Aus­wir­kun­gen des Gemein­sa­men Euro­päi­schen Asyl­sys­tem

Aus­wir­kun­gen des Gemein­sa­men Euro­päi­schen Asyl­sys­tems in Bezug auf die Asyl­pra­xis des Bun­des­amts für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge – Siche­re Her­kunfts­staa­ten, beschleu­nig­te Ver­fah­ren, Asyl­ver­fah­rens­be­ra­tung

Kern­in­halt der Druck­sa­che 21/7993

Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung (10.09.2026) auf eine Klei­ne Anfra­ge zur Umset­zung des Gemein­sa­men Euro­päi­schen Asyl­sys­tems (GEAS) und des­sen Aus­wir­kun­gen auf die Pra­xis des BAMF.

1. Anwen­dung der neu­en EU‑Anerkennungsverordnung (2024/1347)

  • Die Ver­ord­nung gilt direkt auch für lau­fen­de Ver­fah­ren seit 12. Juni 2026.
  • Deutsch­land hat­te dies zunächst falsch umge­setzt (§ 87e AsylG).
  • Feh­ler wur­de spä­ter kor­ri­giert, aber erst zum 1. Okto­ber 2026 wirk­sam.
  • BAMF wen­det die EU‑Regeln bereits vor­her an, wenn sie für Betrof­fe­ne güns­ti­ger sind.
  • Anpas­sun­gen im BAMF (Dienst­an­wei­sun­gen, elek­tro­ni­sche Akten) benö­ti­gen Zeit → daher spä­te­re natio­na­le Inkraft­set­zung.

2. Neue Ein­stu­fung siche­rer Her­kunfts­staa­ten

EU‑Ebene (seit 2026):

Ban­gla­desch, Kolum­bi­en, Koso­vo, Ägyp­ten, Indi­en, Marok­ko, Tune­si­en; Bei­tritts­kan­di­da­ten gel­ten grund­sätz­lich als sicher (Aus­nah­me: Ukrai­ne wegen Krieg).

Kri­tik­punk­te:

  • Tür­kei gilt als sicher, obwohl mas­si­ve Men­schen­rechts­pro­ble­me bestehen.
  • Kon­zept „siche­rer Her­kunfts­staat“ wird als poli­tisch moti­viert kri­ti­siert.

Natio­na­le Ebe­ne:

  • Seit 2025/26 kann die Bun­des­re­gie­rung Her­kunfts­staa­ten per Ver­ord­nung bestim­men → Kri­tik wegen Umge­hung des Bun­des­rats.

3. Beschleu­nig­te Asyl­ver­fah­ren nach Art. 42 AsylVerf‑VO

Vor­aus­set­zun­gen:

  • Her­kunfts­staat mit EU‑weiter Schutz­quo­te ≤ 20 %
  • Siche­re Her­kunfts­staa­ten
  • Wei­te­re Kri­te­ri­en nach Art. 42

Ablauf:

  • Bear­bei­tungs­frist: max. 3 Mona­te, nicht ver­län­ger­bar.
  • Kei­ne auto­ma­ti­sche auf­schie­ben­de Wir­kung von Rechts­mit­teln.
  • Kür­ze­re Aus­rei­se­fris­ten (1 Woche).
  • Wenn Sach­la­ge kom­plex → Wech­sel ins regu­lä­re Ver­fah­ren.

Anwen­dung:

  • Beschleu­nig­te Ver­fah­ren fin­den an allen BAMF‑Standorten statt.

4. Schutz­quo­ten & Sta­tis­tik (1. Halb­jahr 2026)

Län­der mit <20 % Schutz­quo­te (Aus­wahl):

  • Tür­kei
  • Irak
  • Russ­land
  • Viet­nam
  • Geor­gi­en
  • Alge­ri­en
  • Mol­dau
  • Nige­ria
  • Paki­stan
  • Ägyp­ten → Details mit Zah­len im Doku­ment.

Län­der, die nur wegen Nicht­be­rück­sich­ti­gung natio­na­ler Abschie­bungs­ver­bo­te <20 % haben:

  • Syri­en
  • Irak

Län­der mit >20 % Schutz­quo­te:

Vor allem Afgha­ni­stan, Eri­trea, Soma­lia, Sudan, Myan­mar u. a.

5. Prü­fung von Aus­nah­men für bestimm­te Per­so­nen­grup­pen

  • BAMF kann Grup­pen aus­neh­men, wenn die 20‑%-Quote nicht reprä­sen­ta­tiv ist.
  • Bei­spie­le (inhalt­lich, aber nicht öffent­lich genannt):
    • LGBTIQ‑Personen
    • Frau­en
    • Reli­giö­se Min­der­hei­ten (z. B. Ahma­di­y­ya aus Paki­stan)
  • BAMF‑Leitsätze hier­zu sind VS‑NfD (nicht öffent­lich).
  • Kei­ne sta­tis­ti­sche Erfas­sung von LGBTIQ‑Personen → erschwert dif­fe­ren­zier­te Prü­fung.

6. Beschäf­ti­gungs­ver­bo­te

  • Asyl­su­chen­de aus siche­ren Her­kunfts­staa­ten unter­lie­gen Beschäf­ti­gungs­ver­bo­ten, wenn ein beschleu­nig­tes Ver­fah­ren ange­wen­det wird.
  • Gedul­de­te aus siche­ren Her­kunfts­staa­ten dür­fen grund­sätz­lich nicht arbei­ten, wenn ihr Asyl­an­trag nach 2015 abge­lehnt wur­de.
  • Ände­run­gen durch neue Geset­ze (Vater­schafts­an­er­ken­nun­gen / MDWG) tra­ten am 29. Juli 2026 in Kraft.

7. Zah­len zu beschleu­nig­ten Ver­fah­ren (12. Juni – 31. Juli 2026)

  • 2.093 beschleu­nig­te Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet
  • 1.561 regu­lä­re Ver­fah­ren
  • Ent­schei­dun­gen:
    • 484 beschleu­nig­te Ver­fah­ren
    • 106 regu­lä­re Ver­fah­ren
    • In beschleu­nig­ten Ver­fah­ren: sehr hoher Anteil an Ableh­nun­gen (268 Ableh­nun­gen)

8. Bewer­tung der Bun­des­re­gie­rung

  • Sie sieht kei­ne Unver­ständ­lich­keit der Rechts­la­ge.
  • Sie sieht kei­ne Ver­län­ge­rung der Ver­fah­ren durch die par­al­le­len Lis­ten.
  • Sie ver­weist auf lau­fen­de Abstim­mun­gen mit EU und Län­dern.

9. Lis­ten siche­rer Her­kunfts­staa­ten (Über­blick)

EU‑Liste (Art. 62 AsylVerf‑VO):

Ägyp­ten, Ban­gla­desch, Indi­en, Kolum­bi­en, Koso­vo, Marok­ko, Tune­si­en

  • Bei­tritts­kan­di­da­ten (u. a. Tür­kei, Mol­dau, Ser­bi­en, Alba­ni­en …)

Natio­na­le Ver­ord­nung (§ 29b AsylG):

Gha­na, Sene­gal

Natio­na­le Lis­te für Asyl­be­rech­ti­gung (§ 29a AsylG):

Alba­ni­en, Bosnien‑Herzegowina, Geor­gi­en, Gha­na, Koso­vo, Mol­dau, Mon­te­ne­gro, Nord­ma­ze­do­ni­en, Sene­gal, Ser­bi­en

10. Wei­te­re offe­ne Punk­te

  • Unklar­hei­ten bei EU‑Berechnung der 20‑%-Quote
  • Kei­ne Daten zu Unter­schie­den zwi­schen erst­in­stanz­li­chen und end­gül­ti­gen Ent­schei­dun­gen für bestimm­te Grup­pen (Auf­wand zu hoch)
  • Kei­ne sta­tis­ti­sche Erfas­sung vul­nerabler Grup­pen → erschwert Aus­nah­men

Quel­le: Bun­des­tags­druck­sa­che 21/7993

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