1. Der gigantische KI-Boom, Datenzentren-Wachstum und neue M&A‑Dynamiken
- Möglicher NVIDIA-Mega-Deal mit Hugging Face: NVIDIA steht Berichten zufolge kurz vor der Übernahme der beliebten KI-Plattform Hugging Face für rund 14 Milliarden US-Dollar. Der Deal umfasst ein 1‑Milliarde-Dollar-Mitarbeiterbindungspaket, um wichtiges Talent im Unternehmen zu halten. Hugging Face gilt als das „GitHub für KI“ und ist auf Open-Source-Modelle spezialisiert. NVIDIA will sich damit vor einer zu starken Kundenkonzentration schützen und seine Präsenz im Software-Bereich ausbauen, zieht damit jedoch auch die Aufmerksamkeit von Regulierungsbehörden (wie dem DOJ oder der europäischen FTC) auf sich.
- Dells Rekordzahlen und Server-Nachfrage: Dell Technologies verzeichnete einen enormen Kurssprung von über 15 %, nachdem das Unternehmen seine jährliche Umsatzprognose um 25 Milliarden US-Dollar angehoben hat. Der Gesamtjahresumsatz soll damit einen Rekordwert von 192 Milliarden US-Dollar erreichen (eine Steigerung um 14 %). Grund hierfür ist die explodierende Nachfrage nach Servern zur Ausführung von KI-Workloads. Trotz drastisch gestiegener Serverpreise aufgrund von Speicherinflation bleibt die IT-Ausgabe von Unternehmen extrem widerstandsfähig.
- Der bevorstehende Anthropic-Börsengang (IPO): Anthropic bereitet einen gigantischen Börsengang für Ende September oder Anfang Oktober vor. Es wird erwartet, dass das Unternehmen so viel Kapital wie SpaceX bei seiner letzten Finanzierung anstrebt (etwas über 86 Milliarden US-Dollar), wobei Marktberichte sogar von einer Bewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar beim Gang an die öffentliche Börse ausgehen. Der annualisierte Umsatz von Anthropic ist in den letzten sechs Monaten von 10 Milliarden auf 65 Milliarden US-Dollar explodiert und soll bis Jahresende 100 Milliarden US-Dollar überschreiten. Anthropic hat zudem gigantische Verträge abgeschlossen, darunter einen 35-Milliarden-Dollar-Deal mit dem NVIDIA-gestützten Cloud-Anbieter Lambda sowie Verträge mit Scale ($45 Mrd.), Fluids Tech ($50 Mrd.) und SpaceX ($45 Mrd.) zur Anmietung von Rechenzentrumskapazitäten.
- Explodierende Ausgaben für Datenzentren: Laut einer Prognose von PriceWaterhouseCoopers könnten die weltweiten Ausgaben für Datenzentren bis 2050 die astronomische Summe von 31,6 bis 32 Billionen US-Dollar erreichen, wobei die USA voraussichtlich fast die Hälfte dieser Summe auf sich vereinen werden. Auf dem G20-Gipfel in North Carolina, an dem auch Sam Altman (OpenAI), Jensen Huang (NVIDIA) und Alex Karp (Palantir) teilnahmen, betonte US-Handelsminister Howard Lutnick, dass Datenzentren enorme wirtschaftliche Vorteile für lokale Gemeinden bringen und KI als „Bildung in der Flasche“ verstanden werden sollte.
2. Historische Öl- und Energie-Deals in Venezuela
- 7‑Milliarden-Dollar-Investition von Chevron: Chevron hat angekündigt, über drei Joint Ventures in den nächsten fünf Jahren 7 Milliarden US-Dollar in Venezuela zu investieren. Ziel ist es, die Ölproduktion von Chevron in Venezuela, die nach Jahren der Sanktionen auf einem Tiefpunkt von 40.000 Barrel pro Tag lag und derzeit bei 250.000 Barrel liegt, bis 2031 auf über 600.000 Barrel pro Tag mehr als zu verdoppeln. Um sich gegen die Risiken von Verstaatlichungen zu schützen, wurden sehr starke rechtliche Garantien für Streitbeilegungen sowie die Unveränderlichkeit des Steuer- und Lizenzgebührenregimes vereinbart.
- Strategisches Bündnis mit GE Vernova: GE Vernova hat ein strategisches Bündnis geschlossen, um das marode Stromnetz Venezuelas wiederaufzubauen. Das Stromnetz leidet unter schweren Zerfallserscheinungen und regelmäßigen Blackouts, was auch die Ausweitung der Ölproduktion blockiert. Analysten schätzen das Gesamtprojekt auf 25 Milliarden US-Dollar.
- US-Regierungsbeteiligung und Ausschluss Chinas: Die US-Regierung erwirbt über das Verteidigungsministerium eine Beteiligung an dem privaten Unternehmen North American Blue Energy Partners, das eine 100-jährige Lizenz für 17 strategische Ölfelder in Venezuela besitzt. China, dem Venezuela noch erhebliche Altschulden verdankt, wird ausdrücklich keine Ansprüche auf die Produktion oder die Einnahmen aus diesem Deal haben. Trump betonte jedoch, dass Venezuela trotz dieser Fortschritte noch nicht bereit für freie, demokratische Wahlen sei.
3. Militärische Eskalation im Nahen Osten und Irans Wirtschaftskollaps
- Schwere US-Militärschläge gegen den Iran: Die Spannungen im Nahen Osten sind massiv eskaliert. Die USA führten eine schwere Angriffswelle gegen iranische Ziele durch und zerstörten nukleare Ausrüstung, die der Iran entlang der Straße von Hormus aufzubauen versuchte. Präsident Trump betonte, dass die USA bereit seien, „jederzeit wieder“ zuzuschlagen. Der Konflikt, der ursprünglich auf wenige Wochen geschätzt wurde, dauert nun schon über sechs Monate an.
- Ölpreissprung: Infolge der Kämpfe und der gegenseitigen Angriffe stiegen die Ölpreise auf den höchsten Stand seit fünf Wochen; Brent Crude lag zeitweise bei etwa 95 US-Dollar pro Barrel und West Texas Intermediate (WTI) bei rund 90–91 US-Dollar.
- Wirtschaftlicher Kollaps des Iran: Die iranische Währung (Rial) befindet sich im freien Fall. Lag der Wechselkurs im Frühjahr 2025 noch bei 800.000 Rial pro Dollar, hat er mittlerweile die Marke von 2 Millionen Rial pro Dollar durchbrochen. Die US-Wirtschaftssanktionen und die Blockade haben dem Iran den Zugang zu harten Devisen abgeschnitten, sodass die dortige Zentralbank Geld drucken muss, um Regierungsangestellte und Truppen zu bezahlen, während die Inflation außer Kontrolle geraten ist.
- Hormus-Straße bald „wertlos“?: US-Finanzminister Scott Bessent erklärte, die Straße von Hormus werde in zwei Jahren „wertlos“ sein, da alternative Pipelines und Routen durch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ausgebaut werden, was dem Iran jegliches Erpressungspotenzial nehmen soll.
4. US-Wirtschaft: Beige Book und Uber-Massenentlassungen
- Federal Reserve Beige Book: Der aktuelle Bericht der Federal Reserve zeigt ein moderates Wirtschaftswachstum seit Anfang Juli. Die Beschäftigung stieg nur geringfügig an. Während die Verbraucher eine stark ausgeprägte Preissensitivität zeigen, wuchsen die Einzelhandelsausgaben dennoch leicht an, wobei vor allem das Premiumsegment robust blieb. Die Stimmung wird jedoch durch Unsicherheiten bezüglich höherer Energiepreise, politischer Entwicklungen und internationaler Konflikte gedämpft. Ein markanter Punkt im Bericht war die hohe Konzentration von Bauaktivitäten im Bereich von Datenzentren-Projekten.
- Uber entlässt 10 % der Belegschaft: Uber kündigte die Streichung von rund 3.300 Stellen an (ca. 10 % der weltweiten Belegschaft). Davon betroffen sind vor allem 20 % der Führungskräfte sowie Kleinstteams. Ziel dieser Restrukturierung, die jährliche Einsparungen von etwa 2 Milliarden US-Dollar einbringen soll, ist die Reallokation von Kapital in die Kernbereiche Ride-Hailing, Lieferdienste und das zukunftsträchtige Robotaxi-Geschäft.
5. Politische Dynamiken: Vorwahlen und die anstehenden Midterms
- Alter schlägt Jugend in Massachusetts: Bei den demokratischen Vorwahlen in Massachusetts setzten sich etablierte, ältere Amtsinhaber überraschend deutlich durch. Der 80-jährige Senator Ed Markey besiegte seinen jahrzehntelang jüngeren Herausforderer Seth Moulton mit einem Vorsprung von über 30 (bzw. 50) Prozentpunkten. Auch andere Abgeordnete über 70 Jahre konnten ihre Sitze verteidigen, was zeigt, dass Wähler im aktuellen Umfeld vor allem erfahrene „Kämpfer“ bevorzugen.
- Republikanischer Midterm-Parteitag in Dallas: Die Republikaner planen für nächste Woche einen beispiellosen „Midterm-Parteitag“ (midterm convention) in Dallas, um Wahlkampfgelder zu sammeln und das Narrativ zu drehen. Allerdings meiden viele gefährdete Kandidaten in umkämpften Bezirken die Veranstaltung aus Sorge, sich zu eng an den unpopulären Präsidenten Trump zu binden.
- Haushaltsfortführung (Continuing Resolution) gesichert: Dem Repräsentantenhaus gelang es, eine Übergangsfinanzierung (Continuing Resolution) zu verabschieden, die den Regierungsbetrieb bis Dezember sichert und einen Shutdown vorläufig abwendet.
Man beschäftigt sich mit amerikanischer Politik nicht aus Amerika-Faszination, sondern aus deutschem Eigeninteresse.
