Fol­gen einer mög­li­chen Abschaf­fung der Mini­jobs

Fol­gen einer mög­li­chen Abschaf­fung der Mini­jobs für den Arbeits­markt und die Betrof­fe­nen

Wor­um es geht

Die Bun­des­re­gie­rung beant­wor­tet eine Klei­ne Anfra­ge der AfD-Frak­ti­on zu den Fol­gen einer mög­li­chen Abschaf­fung der Mini­jobs und deren Inte­gra­ti­on in regu­lä­re sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung.

Zen­tra­le Inhal­te & Aus­sa­gen

1. Hin­ter­grund

  • Die Alters­si­che­rungs­kom­mis­si­on emp­fiehlt, Mini­jobs voll­stän­dig in die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung ein­zu­be­zie­hen und ihren Son­der­sta­tus abzu­schaf­fen.
  • Rund 6,8 Mio. Mini­jobs exis­tie­ren (v. a. Han­del & Gas­tro­no­mie).
  • Vie­le Mini­job­ber sind:
    • 4,7 Mio. sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­te mit Neben­job
    • 900.000 Rent­ner
    • vie­le Stu­die­ren­de

2. Daten­la­ge zu Beschäf­tig­ten mit Mini­job

  • 3,6 Mio. sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­te haben zusätz­lich einen Mini­job.
  • Kei­ne Daten zur Wochen­ar­beits­zeit die­ser Haupt­tä­tig­kei­ten.
  • Mikro­zen­sus lie­fert gro­be Ver­tei­lung der Arbeits­zei­ten, aber Mini­jobs sind dort unte­r­er­fasst.

3. Ein­kom­men der Beschäf­tig­ten mit Mini­job

Brut­to­löh­ne der Haupt­tä­tig­keit (ohne Mini­job-Ein­kom­men):

  • bis 1.500 €: 38.000 Per­so­nen
  • bis 2.500 €: 207.000
  • bis 3.500 €: 758.000
  • bis 4.500 €: 1,316 Mio.
  • bis 5.500 €: 1,635 Mio.
  • über 5.500 €: 290.000

4. Recht­li­che & finan­zi­el­le Fol­gen für Arbeit­ge­ber

  • Arbeit­ge­ber zah­len bei Mini­jobs 28 % pau­scha­le Abga­ben → höher als regu­lä­re Arbeit­ge­ber­an­tei­le (2026: ca. 21,2 %).
  • Abschaf­fung des Son­der­sta­tus wür­de Arbeit­ge­ber finan­zi­ell ent­las­ten.

5. Net­to­ef­fek­te für Beschäf­tig­te

  • Bun­des­re­gie­rung hat kei­ne Berech­nun­gen zu Net­to­ver­än­de­run­gen.
  • Grund­sätz­lich: Net­to sinkt bei glei­chem Brut­to, da vol­le Sozi­al­bei­trä­ge fäl­lig wer­den.
  • Gleich­zei­tig ent­ste­hen Ren­ten­an­sprü­che und ande­re Sozi­al­ver­si­che­rungs­leis­tun­gen.

6. Arbeits­markt­fol­gen

Die Bun­des­re­gie­rung hat kei­ne belast­ba­ren Schät­zun­gen zu:

  • Kün­di­gun­gen von Mini­jobs
  • Über­gang in Steu­er­klas­sen
  • neu ent­ste­hen­den Teil­zeit- oder Voll­zeit­stel­len
  • Arbeits­vo­lu­men der Mini­job­ber

Begrün­dung: Ver­hal­ten von Arbeit­ge­bern und Beschäf­tig­ten ist nicht seri­ös pro­gnos­ti­zier­bar.

7. Sozi­al­öko­no­mi­sche Fol­gen für bestimm­te Grup­pen

Kei­ne kon­kre­ten Zah­len, aber Hin­wei­se:

  • Beschäf­tig­te wür­den Bei­trä­ge zah­len → Net­to sinkt.
  • Gleich­zei­tig bes­se­re Absi­che­rung (Ren­te, Sozi­al­ver­si­che­rung).
  • Aus­wir­kun­gen vari­ie­ren stark je nach indi­vi­du­el­ler Situa­ti­on.

8. Aus­wir­kun­gen auf Staats­ein­nah­men & Sozi­al­ver­si­che­run­gen

  • Kei­ne Schät­zun­gen zu:
    • Lohn­steu­er­auf­kom­men
    • Kranken‑, Pflege‑, Ren­ten- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung

9. Lohn­stück­kos­ten

  • Effekt unklar, da sowohl Löh­ne als auch Pro­duk­ti­vi­tät betrof­fen sein könn­ten.
  • Arbeit­ge­ber­bei­trä­ge wür­den sin­ken.

10. Risi­ko von Aus­weich­re­ak­tio­nen (Schwarz­ar­beit etc.)

  • Kei­ne Erkennt­nis­se.

11. Bewer­tung für Rent­ner

  • Grund­sätz­lich posi­tiv: mehr Per­so­nen wären sozi­al­ver­si­chert.
  • Aktiv­ren­te ermög­licht steu­er­frei­en Hin­zu­ver­dienst bis 2.000 €/Monat.
  • Kon­kre­te Bewer­tung erst nach Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren mög­lich.

Kern­bot­schaft der Bun­des­re­gie­rung

Die Abschaf­fung des Mini­job-Son­der­sta­tus hät­te kom­ple­xe, schwer pro­gnos­ti­zier­ba­re Aus­wir­kun­gen. Vie­le Daten lie­gen nicht vor, und die Effek­te hän­gen stark von Ver­hal­tens­än­de­run­gen ab. Arbeit­ge­ber wür­den ten­den­zi­ell ent­las­tet, Beschäf­tig­te hät­ten höhe­re Abga­ben, aber bes­se­re Absi­che­rung.


Quel­le: Bun­des­tags-Druck­sa­che 21/7990

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