Sta­b­le­co­ins unter der Lupe: Trü­ge­ri­sche Sta­bi­li­tät oder legi­ti­mes Zah­lungs­mit­tel?

Die offi­zi­el­le Stel­lung­nah­me der Divi­si­on of Cor­po­ra­ti­on Finan­ce der US-Bör­sen­auf­sichts­be­hör­de SEC sowie eine kri­ti­sche Erwi­de­rung von SEC-Kom­mis­sa­rin Caro­li­ne A. Crens­haw — spie­geln einen fun­da­men­ta­len Dis­sens über die regu­la­to­ri­sche Ein­ord­nung von USD-gebun­de­nen Sta­b­le­co­ins wider. Im Zen­trum steht die Fra­ge, ob soge­nann­te „Cover­ed Sta­b­le­co­ins“ als Wert­pa­pie­re im Sin­ne des US-ame­ri­ka­ni­schen Kapi­tal­markt­rechts gel­ten. Die Bewer­tung hat erheb­li­che Kon­se­quen­zen für die Regu­lie­rungs­pra­xis und für Anle­ge­rin­nen und Anle­ger.

Die SEC-Posi­ti­on („State­ment on Sta­b­le­co­ins“) – Per­spek­ti­ve der Divi­si­on of Cor­po­ra­ti­on Finan­ce

Kern­aus­sa­ge:
Sta­b­le­co­ins, die bestimm­te Kri­te­ri­en erfül­len — ins­be­son­de­re eine Deckung durch liqui­de und risi­ko­ar­me Reser­ven, eine jeder­zei­ti­ge Ein­lös­bar­keit zu einem fes­ten Kurs (1:1 zum US-Dol­lar) und eine Nut­zung als Zah­lungs­mit­tel oder Wertauf­be­wah­rungs­mit­tel — stel­len kei­ne Wert­pa­pie­re im Sin­ne des Secu­ri­ties Act und Exch­an­ge Act dar.

Begrün­dung anhand des Reves-Tests:

  1. Moti­va­ti­on von Käu­fer und Ver­käu­fer:
    Käu­fer stre­ben kei­ne Ren­di­te, son­dern Sta­bi­li­tät und Nutz­bar­keit an. Ver­käu­fer nut­zen Erlö­se zur Deckung durch Reser­ven, nicht zur Unter­neh­mens­fi­nan­zie­rung.
  2. Ver­triebs­struk­tur:
    Auch wenn Sta­b­le­co­ins breit gehan­delt wer­den, zielt das Design auf Preis­sta­bi­li­tät, nicht auf Spe­ku­la­ti­on ab. Arbi­tra­ge-Mög­lich­kei­ten sta­bi­li­sie­ren den Markt­preis.
  3. Erwar­tun­gen des Publi­kums:
    Mar­ke­ting erfolgt nicht als Invest­ment­pro­dukt, son­dern als Zah­lungs­mit­tel („digi­ta­ler Dol­lar“).
  4. Risi­ko­min­dern­de Merk­ma­le:
    Die Deckung durch Reser­ven (USD oder gleich­wer­tig liqui­de Mit­tel) redu­ziert Risi­ken. Reser­ven sei­en insol­venz­si­cher ver­wahrt, nicht ver­pfän­det oder spe­ku­la­tiv ein­ge­setzt.

Zusätz­li­cher How­ey-Test:
Es bestehe kei­ne Erwar­tung auf Gewinn durch das unter­neh­me­ri­sche Han­deln Drit­ter. Nut­zer agier­ten wie Kon­su­men­ten, nicht wie Inves­to­ren.

Fazit der SEC-Abtei­lung:
Cover­ed Sta­b­le­co­ins sind pri­mär für den Gebrauch im Zah­lungs­ver­kehr kon­zi­piert und stel­len kei­ne Inves­ti­tio­nen im klas­si­schen Sinn dar – ent­spre­chend unter­lie­gen sie nicht der Regis­trie­rungs­pflicht nach dem US-Wert­pa­pier­recht.

Kri­ti­sche Gegen­po­si­ti­on von Kom­mis­sa­rin Caro­li­ne A. Crens­haw („Sta­ble Coins or Ris­ky Busi­ness?“)

Kern­aus­sa­ge:
Die Ana­ly­se der SEC-Behör­de ist recht­lich und fak­tisch feh­ler­haft. Sie ver­kennt zen­tra­le Risi­ken und sug­ge­riert eine fal­sche Sicher­heit. Die Mehr­heit der Sta­b­le­co­in-Anle­ger ist die­sen Risi­ken schutz­los aus­ge­setzt.

Zen­tra­le Kri­tik­punk­te:

  • Inter­me­diä­re domi­nie­ren den Markt:
    Über 90 % der Sta­b­le­co­ins wer­den nicht direkt vom Emit­ten­ten, son­dern über nicht regis­trier­te Dritt­platt­for­men („Cryp­to Exch­an­ges“) an Pri­vat­an­le­ger ver­teilt. Die­se Platt­for­men sind oft weder regu­liert noch ver­trag­lich zur Rück­nah­me ver­pflich­tet.
  • Kei­ne recht­li­che Ein­lös­bar­keit:
    Die oft beschwo­re­ne 1:1‑Einlösung gilt fak­tisch nur zwi­schen Emit­tent und Inter­me­di­är. Klein­an­le­ger haben kei­ne direk­ten ver­trag­li­chen Rech­te gegen­über dem Emit­ten­ten. In der Pra­xis schwankt der Preis, und Rück­nah­me ist kei­nes­wegs garan­tiert.
  • Reser­ve­be­rich­te („Pro­of of Reser­ves“) bie­ten kei­ne Sicher­heit:
    Die­se sind nicht regu­liert, nicht stan­dar­di­siert und nicht ver­läss­lich. Die Prü­fer unter­lie­gen nicht den Stan­dards des PCAOB. Das Ver­trau­en in die Reser­ve­de­ckung sei viel­fach miss­braucht wor­den.
  • Miss­ver­ständ­li­che Risi­ko­min­de­rung:
    Der Hin­weis auf Reser­ve­ver­mö­gen als „risi­ko­min­dern­des Merk­mal“ ver­ken­ne, dass kei­ne ech­te Besi­che­rung im insol­venz­recht­li­chen Sin­ne vor­liegt. Selbst Inter­me­diä­re könn­ten im Kon­kurs­fall kei­ne Rück­griffs­rech­te haben.
  • Irre­füh­ren­der Begriff „digi­ta­ler Dol­lar“:
    Die Gleich­set­zung von Sta­b­le­co­ins mit dem US-Dol­lar sei eine gefähr­li­che Irre­füh­rung der Öffent­lich­keit. Pri­va­te, unre­gu­lier­te, unbe­si­cher­te digi­ta­le Token hät­ten mit der staat­li­chen Wäh­rung weder funk­tio­nal noch recht­lich etwas gemein.

Fazit von Crens­haw:
Die Ein­ord­nung der „Cover­ed Sta­b­le­co­ins“ als Nicht-Wert­pa­pie­re unter­gräbt den Anle­ger­schutz, igno­riert rea­le Markt­me­cha­nis­men und erzeugt ein trü­ge­ri­sches Sicher­heits­ge­fühl. Statt­des­sen müs­se die SEC ihre Auf­sicht stär­ken und der Öffent­lich­keit ein rea­lis­ti­sches Risi­ko­be­wusst­sein ver­mit­teln.

Ein­ord­nung und Bewer­tung

Die SEC-Divi­si­on betont die for­ma­le Struk­tur der Sta­b­le­co­ins – ihre Bin­dung an den US-Dol­lar, die dekla­rier­te Reser­ve­hal­tung, das Mar­ke­ting als Zah­lungs­in­stru­ment. Doch Crens­haws Erwi­de­rung argu­men­tiert deut­lich dif­fe­ren­zier­ter und berück­sich­tigt die rea­len Markt­prak­ti­ken, ins­be­son­de­re die zen­tra­le Rol­le unre­gu­lier­ter Inter­me­diä­re.

Beson­ders kri­tisch ist:

  • Die behaup­te­te Ein­lös­bar­keit ist fak­tisch nicht exis­tent für End­nut­zer.
  • Die feh­len­de Insol­venz­ab­si­che­rung ist ein gra­vie­ren­des Risi­ko.
  • Der Anschein eines regu­lier­ten, siche­ren „digi­ta­len Dol­lars“ ist irre­füh­rend.

In der Sum­me lie­fert Crens­haw eine fun­dier­te, sach­lich schar­fe Kri­tik, die eine erheb­li­che regu­la­to­ri­sche Lücke offen­legt – mit poten­zi­ell gra­vie­ren­den Fol­gen für Pri­vat­an­le­ger und das Finanz­sys­tem.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater