Res­ho­ring in die USA

Die von Donald Trump for­cier­te Rück­ver­la­ge­rung der Pro­duk­ti­on (Res­ho­ring) in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten ist ein kom­ple­xes The­ma, das weit über ein­fa­che Ant­wor­ten hin­aus­geht. Es erfor­dert eine tief­ge­hen­de Ana­ly­se ver­schie­de­ner Fak­to­ren, um die Erfolgs­aus­sich­ten und poten­zi­el­len Aus­wir­kun­gen zu bewer­ten.

Aus mikro­öko­no­mi­scher Per­spek­ti­ve, also auf Unter­neh­mens­ebe­ne, ist die Ent­schei­dung für oder gegen Res­ho­ring eine Fra­ge der Kos­ten-Nut­zen-Ana­ly­se. Die Gesamt­kos­ten der Pro­duk­ti­on (Total Cost of Owner­ship, TCO) sind ent­schei­dend, nicht nur die direk­ten Arbeits­kos­ten. Die­se Gesamt­kos­ten umfas­sen direk­te Arbeits­kos­ten, die in den USA im Ver­gleich zu vie­len Schwel­len­län­dern wie Chi­na oder Viet­nam höher sind, sowie indi­rek­te Arbeits­kos­ten wie Sozi­al­leis­tun­gen, Aus­bil­dungs­kos­ten und die Ein­hal­tung von Arbeits­vor­schrif­ten. Logis­tik­kos­ten, ein­schließ­lich Trans­port, Lage­rung und Zöl­le, kön­nen bei Pro­duk­ti­on im Aus­land erheb­lich sein, wäh­rend die Nähe zum Absatz­markt die­se Kos­ten sen­ken kann. Höhe­re Löh­ne in den USA kön­nen jedoch mit höhe­rer Pro­duk­ti­vi­tät und Qua­li­tät ein­her­ge­hen, was eben­falls berück­sich­tigt wer­den muss. Risi­ko­kos­ten wie Lie­fer­ket­ten­un­ter­bre­chun­gen, poli­ti­sche Insta­bi­li­tät, Wäh­rungs­schwan­kun­gen und der Schutz geis­ti­gen Eigen­tums sind bei Pro­duk­ti­on im Aus­land oft höher. Tech­no­lo­gi­sche Fort­schrit­te wie Auto­ma­ti­sie­rung, Robo­tik und Indus­trie 4.0 kön­nen die Bedeu­tung der Arbeits­kos­ten rela­ti­vie­ren, da weni­ger Arbeits­kräf­te benö­tigt wer­den.

Stra­te­gi­sche Über­le­gun­gen spie­len eben­falls eine Rol­le. Die Nähe zum Kun­den kann schnel­le­re Reak­ti­ons­zei­ten, kür­ze­re Lie­fer­zei­ten und bes­se­ren Kun­den­ser­vice ermög­li­chen. Der Schutz geis­ti­gen Eigen­tums ist in den USA oft bes­ser gewähr­leis­tet als in ande­ren Län­dern, und das Label “Made in USA” kann ein Ver­kaufs­ar­gu­ment sein, das das Mar­ken­image stärkt. Die COVID-19-Pan­de­mie hat die Anfäl­lig­keit glo­ba­ler Lie­fer­ket­ten gezeigt, und Res­ho­ring kann die Resi­li­enz der Lie­fer­ket­te erhö­hen.

Aus makro­öko­no­mi­scher Per­spek­ti­ve, also auf gesamt­wirt­schaft­li­cher Ebe­ne, kann Res­ho­ring zu neu­en Arbeits­plät­zen im ver­ar­bei­ten­den Gewer­be füh­ren, aber der Effekt wird oft über­schätzt. Auto­ma­ti­sie­rung und Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­run­gen begren­zen den Beschäf­ti­gungs­zu­wachs, und die USA müs­sen die nöti­gen Fach­kräf­te in aus­rei­chen­der Zahl haben. Ein stär­ke­res ver­ar­bei­ten­des Gewer­be kann das Wirt­schafts­wachs­tum ankur­beln, aber der Dienst­leis­tungs­sek­tor bleibt der domi­nan­te Wirt­schafts­zweig in den USA. Res­ho­ring könn­te das Han­dels­de­fi­zit der USA ver­rin­gern, aber dies hängt von vie­len Fak­to­ren ab, ein­schließ­lich der Wett­be­werbs­fä­hig­keit der US-Pro­duk­te und der Wech­sel­kur­se. Ein stär­ke­res ver­ar­bei­ten­des Gewer­be kann Inno­va­tio­nen för­dern, da Pro­duk­ti­on und For­schung oft eng mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Eine zu star­ke Fokus­sie­rung auf Res­ho­ring und Pro­tek­tio­nis­mus kann jedoch zu Han­dels­kon­flik­ten und glo­ba­ler Insta­bi­li­tät füh­ren, was letzt­lich auch den USA scha­den kann.

Trumps Poli­tik zur För­de­rung des Res­ho­rings umfasst meh­re­re Maß­nah­men, die kri­tisch bewer­tet wer­den müs­sen. Zöl­le kön­nen kurz­fris­tig US-Pro­du­zen­ten vor aus­län­di­scher Kon­kur­renz schüt­zen und Anrei­ze für Res­ho­ring schaf­fen, aber lang­fris­tig kön­nen sie zu höhe­ren Prei­sen für Ver­brau­cher, Ver­gel­tungs­maß­nah­men, Inef­fi­zi­en­zen und einem Ver­lust der Wett­be­werbs­fä­hig­keit füh­ren. Steu­er­sen­kun­gen kön­nen die Ren­ta­bi­li­tät von Unter­neh­men in den USA erhö­hen und Inves­ti­tio­nen för­dern, aber lang­fris­tig kön­nen sie zu höhe­ren Staats­schul­den füh­ren und die Ungleich­heit ver­stär­ken, ohne nach­hal­ti­ges Wachs­tum zu gewähr­leis­ten. Dere­gu­lie­rung kann die Kos­ten für Unter­neh­men sen­ken, aber lang­fris­tig nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf Umwelt, Arbeits­schutz und sozia­le Stan­dards haben und eine “Race to the Bottom”-Dynamik aus­lö­sen. Die Neu­ver­hand­lung bestehen­der Han­dels­ab­kom­men könn­te die hei­mi­sche Indus­trie schüt­zen und Res­ho­ring för­dern, aber auch Han­dels­krie­ge aus­lö­sen, die dem Stand­ort USA scha­den kön­nen.

Zusätz­li­che Über­le­gun­gen von Exper­ten beto­nen bran­chen­spe­zi­fi­sche Unter­schie­de. Eini­ge Bran­chen wie Hoch­tech­no­lo­gie und Spe­zi­al­ma­schi­nen sind eher für Res­ho­ring geeig­net als ande­re wie Tex­ti­li­en oder ein­fa­che Kon­sum­gü­ter. Regio­na­le Unter­schie­de inner­halb der USA in Bezug auf Lohn­kos­ten, Infra­struk­tur und Ver­füg­bar­keit von Fach­kräf­ten beein­flus­sen eben­falls die Aus­wir­kun­gen von Res­ho­ring. Es besteht eine Qua­li­fi­ka­ti­ons­lü­cke zwi­schen den Anfor­de­run­gen der moder­nen Pro­duk­ti­on und den Qua­li­fi­ka­tio­nen vie­ler US-Arbeits­kräf­te, wes­halb Inves­ti­tio­nen in Aus- und Wei­ter­bil­dung ent­schei­dend sind. Res­ho­ring ist kein kurz­fris­ti­ges Pro­jekt, son­dern erfor­dert lang­fris­ti­ge Stra­te­gien, Inves­ti­tio­nen und eine enge Zusam­men­ar­beit zwi­schen Unter­neh­men, Regie­rung und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen.

Res­ho­ring ist ein viel­schich­ti­ges Phä­no­men mit Poten­zi­al, aber auch erheb­li­chen Risi­ken. Eine undif­fe­ren­zier­te Anwen­dung von Zöl­len und Steu­er­sen­kun­gen, wie von Trump vor­ge­schla­gen, ist wahr­schein­lich nicht der opti­ma­le Weg. Eine erfolg­rei­che Res­ho­ring-Stra­te­gie erfor­dert einen ganz­heit­li­chen Ansatz, der mikro- und makro­öko­no­mi­sche Fak­to­ren, bran­chen­spe­zi­fi­sche Beson­der­hei­ten und die Not­wen­dig­keit von Inves­ti­tio­nen in Bil­dung und Inno­va­ti­on berück­sich­tigt. Es ist ein lang­fris­ti­ger Pro­zess, der eine sorg­fäl­ti­ge Abwä­gung von Kos­ten, Nut­zen und Risi­ken erfor­dert.


Wenn Län­der wie die USA, Groß­bri­tan­ni­en und nun auch Deutsch­land den Pfad der Deindus­tria­li­sie­rung ihrer Volks­wirt­schaf­ten ein­schla­gen, stellt sich die Fra­ge, wie kon­se­quent sie die­sen Weg wei­ter­ver­fol­gen soll­ten. Ins­be­son­de­re die Situa­ti­on in Deutsch­land wirft kri­ti­sche Fra­gen auf, da es bis­lang kein erkenn­ba­res Kon­zept für die Zeit nach der Deindus­tria­li­sie­rung gibt. Eine mög­li­che Grü­nen-Visi­on, die in eini­gen Dis­kus­sio­nen auf­scheint, sieht vor, einen Groß­teil der Bevöl­ke­rung in die Land­wirt­schaft zu inte­grie­ren – eine Vor­stel­lung, die ange­sichts von 84 Mil­lio­nen Ein­woh­nern prak­tisch kaum rea­li­sier­bar erscheint.

Die Grü­nen-Idee einer klein­tei­li­gen, ein­zel­bäu­er­li­chen Land­wirt­schaft, in der Men­schen als Tage­löh­ner auf Fel­dern arbei­ten sol­len, wirkt wie ein Rück­griff auf ver­gan­ge­ne Wirt­schafts­for­men und offen­bart die Wider­sprü­che sol­cher Plä­ne. Zynisch lie­ße sich anmer­ken, dass zumin­dest die Migra­ti­ons­fra­ge auf die­se Wei­se „gelöst“ wür­de – doch eine der­art roman­ti­sier­te und zugleich rea­li­täts­fer­ne Stra­te­gie wäre weder sozi­al noch öko­no­misch trag­fä­hig. Herr Mor­genthau lässt grü­ßen.

Deutsch­lands Weg wird daher mit Span­nung ver­folgt wer­den: Wird es gelin­gen, eine zukunfts­fä­hi­ge Alter­na­ti­ve zur Indus­trie zu ent­wi­ckeln, oder droht ein expe­ri­men­tel­ler Rück­schritt?


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater