Total Return Net Index (TRNI)

Der Total Return Net Index (TRNI) ist ein Finanz­in­dex, der die Gesamt­ren­di­te eines Port­fo­li­os oder eines Index unter Berück­sich­ti­gung aller Erträ­ge, ein­schließ­lich Kurs­ge­win­nen und Divi­den­den (oder ande­rer Aus­schüt­tun­gen), aber nach Abzug von Steu­ern und Gebüh­ren, misst. Im Gegen­satz zu einem rei­nen Preis­in­dex, der nur die Wert­ent­wick­lung der Kur­se berück­sich­tigt, bie­tet der TRNI eine umfas­sen­de­re Per­spek­ti­ve auf die tat­säch­li­che Ren­di­te, die Anle­ger erzie­len wür­den.

Wesent­li­che Merk­ma­le des TRNI:

  1. Gesamt­ren­di­te: Der TRNI berück­sich­tigt sowohl die Wert­stei­ge­rung der im Index ent­hal­te­nen Wert­pa­pie­re (Kurs­ge­win­ne) als auch die Erträ­ge aus Divi­den­den, Zin­sen oder ande­ren Aus­schüt­tun­gen.
  2. Net­to-Ren­di­te: Der “Net”-Aspekt bedeu­tet, dass alle anfal­len­den Kos­ten und Steu­ern bereits abge­zo­gen sind. Das schließt typi­scher­wei­se Quel­len­steu­ern auf Divi­den­den, Trans­ak­ti­ons­kos­ten oder ande­re Gebüh­ren ein. Somit spie­gelt der TRNI die tat­säch­li­che Ren­di­te wider, die ein Anle­ger nach Abzug die­ser Kos­ten erhal­ten wür­de.
  3. Reinves­ti­ti­on der Erträ­ge: In der Regel wird bei der Berech­nung des TRNI ange­nom­men, dass alle Erträ­ge wie Divi­den­den sofort wie­der in das Port­fo­lio inves­tiert wer­den. Dies ermög­licht eine rea­lis­ti­sche­re Bewer­tung der kumu­la­ti­ven Ren­di­te über einen bestimm­ten Zeit­raum.
  4. Ver­gleich­bar­keit: Da der TRNI stan­dar­di­sier­te Annah­men über Steu­ern und Gebüh­ren trifft, eig­net er sich gut für den Ver­gleich zwi­schen ver­schie­de­nen Anla­ge­klas­sen, Fonds oder Indi­zes.

Prak­ti­sche Anwen­dung:

Der TRNI ist beson­ders nütz­lich für insti­tu­tio­nel­le Anle­ger und Ver­mö­gens­ver­wal­ter, da er eine genaue­re Dar­stel­lung der tat­säch­li­chen Per­for­mance bie­tet. Pri­va­te Anle­ger kön­nen den TRNI eben­falls nut­zen, um die his­to­ri­sche Ren­di­te eines Index oder einer Anla­ge­stra­te­gie bes­ser zu ver­ste­hen und fun­dier­te Ent­schei­dun­gen zu tref­fen.

Bei­spiel:

Ange­nom­men, Sie inves­tie­ren in einen Akti­en­in­dex, des­sen Kurs im Lau­fe eines Jah­res um 5 % gestie­gen ist. Zusätz­lich haben die im Index ent­hal­te­nen Unter­neh­men Divi­den­den im Wert von 2 % aus­ge­schüt­tet. Wenn man nun noch annimmt, dass die Quel­len­steu­er auf die­se Divi­den­den 30 % beträgt, redu­ziert sich der Net­to­di­vi­den­den­er­trag auf 1,4 %. Die Gesamt­ren­di­te vor Steu­ern wäre also 7 % (5 % Kurs­ge­winn + 2 % Divi­den­den). Nach Abzug der Steu­ern ergibt sich jedoch eine Net­to-Gesamt­ren­di­te von 6,4 % (5 % Kurs­ge­winn + 1,4 % net­to Divi­den­den).

In die­sem Fall wür­de der TRNI die 6,4 % wider­spie­geln, was die tat­säch­li­che Ren­di­te dar­stellt, die ein Anle­ger nach Abzug der rele­van­ten Steu­ern und Kos­ten erzie­len wür­de.

Berech­nung:

Die Berech­nung des Total Return Net Index (TRNI) basiert auf der Idee, die Gesamt­ren­di­te eines Port­fo­li­os oder Index unter Berück­sich­ti­gung aller Erträ­ge (Kurs­ge­win­ne und Dividenden/Ausschüttungen) zu ermit­teln, wobei Steu­ern und Gebüh­ren bereits abge­zo­gen wer­den. Im Fol­gen­den wird die grund­le­gen­de For­mel zur Berech­nung des TRNI beschrie­ben:

Wie wird ein „Total Return Net Index“ (NTR) rech­ne­risch ermit­telt?

Ein Net-Total-Return-Index simu­liert, wie sich ein Port­fo­lio ent­wi­ckeln wür­de, wenn Divi­den­den nach Abzug der anfal­len­den Quel­len­steu­ern (bzw. pau­scha­ler Steu­er­ab­schlä­ge nach Regle­ment) unmit­tel­bar wie­der in die jewei­li­gen Index­kom­po­nen­ten reinves­tiert wür­den. Die Berech­nung folgt des­halb einem zwei­stu­fi­gen Prin­zip:

  1. Preis­än­de­rung der Index­mit­glie­der
  2. Reinves­ti­ti­on der „netto“-Dividenden

Im Ergeb­nis ent­steht der­sel­be Index­stand wie bei einem rei­nen Kurs­in­dex + „add-on“ der — bereits ver­steu­er­ten – Aus­schüt­tun­gen. For­mal lässt sich das für einen belie­bi­gen Berech­nungs­tag tt so aus­drü­cken¹:

[math]\text{NTR}_t = \frac{\displaystyle \sum_{i=1}^{n} P_{i,t}\,N_{i,t} \;+\; \sum_{i=1}^{n} D_{i,t}\,N_{i,t}\,(1-\tau_i) }{\text{Divisor}_t} \tag{1}[/math]

Erläu­te­rung der Varia­blen

Sym­bolBedeu­tung
[math]P_{i,t}[/math]Schluss­kurs der Aktie i am Tag t
[math]N_{i,t}[/math]Index­ge­wich­tung (häu­fig: Anzahl fik­ti­ver Stü­cke) von Aktie i am Tag t
[math]D_{i,t}[/math]Brut­to-Divi­den­de je Aktie i, die am Tag t ex-Divi­den­de geht (0, falls kei­ne Zah­lung)
[math]\tau_i[/math]Quel­len­steu­er­satz, den der Index­an­bie­ter als „typisch nicht rück­for­der­bar“ unter­stellt; oft 15 % (USA) bzw. 30 % (Stan­dard­an­nah­me für vie­le Län­der)
[math]\text{Divisor}_t[/math]Tech­ni­scher Ska­lie­rungs­fak­tor, der sicher­stellt, dass cor­po­ra­te actions (Splits, Kapi­tal­erhö­hun­gen, Reba­lan­cings) den Index­stand nicht sprung­haft ver­än­dern

Intui­ti­ve Her­lei­tung

  1. Port­fo­lio­wert vor Divi­den­de
    [math]\sum P_{i,t}\,N_{i,t}[/math] bil­det den rei­nen Kurs­wert aller Index-Titel.
  2. Net­to-Divi­den­den-Pools
    Sobald eine Kom­po­nen­te Ex-Tag hat, wird ihre Divi­den­de nach Quel­len­steu­er – also [math]D_{i,t}(1-\tau_i)[/math] – fik­tiv dem Index­ver­mö­gen gut­ge­schrie­ben. Die Mul­ti­pli­ka­ti­on mit [math]N_{i,t}[/math] über­setzt die Aus­schüt­tung auf Port­fo­li­oe­be­ne.
  3. Divi­sor-Anpas­sung
    Damit struk­tu­rel­le Ein­grif­fe wie Akti­en­splits, Neu­auf­nah­men oder Gewich­tungs­än­de­run­gen den Zeit­rei­hen­chart nicht ver­zer­ren, passt der Index­an­bie­ter per Divi­sor­for­mel den Nen­ner an. Streng genom­men lau­tet (1) in rekur­si­ver Form bes­ser:

[math]\text{NTR}_t = \text{NTR}_{t‑1} \;\times\; \frac{\displaystyle \sum P_{i,t}\,N_{i,t}\;+\;\sum D_{i,t}\,N_{i,t}(1-\tau_i)} {\dis­play­style \sum P_{i,t‑1}\,N_{i,t‑1}} \tag{2}[/math]

Dabei wird der Divi­sor auto­ma­tisch so gewählt, dass [math]\text{NTR}_{t}[/math] an Tagen ohne Kapi­tal­maß­nah­men exakt der mit (1) berech­ne­ten Wert­ent­wick­lung ent­spricht.

Abgren­zung zu ande­ren Index-Vari­an­ten

Index-TypDivi­den­den­be­hand­lungPra­xis­bei­spiel
Pri­ce Return (PR)Kei­ne Reinves­ti­ti­onDAX (Per­for­mance) im Aus­land oft als „DAX PR“ bezeich­net
Gross Total Return (GTR)Reinves­ti­ti­on brut­to (ohne Steu­ern)MSCI World GR
Net Total Return (NTR)Reinves­ti­ti­on nach Quel­len­steu­erMSCI World NR (15 % Quel­len­steu­er-Modell)

Kri­ti­scher Punkt:
Die pau­scha­le Quel­len­steu­er ([math]\tau_i[/math]) soll „eine rea­lis­ti­sche, glo­bal erziel­ba­re Nach­steu­er-Per­for­mance“ abbil­den. Fak­tisch hängt die tat­säch­li­che Steu­er­last jedoch vom Anle­ger­sta­tus, Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men und einer mög­li­chen Rück­for­de­rung ab. Somit ist ein NTR-Index nicht iden­tisch mit der per­sön­li­chen Net­to­ren­di­te – er lie­fert ledig­lich einen kon­ser­va­ti­ven, inter­na­tio­nal ver­gleich­ba­ren Annä­he­rungs­wert.

Bei­spiel – ver­ein­fach­te Tages­be­rech­nung

Ange­nom­men, ein Index besteht aus zwei Akti­en A und B mit je 50 % Gewicht ([math]N_A = N_B[/math]):

Kom­po­nen­teKurs [math]P_{t‑1}[/math]Kurs [math]P_t[/math]Divi­den­de [math]D_t[/math][math]\tau[/math]
Aktie A100,00 €102,00 €0,00 €
Aktie B50,00 €51,00 €1,00 €15 %
  1. Kurs­wert-Zäh­ler (Tag [math]t[/math])
    102,00€+51,00€=153,00€102,00 € + 51,00 € = 153,00 €
  2. Net­to-Divi­den­de von B
    1,00€×(1−0,15)=0,85€1,00 € [math]\times[/math] (1 — 0,15) = 0,85 €
  3. Gesamt­zäh­ler
    153,00€+0,85€=153,85€153,00 € + 0,85 € = 153,85 €
  4. Vor­pe­ri­oden­zäh­ler
    100,00€+50,00€=150,00€100,00 € + 50,00 € = 150,00 €
  5. Tages­fak­tor
    153,85/150,00=1,025667153,85 / 150,00 = 1,025667

Ein NTR-Index­­stand von z. B. 10 000,00 Punk­ten am Vor­tag steigt ent­spre­chend auf
10000,00×1,025667=10256,6710 000,00 [math]\times[/math] 1,025667 = 10 256,67 Punk­te.

Fazit & kri­ti­sche Wür­di­gung

  • Vor­teil: Der Net-Total-Return-Ansatz lie­fert eine rea­lis­ti­sche­re Ver­gleichs­kenn­zahl als der rei­ne Kurs­in­dex, wenn es um eine lang­fris­ti­ge Ver­mö­gens­ent­wick­lung geht.
  • Nach­teil: Die Stan­dard-Steu­er­sät­ze kön­nen indi­vi­du­el­ler oder län­der­spe­zi­fi­scher Steu­er­si­tua­ti­on wider­spre­chen; zudem igno­riert das Modell Trans­ak­ti­ons­kos­ten, Timing-Ver­lus­te und steu­er­li­che Opti­mie­rungs­mög­lich­kei­ten.
  • Fol­ge­rung: Wer ein Port­fo­lio an einen NTR-Bench­mark kop­pelt, soll­te prü­fen, ob die zugrun­de lie­gen­den Steu­er­an­nah­men (Quel­len­steu­er­sät­ze, Anre­chen­bar­keit, Rück­erstat­tung) der eige­nen Situa­ti­on genü­gen oder ob eine Brut­to-Vari­an­te (GTR) als weni­ger ver­zerr­ter Ver­gleich sinn­vol­ler ist.

Zusam­men­fas­sung:

Der Total Return Net Index (TRNI) ist ein wich­ti­ger Indi­ka­tor für Anle­ger, da er nicht nur die Kurs­ent­wick­lung, son­dern auch die Erträ­ge aus Divi­den­den und ande­re Aus­schüt­tun­gen berück­sich­tigt – und das nach Abzug von Steu­ern und Gebüh­ren. Damit lie­fert er eine rea­lis­ti­sche Ein­schät­zung der tat­säch­li­chen Ren­di­te eines Invest­ments über einen bestimm­ten Zeit­raum.


¹ Die For­mel ist kon­zep­tio­nell auf täg­li­chen Reba­lan­cing-Rhyth­mus aus­ge­legt. Index­an­bie­ter wie MSCI, STOXX oder S&P ver­wen­den in der Pra­xis nahe­zu iden­ti­sche Glei­chun­gen, wei­chen jedoch bei Details wie Run­dungs­re­geln, Zeit­stem­peln (Schluss- vs. Durch­schnitts­kur­se) und Tax-Map­pings ab.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater