Ergänzende Informationen zur Asylstatistik für das erste Halbjahr 2026
Gesamtüberblick
Die Bundesregierung beantwortet eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zu ergänzenden Informationen über die Asylstatistik im ersten Halbjahr 2026. Das Dokument liefert umfangreiche Daten zu Schutzquoten, Herkunftsländern, Entscheidungsarten, Familienasyl, Einreisewegen, Altersstruktur, gerichtlichen Korrekturen und internen BAMF‑Analysen.
1. Schutzquoten & Trends
Gesamtschutzquote BAMF (1. Halbjahr 2026)
- 38,7 % (alle Schutzformen zusammen)
- Bereinigte Schutzquote (nur inhaltliche Entscheidungen): 47,4 %
Herkunftsländer mit besonders hohen Schutzquoten
- Afghanistan: 79,3 % (bereinigt 89,3 %)
- Eritrea: 82,6 % (bereinigt 90,6 %)
- Somalia: 62,6 % (bereinigt 82,0 %)
Länder mit niedrigen Schutzquoten
- Algerien, Marokko, Tunesien, Indien, Georgien, Vietnam – meist unter 5 %.
Entwicklung der Schutzquoten (2022–2026)
- Starker Rückgang seit 2022.
- Besonders deutlicher Einbruch 2025 wegen Entscheidungsstopp für syrische Asylsuchende.
2. Gerichtliche Korrekturen & Erfolgsquoten
- 2025: 35.479 ursprünglich abgelehnte Personen erhielten später doch Schutz.
- Bereinigte Erfolgsquote vor Gericht 2025: 14,8 % (2022: 36,5 %).
- Iranische Geflüchtete hatten 2025 überdurchschnittlich hohe Erfolgsquoten (40,3 %).
3. Altersstruktur & Geschlecht
- 44,9 % aller Asylsuchenden 2025 waren Kinder und Jugendliche.
- 4,4 % unbegleitete Minderjährige.
- 2026: 6.962 Asylanträge betrafen in Deutschland geborene Kinder unter 1 Jahr.
4. Einreisewege & Identitätsdokumente
Einreise
- Rund 40 % der Asylsuchenden 2025 nicht unerlaubt eingereist:
- 15,6 % in Deutschland geboren
- 15,6 % mit Visum
- 8,4 % aus visumfreien Ländern
Identitätsdokumente
- 65,4 % hatten 2025 keine anerkannten Identitätsnachweise.
- Schutzquote ohne Papiere höher als im Durchschnitt.
5. Handyauswertungen
- 2025 nur 576 Datenträger ausgelesen.
- Nur 324 Berichte ausgewertet.
- Sehr geringe Trefferquote für falsche Angaben (2023: 28 Fälle bei 12.556 Auslesungen).
6. Familienschutz
- Familienasyl und Familienflüchtlingsschutz spielen eine große Rolle:
- 18.720 Fälle Familienflüchtlingsschutz (1. Halbjahr 2026)
- 1.681 Fälle subsidiärer Familienschutz
- Anteil des Familienschutzes am Gesamtschutz 2026: 45,6 %.
7. BAMF‑interne Analysen zu Schutzquoten
- BAMF untersucht regelmäßig Abweichungen lokaler Schutzquoten.
- Hauptgründe laut BAMF:
- unterschiedliche Verteilung vulnerabler Gruppen
- Mehrpersonenakten
- geringe Fallzahlen pro Außenstelle
- regionale Besonderheiten der Herkunftsländer
- Abweichungen wurden als plausibel bewertet.
8. Einzelfragen zu Herkunftsländern
Für Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Eritrea, Somalia, Nigeria, Pakistan, Russland und Türkei werden detaillierte Tabellen zu:
- Schutzquoten
- materiellen Entscheidungen
- Abweichungen je BAMF‑Außenstelle
- kurdischer vs. türkischer Volkszugehörigkeit
9. Subsidiärer Schutz
Aufgeschlüsselt nach:
- §4 Abs. 1 Nr. 1 AsylG (Todesstrafe)
- Nr. 2 (Folter, unmenschliche Behandlung)
- Nr. 3 (ernsthafte individuelle Bedrohung)
- Familienschutz
🧩 10. Weitere Punkte
- Nur sehr wenige Strafanzeigen nach §85 Abs. 2 AsylG (unrichtige Angaben).
- GEAS‑Reform ab 12. Juni 2026 teilweise berücksichtigt.
- Keine Prognose zur künftigen Schutzquotenentwicklung möglich.
Quelle: Bundestagsdrucksache 21/7969