Die acht Tabu­wör­ter der Finanz­be­ra­tung – war­um Invest­ment­be­ra­ter nicht alles sagen dür­fen

In der Welt der Finanz­be­ra­tung gel­ten kla­re Regeln, was gesagt – und vor allem was nicht gesagt – wer­den darf. Wer glaubt, dass es in Bera­tungs­ge­sprä­chen oder Wer­be­an­zei­gen von Super­la­ti­ven nur so wim­meln darf, irrt gewal­tig. Invest­ment­be­ra­ter unter­lie­gen in den USA stren­gen regu­la­to­ri­schen Vor­ga­ben, die weit über die Ver­mei­dung offen­sicht­li­cher Falsch­aus­sa­gen hin­aus­ge­hen. Beson­ders in der öffent­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on – sei es über Web­sei­ten, News­let­ter oder sozia­le Medi­en – grei­fen detail­lier­te Vor­schrif­ten, die die Spra­che und Inhal­te rigo­ros kon­trol­lie­ren. Im Zen­trum steht dabei eine Lis­te von acht Begrif­fen, die in der Finanz­wer­bung prak­tisch ver­bo­ten sind: best, worst, most, least, hig­hest, lowest, always und never.

Die­se Wör­ter erschei­nen auf den ers­ten Blick harm­los. Doch sie gel­ten in der Welt der Regu­lie­rer als poten­zi­ell irre­füh­rend, weil sie abso­lu­te Aus­sa­gen sug­ge­rie­ren, die sich weder objek­tiv bele­gen noch dau­er­haft garan­tie­ren las­sen. Wer etwa behaup­tet, ein Invest­ment sei „das bes­te“, ver­lässt den Boden nüch­ter­ner Ana­ly­se und betritt das Ter­rain der rei­nen Über­trei­bung – ein No-Go aus Sicht der US-ame­ri­ka­ni­schen Secu­ri­ties and Exch­an­ge Com­mis­si­on (SEC) und der Finan­cial Indus­try Regu­la­to­ry Aut­ho­ri­ty (FINRA).

Der Hin­ter­grund die­ser sprach­li­chen Dis­zi­plin ist der Schutz der Anle­ger. Wer­bung mit über­zo­ge­nen Erfolgs­ver­spre­chen, unbe­grün­de­ten Per­for­man­ce­pro­gno­sen oder hypo­the­ti­schen Ren­di­te­er­war­tun­gen hat in der Ver­gan­gen­heit nicht sel­ten zu ent­täusch­ten Kun­den und Ver­trau­ens­ver­lus­ten geführt. Des­halb müs­sen sämt­li­che Mar­ke­ting­inhal­te – von der Power­Point-Folie bis zum Lin­ke­dIn-Post – in vie­len Bera­tungs­häu­sern durch die Com­pli­ance-Abtei­lung frei­ge­ge­ben wer­den. Die­se Kon­troll­in­stan­zen prü­fen, ob Aus­sa­gen aus­rei­chend belegt, sach­lich for­mu­liert und regu­la­to­risch ein­wand­frei sind.

Beson­ders streng sind die Regeln bei hypo­the­ti­schen Per­for­man­ce­an­ga­ben. Wer bei­spiels­wei­se simu­lier­te Ren­di­ten ver­gan­ge­ner Jah­re dar­stellt, muss sämt­li­che zugrun­de lie­gen­den Annah­men, Risi­ko­fak­to­ren und Ein­schrän­kun­gen offen­le­gen. Da dies in der Pra­xis kom­plex und feh­ler­an­fäl­lig ist, ver­zich­ten vie­le Unter­neh­men voll­stän­dig auf sol­che Sze­na­ri­en. Eben­so unter­sagt ist es, Preis­zie­le für Invest­ments anzu­ge­ben, die ein Kun­de aktu­ell im Port­fo­lio hält. Auch Zukunfts­pro­gno­sen über Märk­te, Bran­chen oder geo­po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen sind ris­kant – selbst wenn sie intern für plau­si­bel gehal­ten wer­den.

Ein wei­te­res Pro­blem­feld ist die Ver­mi­schung von Mei­nung und Fakt. Finanz­be­ra­ter nei­gen – wie vie­le Exper­ten – dazu, ihre Über­zeu­gun­gen mit Nach­druck zu ver­tre­ten. Doch aus regu­la­to­ri­scher Sicht ist klar zwi­schen beleg­ba­rer Infor­ma­ti­on und per­sön­li­cher Ein­schät­zung zu unter­schei­den. Eine all­zu enthu­si­as­ti­sche Mei­nung kann schnell als Tat­sa­chen­be­haup­tung aus­ge­legt wer­den – und im schlimms­ten Fall zu Sank­tio­nen füh­ren.

Beson­de­re Vor­sicht ist im Zeit­al­ter sozia­ler Medi­en gebo­ten. Wäh­rend Unter­neh­mens­ka­nä­le rela­tiv leicht zu kon­trol­lie­ren sind, bewe­gen sich vie­le Bera­ter auf ihren pri­va­ten Pro­fi­len in einem Grau­be­reich. Ein impul­si­ver Tweet über die Zukunft der Tech-Akti­en oder eine loben­de Bemer­kung über die eige­ne Invest­ment­stra­te­gie kann bereits aus­rei­chen, um gegen inter­ne oder exter­ne Vor­schrif­ten zu ver­sto­ßen. Des­halb haben vie­le Unter­neh­men kla­re Richt­li­ni­en zur pri­va­ten Online-Kom­mu­ni­ka­ti­on ihrer Mit­ar­bei­ten­den.

Selbst bei der Dar­stel­lung eige­ner Erfol­ge und der Dif­fe­ren­zie­rung vom Wett­be­werb sind Gren­zen gesetzt. Zwar dür­fen Bera­ter auf ihre Stär­ken hin­wei­sen, doch eine nega­ti­ve Dar­stel­lung von Mit­be­wer­bern ist unter­sagt. Eben­so bedür­fen Kun­den­re­fe­ren­zen – ob von rea­len Man­dan­ten oder neu­tra­len Drit­ten – einer sorg­fäl­ti­gen Prü­fung und recht­li­chen Absi­che­rung.

Das alles zeigt: Der Berufs­stand des Invest­ment­be­ra­ters ist weit davon ent­fernt, in frei­er Wild­bahn ope­rie­ren zu kön­nen. Die Spra­che, mit der er sei­ne Exper­ti­se ver­mit­telt, ist durch­re­gu­liert, vor­sich­tig aus­ta­riert und stets im Span­nungs­feld zwi­schen Infor­ma­ti­on und Wer­bung. Die­se Ein­schrän­kun­gen mögen bis­wei­len pedan­tisch erschei­nen, erfül­len aber eine wich­ti­ge Funk­ti­on im Schutz der Ver­brau­cher­inter­es­sen.

Gleich­wohl stellt sich die Fra­ge, ob die­se Rege­lun­gen nicht auch zu einer gewis­sen sprach­li­chen Ver­ar­mung füh­ren. Wenn alles weich­ge­spült, rela­ti­viert und ver­klau­su­liert daher­kommt, droht die Bera­tung an Aus­sa­ge­kraft und Authen­ti­zi­tät zu ver­lie­ren. Der Balan­ce­akt zwi­schen regu­la­to­ri­scher Vor­sicht und glaub­wür­di­ger Kom­mu­ni­ka­ti­on bleibt somit eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen für eine Bran­che, die Ver­trau­en als ihre wich­tigs­te Wäh­rung ver­steht.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater