Ab 2027: 3 Euro für ein Liter Sprit?

War­um Kraft­stoff­prei­se struk­tu­rell stei­gen wird

Die Prei­se für Ben­zin und Die­sel unter­lie­gen seit jeher star­ken Schwan­kun­gen. Kurz­fris­tig wer­den sie vor allem durch den Welt­markt­preis für Roh­öl, geo­po­li­ti­sche Kri­sen, Raf­fi­ne­rie­ka­pa­zi­tä­ten und Wech­sel­kur­se bestimmt. Neben die­sen Fak­to­ren gewinnt jedoch ein lang­fris­ti­ger poli­ti­scher Rah­men zuneh­mend an Bedeu­tung: die Beprei­sung von Koh­len­di­oxid. Mit der Ein­füh­rung eines euro­päi­schen Emis­si­ons­han­dels­sys­tems für Ver­kehr und Gebäu­de ab 2027 dürf­te sich die Kos­ten­struk­tur fos­si­ler Kraft­stof­fe in Deutsch­land ver­än­dern.

Über­gang vom natio­na­len CO₂-Preis zum EU-Emis­si­ons­han­del

Seit 2021 gilt in Deutsch­land ein natio­na­ler CO₂-Preis für fos­si­le Brenn­stof­fe im Ver­kehr und in Gebäu­den. In der Ein­füh­rungs­pha­se ist der Preis poli­tisch fest­ge­legt. Für 2025 beträgt er 55 Euro pro Ton­ne CO₂. Im Jahr 2026 gilt ein Preis­kor­ri­dor zwi­schen 55 und 65 Euro.

Ab 2027 wird die­ses Sys­tem in den euro­päi­schen Emis­si­ons­han­del für Ver­kehr und Gebäu­de (EU-ETS2) über­führt. Anders als bis­her legt der Staat dann kei­nen fes­ten Preis mehr fest. Statt­des­sen bestimmt ein Markt­me­cha­nis­mus den Preis: Ener­gie­un­ter­neh­men müs­sen Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­te erwer­ben, deren Gesamt­men­ge von der Euro­päi­schen Uni­on begrenzt wird. Mit sin­ken­der Zer­ti­fi­kats­men­ge steigt ten­den­zi­ell der Preis für CO₂-Emis­sio­nen.

Für Kraft­stof­fe bedeu­tet dies, dass sich der CO₂-Auf­schlag künf­tig stär­ker an Ange­bot und Nach­fra­ge nach Emis­si­ons­rech­ten ori­en­tiert.

Mög­li­che Preis­ent­wick­lung

Der CO₂-Preis wirkt sich direkt auf den End­preis von Ben­zin und Die­sel aus, da bei der Ver­bren­nung fos­si­ler Kraft­stof­fe Koh­len­di­oxid ent­steht. Bereits heu­te ist die­ser Auf­schlag sicht­bar.

Bei einem CO₂-Preis von rund 55 Euro pro Ton­ne beträgt der zusätz­li­che Preis­auf­schlag etwa:

  • rund 13 Cent pro Liter Ben­zin
  • etwa 15 Cent pro Liter Die­sel

Mit stei­gen­den CO₂-Prei­sen erhöht sich die­ser Auf­schlag ent­spre­chend. Modell­rech­nun­gen ver­schie­de­ner For­schungs­in­sti­tu­te kom­men zu unter­schied­li­chen Ergeb­nis­sen, bewe­gen sich jedoch häu­fig in fol­gen­den Grö­ßen­ord­nun­gen:

CO₂-Preiszusätz­li­cher Ben­zin­preis
70 €/tetwa +10–15 Cent/Liter
120 €/tetwa +25–30 Cent/Liter
150 €/tetwa +35–40 Cent/Liter
200 €/tetwa +45–50 Cent/Liter

Wie hoch der Preis tat­säch­lich aus­fal­len wird, hängt von meh­re­ren Fak­to­ren ab: vom Tem­po der Emis­si­ons­re­duk­ti­on, von tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen und von mög­li­chen poli­ti­schen Ein­grif­fen in den Markt.

Schutz­me­cha­nis­men gegen extre­me Preis­sprün­ge

Die Euro­päi­sche Uni­on hat für den Start des Sys­tems eine Art Preis­sta­bi­li­sie­rungs­me­cha­nis­mus vor­ge­se­hen. Wenn die Zer­ti­fi­kats­prei­se stark stei­gen, kön­nen zusätz­li­che Emis­si­ons­rech­te aus einer Reser­ve auf den Markt gebracht wer­den. Ziel ist es, kurz­fris­ti­ge Preis­sprün­ge zu begren­zen.

Die­ser Mecha­nis­mus wirkt jedoch nicht wie ein fes­ter Preis­de­ckel. Lang­fris­tig bleibt der CO₂-Preis ein markt­be­stimm­ter Wert, der bei knap­per wer­den­den Emis­si­ons­rech­ten stei­gen kann.

Der Ein­fluss ande­rer Fak­to­ren

Trotz der zuneh­men­den Bedeu­tung der CO₂-Beprei­sung bleibt der Roh­öl­preis der wich­tigs­te kurz­fris­ti­ge Ein­fluss­fak­tor auf den Sprit­preis. Geo­po­li­ti­sche Kri­sen, För­der­ent­schei­dun­gen gro­ßer Ölpro­du­zen­ten oder Stö­run­gen von Trans­port­we­gen kön­nen den Preis deut­lich stär­ker ver­än­dern als der CO₂-Auf­schlag.

Auch steu­er­li­che Kom­po­nen­ten spie­len wei­ter­hin eine gro­ße Rol­le. In Deutsch­land ent­fal­len auf einen Liter Ben­zin mehr als die Hälf­te des End­prei­ses auf staat­li­che Abga­ben, dar­un­ter Ener­gie­steu­er, Mehr­wert­steu­er und der CO₂-Auf­schlag.

Lang­fris­ti­ge Per­spek­ti­ve

Ins­ge­samt deu­tet vie­les dar­auf hin, dass fos­si­le Kraft­stof­fe in Euro­pa lang­fris­tig teu­rer wer­den sol­len. Der stei­gen­de CO₂-Preis ist ein zen­tra­les Instru­ment der euro­päi­schen Kli­ma­po­li­tik, um emis­si­ons­ar­me Tech­no­lo­gien attrak­ti­ver zu machen.

Für Ver­brau­cher bedeu­tet das jedoch kon­ti­nu­ier­lich stei­gen­de Prei­se in jedem Jahr. Kurz­fris­ti­ge Schwan­kun­gen durch den Ölmarkt kön­nen den Effekt zusätz­lich über­la­gern. Der struk­tu­rel­le Trend in der Kli­ma­po­li­tik weist aller­dings dar­auf hin, dass die Nut­zung fos­si­ler Kraft­stof­fe im Ver­kehr wirt­schaft­lich zuneh­mend unter Druck gera­ten dürf­te.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater