­börs­lich bereits meh­re­re Pro­zent betra­gen.

Damit lau­tet die eigent­li­che Wet­te:

Kau­fen, solan­ge die Auf­nah­me nur wahr­schein­lich ist – nicht erst, wenn sie sicher ist.

5. Ver­kaufs­re­gel

Hier wür­de ich sehr strikt sein.

Bei Auf­nah­me: Posi­ti­on am Tag der tat­säch­li­chen Index­auf­nah­me bezie­hungs­wei­se kurz davor abbau­en.

Das ent­spricht ziem­lich genau dem beschrie­be­nen Hedgeye-Ansatz: Nach erfolg­rei­cher Auf­nah­me wird die Aktie wie­der ver­kauft.

Bei Nicht­auf­nah­me: Nicht unbe­grenzt hal­ten und dar­auf hof­fen, dass es beim nächs­ten Mal klappt. Statt­des­sen z. B. inner­halb von 3–5 Han­dels­ta­gen nach der Ent­schei­dung ver­kau­fen und die Kan­di­da­ten­lis­te neu berech­nen.

Damit bleibt es ein Index-Event-Trade und wird nicht ver­se­hent­lich zu einer lang­fris­ti­gen Ein­zel­ak­ti­en­po­si­ti­on.

6. Stop-Loss wür­de ich anders behan­deln

Einen sehr engen Stop-Loss von bei­spiels­wei­se −5 % wür­de ich hier eher ver­mei­den. Ein­zel­ak­ti­en kön­nen ohne Ände­rung der Auf­nah­me­wahr­schein­lich­keit schwan­ken.

Sinn­vol­ler wäre:

Exit, wenn sich die Invest­ment­the­se ver­än­dert, etwa weil:

  • die Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung stark fällt,
  • die Pro­fi­ta­bi­li­täts­kri­te­ri­en nicht mehr erfüllt wer­den,
  • ein ande­rer Kan­di­dat deut­lich wahr­schein­li­cher wird,
  • die Aktie auf­grund einer Über­nah­me oder Struk­tur­än­de­rung unge­eig­net wird,
  • oder der erwar­te­te freie Platz im Index weg­fällt.

Zusätz­lich könn­te man einen abso­lu­ten Sicher­heits­stopp bei etwa −15 bis −20 % set­zen.

7. Wich­tigs­ter Risi­ko­punkt

Die Stra­te­gie soll­te mei­nes Erach­tens nicht das Haupt­port­fo­lio erset­zen.

Bei­spiels­wei­se:

80–90 %: lang­fris­ti­ges Kern­port­fo­lio
10–20 %: S&P‑500-Eventstrategie

Der Grund: Selbst ein Unter­neh­men, das alle öffent­lich bekann­ten Bedin­gun­gen erfüllt, hat kei­nen Anspruch auf Auf­nah­me. Genau die­ser Ermes­sens­spiel­raum des S&P‑Komitees ist sowohl die Chan­ce als auch das Risi­ko der Stra­te­gie. (S&P Glo­bal)

Die Stra­te­gie in einer Zei­le

Fin­de pro­fi­ta­ble, liqui­de und aus­rei­chend gro­ße US-Unter­neh­men außer­halb des S&P 500 → schät­ze ihre Auf­nah­me­wahr­schein­lich­keit → kau­fe einen diver­si­fi­zier­ten Korb der bes­ten Kan­di­da­ten vor der Ent­schei­dung → ver­kau­fe Gewin­ner bei der tat­säch­li­chen Index­auf­nah­me → ent­fer­ne Nicht­auf­ge­nom­me­ne kon­se­quent.

Das Inter­es­san­te dar­an ist, dass wir dar­aus jetzt etwas wesent­lich Kon­kre­te­res machen kön­nen: eine aktu­el­le Watch­list für Sep­tem­ber 2026 mit etwa 10–15 rea­len S&P‑500-Aufnahmekandidaten, Ran­king von 1–100, Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung, Wahr­schein­lich­keit und einer Modell­ge­wich­tung für z. B. 10.000 € oder 50.000 €. Das wäre der nächs­te sinn­vol­le Schritt, weil die Attrak­ti­vi­tät der Stra­te­gie letzt­lich an der Qua­li­tät die­ser Kan­di­da­ten­aus­wahl hängt.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater