Wochenfazit
Die Aktienmärkte starteten schwach in den September. Auslöser waren vor allem die erneuten militärischen Spannungen zwischen den USA und Iran, steigende Ölpreise und damit verbundene Sorgen um Inflation und Anleiherenditen. Der S&P 500 fiel zunächst und testete erneut den unteren Bereich seiner seit Anfang August bestehenden Handelsspanne von ungefähr 7.600–7.800 Punkten, konnte diesen Bereich aber halten. Aussagen von Fed-Vertretern Williams und Waller sorgten im weiteren Wochenverlauf wieder für etwas Unterstützung bei Anleihen und Aktien.
Die wichtigsten US-Indizes:
| Index | 5‑Tage-Entwicklung |
|---|---|
| Nasdaq Composite | +0,40 % |
| Nasdaq 100 | +0,38 % |
| Russell 2000 | +0,11 % |
| S&P 500 | +0,09 % |
| Dow Jones | −0,27 % |
Damit war die Woche unter dem Strich fast seitwärts, allerdings mit einer leichten relativen Stärke der großen Technologieaktien. Der Dow war der schwächste der fünf großen Referenzindizes. Das passt zur Kernaussage des Reports: Mega Caps hielten sich besser, während die Marktbreite schwächer war.
Technologie: Hardware schlägt Software
Innerhalb des Technologiesektors war die Entwicklung sehr uneinheitlich. Einzelne Softwaretitel reagierten stark auf gute Zahlen, aber insgesamt drehte sich die relative Stärke wieder zugunsten der Hardware- und Halbleiterwerte. Der ICE-Semiconductor-Index legte rund 2 % zu, ein DRAM-ETF sogar etwa 7 %, während der IGV-Software-ETF rund 5 % verlor. Gleichzeitig zeigten einzelne Softwareaktien nach Earnings starke Ausschläge.
Das ist für die Marktinterpretation wichtig: Die positive Entwicklung des Nasdaq war kein gleichmäßiger Tech-Rally, sondern wurde von bestimmten Bereichen getragen.
Energie war der klare Gewinner
Der dominierende Makrofaktor der Woche war Öl. Energy war der stärkste Sektor; Rohöl stieg infolge der neuen Spannungen im Nahen Osten kräftig. Brent legte laut Report auf Wochenbasis ungefähr 8–10 % zu und näherte sich wieder der Marke von 100 Dollar je Barrel.
Neben Energy waren Utilities relativ stark. Dagegen gehörten Industrials, Materials, Consumer Discretionary und Real Estate zu den schwächeren Bereichen. Amazon belastete Consumer Discretionary, während unter anderem Lululemon nach enttäuschenden Ergebnissen deutlich einbrach. Auch Lebensmittelunternehmen meldeten schwächere Entwicklungen.
US-Konjunktur: Arbeitsmarkt überraschend stark
Der wichtigste Datenpunkt der Woche war der US-Arbeitsmarktbericht. Die Beschäftigung stieg laut Weekly Recap um 162.000 Stellen, ungefähr dreimal so stark wie vom Konsens erwartet. Zusätzlich wurden die beiden Vormonate nach oben revidiert. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 %, während gleichzeitig die Erwerbsquote stieg.
Das ist geldpolitisch eher ein Argument gegen schnelle Zinssenkungen beziehungsweise für eine restriktivere Fed. Genau das war an den Märkten zu sehen: Nach dem starken Arbeitsmarktbericht stiegen die Renditen zunächst wieder.
Die JOLTS-Daten waren weniger eindeutig. Die Zahl der offenen Stellen lag mit 7,271 Mio. knapp unter den Erwartungen; gleichzeitig gingen Einstellungen zurück.
Inflation bleibt das zentrale Problem
Auch die Einkaufsmanagerindizes zeigen ein gemischtes Bild. Der ISM Manufacturing PMI lag mit 54,6 weiterhin klar im Expansionsbereich, hatte sich aber gegenüber dem Vormonat abgeschwächt. Besonders auffällig sind die Kommentare der Unternehmen zu steigenden Preisen, Lieferengpässen, Energie‑, Stahl- und Arbeitskosten.
Der Dienstleistungs-PMI fiel stärker aus als erwartet. Die Neuaufträge lagen sogar über 60. Gleichzeitig erreichte die Preiskomponente den höchsten Stand seit August 2022.
Das ist wahrscheinlich die wichtigste makroökonomische Aussage des gesamten Reports: Das Wachstum ist noch relativ robust, aber der Inflationsdruck verschwindet nicht.
Zinsen: Fed-Erwartungen werden restriktiver
Die US-Zinskurve wurde steiler. Die 10-jährige Treasury-Rendite stieg im Wochenvergleich um etwa 7 Basispunkte, die 2‑jährige um rund 2 Basispunkte. Die 10-Jährige lag nahe 4,8 %. Nach dem starken Arbeitsmarktbericht stieg die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung auf ungefähr 60 %.
Damit entsteht für Aktien ein Spannungsfeld: solide Wirtschaft und Unternehmensgewinne auf der einen Seite, aber höhere langfristige Renditen und weniger Hoffnung auf geldpolitische Lockerung auf der anderen.
Weltmärkte
Außerhalb der USA war das Bild überwiegend schwächer. Japan verlor rund 2 %, während der Yen gegenüber dem Dollar deutlich aufwertete. China/Hongkong zeigte ein gemischtes Bild; insbesondere chinesische Technologiewerte standen unter Druck, unter anderem wegen hoher KI-Investitionen und Margensorgen. Emerging Markets waren dagegen relativ stark, unterstützt durch den schwächeren Dollar und höhere Ölpreise.
Europa entwickelte sich ebenfalls schwächer. Energie- und Finanzwerte profitierten zwar von höheren Ölpreisen beziehungsweise Renditen, aber steigende Gaspreise und Inflationssignale blieben Belastungsfaktoren. Der DAX verlor etwa ‑1,97 %.
Was daraus für die kommende Woche folgt
Der nächste entscheidende Katalysator ist Inflation. Insbesondere PPI und CPI sind wichtig, weil diese Daten unmittelbar vor der darauffolgenden Fed-Sitzung erscheinen. Waller hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Inflationszahlen seine Entscheidung beeinflussen könnten. Zusätzlich steht die EZB-Entscheidung an, und mehrere große Unternehmen – unter anderem Oracle und Adobe.
Meine komprimierte Interpretation: Die Börse befindet sich weiterhin in einer Konsolidierung, nicht in einem klaren Abwärtstrend. Die großen US-Indizes bewegten sich auf 5‑Tage-Sicht nur wenig; Technologie zeigte relative Stärke, während die Marktbreite schwächer war. Gleichzeitig verschiebt sich das Makrorisiko: Nicht eine schwache Konjunktur ist momentan das Hauptproblem, sondern die Kombination aus robustem Wachstum + starkem Arbeitsmarkt + Ölpreisanstieg + hartnäckigem Preisdruck. Das erhöht das Risiko länger hoher beziehungsweise nochmals steigender Zinsen.
Für die kurzfristige Marktbeurteilung würde ich daher vor allem drei Variablen beobachten: US-Inflationsdaten, die 10-jährige Treasury-Rendite und den Ölpreis. Solange der S&P seine Zone um 7.600 verteidigt, bleibt die Konsolidierungsstruktur grundsätzlich intakt; ein nachhaltiger Ausbruch über etwa 7.800 wäre dagegen ein positives technisches Signal.
Disclaimer: Dieser Bericht dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Gewähr übernommen.
