Ame­ri­kas Schul­den­pro­blem lässt sich nicht ein­fach durch Wachs­tum lösen

Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten ste­hen vor einem zuneh­mend schwie­ri­gen finanz­po­li­ti­schen Pro­blem. Die Staats­ver­schul­dung hat die Mar­ke von rund 40 Bil­lio­nen US-Dol­lar erreicht, wäh­rend gleich­zei­tig hohe Zin­sen, anhal­ten­de Haus­halts­de­fi­zi­te und wie­der zuneh­men­de Infla­ti­ons­ri­si­ken den finan­zi­el­len Spiel­raum des Staa­tes ein­engen. Die Vor­stel­lung, dass sich die­ses Pro­blem im Wesent­li­chen durch stär­ke­res Wirt­schafts­wachs­tum ent­schär­fen lässt, klingt zunächst plau­si­bel. Je stär­ker eine Volks­wirt­schaft wächst, des­to klei­ner wird die bestehen­de Schul­den­last im Ver­hält­nis zur gesam­ten Wirt­schafts­leis­tung. Doch genau hier liegt das Pro­blem: Die dafür nöti­gen Wachs­tums­ra­ten wären außer­ge­wöhn­lich hoch und müss­ten über vie­le Jah­re hin­weg durch­ge­hal­ten wer­den.

Für die Trag­fä­hig­keit staat­li­cher Schul­den ist vor allem das Ver­hält­nis zwi­schen Wirt­schafts­wachs­tum und Zins­kos­ten ent­schei­dend. Solan­ge die Wirt­schaft schnel­ler wächst als die Ver­zin­sung der Staats­schul­den, lässt sich eine hohe Ver­schul­dung ver­gleichs­wei­se leich­ter tra­gen. Der­zeit ist die Lage jedoch umge­kehrt. Die lang­fris­ti­gen Zin­sen bewe­gen sich um etwa fünf Pro­zent, wäh­rend das Wirt­schafts­wachs­tum bei unge­fähr zwei Pro­zent liegt. Damit wächst die Zins­last schnel­ler als die wirt­schaft­li­che Basis, aus der sie finan­ziert wer­den muss. Zusätz­lich belas­tet ein erheb­li­ches Pri­mär­de­fi­zit den Haus­halt. Die­ses Defi­zit, also die Dif­fe­renz zwi­schen staat­li­chen Ein­nah­men und Aus­ga­ben ohne Berück­sich­ti­gung der Zins­zah­lun­gen, liegt bei etwa drei Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts und damit deut­lich über einem Niveau, das mit lang­fris­tig sta­bi­len Staats­fi­nan­zen ver­ein­bar wäre.

Um die Schul­den­ent­wick­lung allein über Wachs­tum zu sta­bi­li­sie­ren, müss­te die ame­ri­ka­ni­sche Wirt­schaft deut­lich schnel­ler expan­die­ren als der­zeit. Für eine rasche Ver­bes­se­rung wären Wachs­tums­ra­ten von etwa sechs Pro­zent pro Jahr erfor­der­lich. Selbst bei einem län­ge­ren Zeit­ho­ri­zont von zehn Jah­ren wären dau­er­haft drei bis vier Pro­zent Wachs­tum not­wen­dig. Sol­che Wer­te lie­gen deut­lich über der aktu­el­len Dyna­mik. Zuletzt wuchs die US-Wirt­schaft mit annua­li­sier­ten Raten von 2,1 bezie­hungs­wei­se 1,5 Pro­zent. Ein län­ger anhal­ten­des Wachs­tum in der erfor­der­li­chen Grö­ßen­ord­nung gab es zuletzt in den 1990er-Jah­ren, als die Ver­ei­nig­ten Staa­ten zugleich einen Haus­halts­über­schuss erziel­ten.

Hin­zu kommt, dass star­kes Wachs­tum nicht auto­ma­tisch eine schul­den­po­li­ti­sche Lösung dar­stellt. Eine über­hit­zen­de Wirt­schaft könn­te die Infla­ti­on deut­lich anhei­zen. Stei­gen­de Prei­se wür­den wie­der­um die Noten­bank unter Druck set­zen, die Zin­sen anzu­he­ben. Höhe­re Zin­sen ver­teu­ern jedoch die Finan­zie­rung der Staats­schul­den und brem­sen zugleich Inves­ti­tio­nen, Kon­sum und damit das Wachs­tum selbst. Ein Teil des posi­ti­ven Effekts wür­de sich also unmit­tel­bar wie­der auf­he­ben. Gleich­zei­tig wäre ein erfolg­rei­cher Wachs­tums­kurs nur dann aus­rei­chend, wenn die Ver­ei­nig­ten Staa­ten auf neue gro­ße Defi­zi­te ver­zich­ten wür­den. Solan­ge zusätz­li­che Aus­ga­ben­pro­gram­me, wirt­schaft­li­che Schocks oder kost­spie­li­ge außen­po­li­ti­sche Belas­tun­gen die Ver­schul­dung wei­ter erhö­hen, wird selbst kräf­ti­ges Wachs­tum nicht aus­rei­chen, um die Schul­den­quo­te nach­hal­tig zu sen­ken.

Ein mög­li­cher Weg zu höhe­rem lang­fris­ti­gem Wachs­tum wäre eine deut­lich höhe­re Zuwan­de­rung, da zusätz­li­che Arbeits­kräf­te das Pro­duk­ti­ons­po­ten­zi­al der Wirt­schaft erwei­tern könn­ten. Dafür wären jedoch poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen nötig, die der­zeit nur schwer durch­setz­bar erschei­nen. Ohne struk­tu­rel­le Refor­men bei Ein­wan­de­rung, Aus­ga­ben und Ein­nah­men bleibt die Vor­stel­lung eines rein wachs­tums­ge­trie­be­nen Aus­wegs des­halb wenig rea­lis­tisch.

Die Finanz­märk­te reagie­ren bereits auf die­se Unsi­cher­heit. Inves­to­ren ver­lan­gen höhe­re Ren­di­ten für ame­ri­ka­ni­sche Staats­an­lei­hen, weil sie sowohl mit einer höhe­ren Infla­ti­on als auch mit einem wei­ter wach­sen­den Ange­bot an neu­en Schuld­ti­teln rech­nen. Stei­gen­de Ren­di­ten erhö­hen nicht nur die Finan­zie­rungs­kos­ten des Staa­tes, son­dern wir­ken sich auch auf ande­re Berei­che der Wirt­schaft aus. Hypo­the­ken, Auto­kre­di­te und Unter­neh­mens­fi­nan­zie­run­gen wer­den teu­rer, wodurch der wirt­schaft­li­che Spiel­raum zusätz­lich ein­ge­schränkt wird.

Damit wird deut­lich, dass Wachs­tum zwar ein wich­ti­ger Bestand­teil einer trag­fä­hi­gen Schul­den­stra­te­gie sein kann, aber kei­ne allei­ni­ge Lösung dar­stellt. Ent­schei­dend ist viel­mehr eine Kom­bi­na­ti­on aus höhe­rem Wachs­tum, gerin­ge­ren struk­tu­rel­len Defi­zi­ten, kon­trol­lier­ten Staats­aus­ga­ben und aus­rei­chen­den Ein­nah­men. Solan­ge neue Schul­den schnel­ler hin­zu­kom­men, als die Wirt­schaft ihre Trag­fä­hig­keit erhöht, bleibt der finanz­po­li­ti­sche Druck bestehen. Die eigent­li­che Her­aus­for­de­rung liegt des­halb weni­ger in der Fra­ge, ob die ame­ri­ka­ni­sche Wirt­schaft wach­sen kann, son­dern dar­in, ob die Poli­tik bereit ist, die struk­tu­rel­len Ursa­chen der Ver­schul­dung anzu­ge­hen.


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