Was ist der Ter­mi­nal Value (TV)?

Der Ter­mi­nal Value reprä­sen­tiert den geschätz­ten Unter­neh­mens­wert über den eigent­li­chen Pro­gno­se­zeit­raum hin­aus. Die­ser Wert basiert auf der Annah­me, dass das Unter­neh­men nach Ablauf der detail­lier­ten Pro­gno­se­pe­ri­ode unend­lich lan­ge mit einem sta­bi­len Wachs­tum ope­riert. Da prä­zi­se Pro­gno­sen über mehr als drei bis fünf Jah­re hin­aus schwie­rig sind, wird der Ter­mi­nal Value genutzt, um den Rest­wert der zukünf­ti­gen Cash­flows abzu­bil­den – oft macht die­ser Wert einen Groß­teil der Gesamt­be­wer­tung aus.

Kern­punk­te

  • TV berech­net den Unter­neh­mens­wert nach der Pro­gno­se­pe­ri­ode bis in die Ewig­keit.
  • Wird im Rah­men der Dis­coun­ted-Cash-Flow-Metho­de (DCF) ver­wen­det.
  • Zwei gän­gi­ge Berech­nungs­an­sät­ze:
    1. Per­pe­tu­al-Growth-Metho­de (auch Gor­don-Growth-Modell)
    2. Exit-Mul­ti­ple-Metho­de

1. Die Per­pe­tu­al-Growth-Metho­de

Die­se Metho­de geht davon aus, dass ein Unter­neh­men nach der Pro­gno­se­pe­ri­ode ste­ti­ge Cash­flows mit kon­stan­ter Wachs­tums­ra­te gene­riert. Die zugrun­de lie­gen­de For­mel lau­tet:

[math]\text{TV} = \frac{FCF}{d — g}[/math]

Dabei gilt:

  • FCF = Free Cash Flow des letz­ten Pro­gno­se­jah­res
  • d = Dis­kon­tie­rungs­satz (oft WACC – Weigh­ted Avera­ge Cost of Capi­tal)
  • g = Ter­mi­nal-Wachs­tums­ra­te

Kri­tisch anzu­mer­ken: Die Wachs­tums­ra­te soll­te nicht höher als das his­to­ri­sche BIP-Wachs­tum sein und idea­ler­wei­se nahe an der lang­fris­ti­gen Infla­ti­ons­ra­te lie­gen – um unrea­lis­ti­sche Bewer­tun­gen zu ver­mei­den.

2. Die Exit-Mul­ti­ple-Metho­de

Hier wird ange­nom­men, dass das Unter­neh­men am Ende der Pro­gno­se­pe­ri­ode ver­kauft wird. Der Ter­mi­nal Value ergibt sich durch die Mul­ti­pli­ka­ti­on eines ope­ra­ti­ven Kenn­wer­tes (z. B. EBITDA oder Umsatz) mit einem Bran­chen­mul­ti­pli­ka­tor, der sich an ver­gleich­ba­ren Trans­ak­tio­nen ori­en­tiert.

[math]\text{TV} = \text{EBITDA}_{n} \times \text{Multiple}[/math]

Die­se Metho­de wird vor allem von Invest­ment­ban­ken bevor­zugt, ist jedoch metho­disch weni­ger sau­ber, da rela­ti­ve und intrin­si­sche Bewer­tungs­an­sät­ze mit­ein­an­der ver­mischt wer­den.

Ver­gleich mit dem Net Pre­sent Value (NPV)

  • Ter­mi­nal Value: Pro­gnos­ti­ziert den lang­fris­ti­gen Unter­neh­mens­wert über die eigent­li­che Pla­nungs­pe­ri­ode hin­aus.
  • NPV (Bar­wert): Misst den heu­ti­gen Wert aller zukünf­ti­gen Cash­flows eines Pro­jekts oder Invest­ments unter Berück­sich­ti­gung der Inves­ti­ti­ons­kos­ten.

Bei­de Kon­zep­te sind zen­tra­le Pfei­ler der DCF-Ana­ly­se, haben jedoch unter­schied­li­che Zwe­cke.

Kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung

  • Der TV ist hoch­gra­dig sen­si­bel gegen­über getrof­fe­nen Annah­men. Eine mini­ma­le Ände­rung in der Wachs­tums­ra­te oder im Dis­kon­tie­rungs­satz kann den Unter­neh­mens­wert dras­tisch ver­än­dern.
  • Bei­de Metho­den – sowohl Per­p­etui­ty als auch Exit Mul­ti­ple – haben Vor- und Nach­tei­le:
    • Gor­don-Growth-Modell ist theo­re­tisch fun­dier­ter, aber anfäl­lig für zu opti­mis­ti­sche Annah­men.
    • Exit-Mul­ti­ples ori­en­tie­ren sich an der Rea­li­tät (Markt), kön­nen aber vola­til und schwer zu begrün­den sein.
  • In der Pra­xis emp­fiehlt sich oft eine Kom­bi­na­ti­on bei­der Metho­den, um eine rea­lis­ti­sche­re Bewer­tung zu erhal­ten.

Fazit

Der Ter­mi­nal Value ist ein unver­zicht­ba­res Ele­ment der Unter­neh­mens­be­wer­tung. Er reflek­tiert den Lang­zeit­wert eines Unter­neh­mens und bestimmt maß­geb­lich den Gesamt­wert in einem DCF-Modell. Auf­grund sei­ner gro­ßen Bedeu­tung und Sen­si­bi­li­tät ist eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit den zugrun­de lie­gen­den Annah­men uner­läss­lich, um Fehl­be­wer­tun­gen zu ver­mei­den.

1. Rechen­bei­spiel: Per­pe­tu­al-Growth-Metho­de (Gor­don-Growth-Modell)

Aus­gangs­da­ten:

  • Letz­ter pro­gnos­ti­zier­ter Free Cash Flow (FCF): 10 000 000 €
  • Dis­kon­tie­rungs­satz (d) / WACC: 9 %
  • Ter­mi­nal-Wachs­tums­ra­te (g): 2 %

For­mel:

[math]\text{TV} = \frac{FCF}{d — g}[/math]

Berech­nung:

[math]\text{TV} = \frac{10\,000\,000}{0{,}09 — 0{,}02} = \frac{10\,000\,000}{0{,}07} = 142\,857\,143\;€[/math]

Inter­pre­ta­ti­on:

Der Ter­mi­nal Value des Unter­neh­mens am Ende der expli­zi­ten Pla­nungs­pe­ri­ode beträgt rund 142,86 Mio. €.

Kri­ti­sche Anmer­kung:

  • Eine Wachs­tums­ra­te von 2 % ist rea­lis­tisch und ent­spricht etwa der lang­fris­ti­gen Infla­ti­ons­ra­te.
  • Wäre die Wachs­tums­ra­te nur 1 % höher (3 %), wür­de der Ter­mi­nal Value auf 166,67 Mio. € stei­gen – ein Unter­schied von fast 24 Mio. €, allein durch eine klei­ne Annah­me­än­de­rung.
  • Die­se extre­me Sen­si­ti­vi­tät macht das Modell anfäl­lig für bewuss­te oder unbe­wuss­te Mani­pu­la­tio­nen in der Bewer­tung.

2. Rechen­bei­spiel: Exit-Mul­ti­ple-Metho­de

Aus­gangs­da­ten:

  • Letz­ter pro­gnos­ti­zier­ter EBITDA: 12 000 000 €
  • Bran­chen­üb­li­cher Exit-Mul­ti­ple: 8× (aus ver­gleich­ba­ren M&A‑Deals abge­lei­tet)

For­mel:

[math]\text{TV} = EBITDA \times \text{Multiple}[/math]

Berech­nung:

[math]\text{TV} = 12\,000\,000 \times 8 = 96\,000\,000\;€[/math]

Inter­pre­ta­ti­on:

Der Ter­mi­nal Value wird hier auf 96 Mio. € geschätzt – basie­rend auf Markt­prei­sen ver­gleich­ba­rer Unter­neh­men.

Kri­ti­sche Anmer­kung:

  • Die Wahl des Mul­ti­ples ist sub­jek­tiv und abhän­gig vom Markt­um­feld.
  • Ent­hält Markt­schwan­kun­gen, Hypes oder Kri­sen, die den Wert ver­fäl­schen kön­nen.
  • Die Metho­de mischt rela­ti­ve Bewer­tung (Markt­ver­gleich) mit einem ansons­ten intrin­si­schen Modell (DCF) – das ist theo­re­tisch nicht sau­ber.

Ver­gleich der bei­den Ansät­ze

Kri­te­ri­umPer­pe­tu­al-Growth-Metho­deExit-Mul­ti­ple-Metho­de
Theo­re­ti­sche Fun­die­rungHoch (mathe­ma­tisch soli­de)Gerin­ger
Pra­xis­re­le­vanzEin­ge­schränktHoch, beson­ders bei M&A
Abhän­gig­keit von Annah­menSehr hoch (ins­bes. Wachs­tums­ra­te)Hoch (Mul­ti­ple, Markt­um­feld)
Objek­ti­vi­tätRela­tivGering (sub­jek­ti­ve Mul­ti­ples)
Kom­ple­xi­tätMit­telGering

Emp­feh­lung

In der Pra­xis kom­bi­nie­ren Ana­lys­ten häu­fig bei­de Metho­den, um eine Mit­te­lung der Wer­te zu erhal­ten und Ver­zer­run­gen zu mini­mie­ren:

[math]\text{TV}_{\text{gemittelt}} = \frac{142{,}86\,\text{Mio. €} + 96\,\text{Mio. €}}{2} = 119{,}43\,\text{Mio. €}[/math]

Die­se hybri­de Vor­ge­hens­wei­se erhöht die Robust­heit der Bewer­tung und erlaubt eine aus­ge­wo­ge­ne­re Ent­schei­dungs­grund­la­ge, beson­ders bei Unsi­cher­heit über zukünf­ti­ge Ent­wick­lun­gen.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater