Amerikas Glanz verblasst: Wie Trumps Wirtschaftspolitik das Vertrauen der Anleger erschüttert

Lange Zeit galt der US-amerikanische Aktienmarkt als das Maß aller Dinge – ein sicherer Hafen für Kapital, ein Symbol wirtschaftlicher Stärke und Innovationskraft. Doch im Jahr 2025 bröckelt dieses Bild spürbar. Während der S&P 500 in diesem Jahr rund 4 % an Wert verloren hat, zeigen Börsenindizes in Europa, China und Mexiko durchweg Zuwächse. Die Wall Street verliert an Glanz, und ein Name steht sinnbildlich für diese Entwicklung: Donald Trump.

Seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus beobachten Marktteilnehmer mit wachsender Nervosität die wirtschaftspolitische Ausrichtung der Vereinigten Staaten. Trumps protektionistische Rhetorik, aggressive Zollpolitik und erratische außenpolitische Manöver sorgen für Verunsicherung – mit messbaren Folgen. Einer Umfrage der Bank of America zufolge verzeichneten US-Aktien die größte Kapitalflucht seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1999. Gleichzeitig steigen die Zuflüsse in europäische Märkte so stark wie seit 2021 nicht mehr.

„Es scheint eine grundlegende Stimmungswende unter Anlegern stattzufinden“, konstatiert David Russell, globaler Marktstratege bei TradeStation. Diese Wende manifestiert sich nicht nur in den Zahlen, sondern auch in der Wahrnehmung: Das Narrativ der amerikanischen „Exzeptionalität“ – also der Vorstellung von einer einzigartigen wirtschaftlichen Überlegenheit der USA – steht auf dem Prüfstand.

Zwar haben US-Börsen zuletzt leichte Gewinne verbucht: Der Dow Jones legte am Freitag um 32 Punkte zu, der S&P 500 und der Nasdaq kletterten jeweils um 0,08 % beziehungsweise 0,52 %. Doch diese Erholung kann nicht über die tieferliegenden strukturellen Probleme hinwegtäuschen. Der S&P 500 befindet sich weiterhin deutlich unter seinem Allzeithoch, die Nasdaq ist sogar in den Korrekturbereich abgerutscht.

Ein zentraler Unsicherheitsfaktor bleibt Trumps Handelspolitik. Besonders die über Nacht eingeführten Strafzölle, die sowohl Importpreise als auch internationale Lieferketten belasten, treffen Unternehmen und Konsumenten gleichermaßen. Analysten der Investmentbank Baird sprechen von einem „willkürlichen Umsetzungsplan“, der Planbarkeit und Vertrauen zerstöre. Auch Einwanderungspolitik und außenpolitische Alleingänge – etwa die veränderte US-Haltung zum Ukrainekrieg – tragen zur Verunsicherung bei.

Derweil nutzen andere Regionen die Gunst der Stunde. Europas Märkte erscheinen im Vergleich stabil, was sich in der Performance des deutschen Leitindex DAX widerspiegelt: Mit einem Plus von 15 % seit Jahresbeginn gehört er zu den globalen Gewinnern. Politische Initiativen wie die von Kanzlerkandidat Friedrich Merz forcierte massive Aufstockung des Verteidigungsetats verleihen nicht nur geopolitisch, sondern auch konjunkturell neue Impulse. „Diese Maßnahmen erfolgen zwar als Reaktion auf US-Politik, haben jedoch handfeste ökonomische Vorteile für Deutschland“, schreibt Kristina Hooper, Chefstrategin bei Invesco.

Selbst China, dessen Wirtschaft lange unter strukturellen Problemen und geopolitischer Isolation litt, profitiert: Ein staatliches Konjunkturprogramm zur Ankurbelung des Konsums ließ chinesische Börsen regelrecht explodieren – der Hang Seng-Index in Hongkong legte seit Jahresbeginn um 18 % zu. Auch Chinas Elektroautobauer wie BYD gewinnen an Bedeutung, während US-Tech-Titanen wie Tesla, Amazon oder Nvidia teils zweistellige Kursverluste hinnehmen müssen.

Das sogenannte „Magnificent Seven“-Narrativ, das den Aufstieg US-amerikanischer Technologieriesen prägte, wirkt zunehmend brüchig. Mit Ausnahme von Meta notieren alle dieser Tech-Schwergewichte 2025 im Minus. Ein spektakulärer Fehlstart gelang auch dem vielgehypten KI-Modell von DeepSeek, das mehr Fragen als Begeisterung auslöste – ein Dämpfer für den überhitzten US-Tech-Sektor.

All das geschieht vor dem Hintergrund einer spürbaren politischen Unsicherheit. Der Index zur wirtschaftspolitischen Ungewissheit in den USA ist im März auf den höchsten Stand seit der Corona-Pandemie geschnellt. Die US-Notenbank Fed warnte jüngst in einem offiziellen Statement: „Die Unsicherheit hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektiven hat zugenommen.“

Doch trotz aller Turbulenzen bleibt eines bestehen: die fundamentale Stärke der US-Wirtschaft. Der amerikanische Binnenmarkt ist nach wie vor größer, liquider und innovationsgetriebener als die meisten anderen Volkswirtschaften. Wie David Russell von TradeStation anmerkt, sei es „seit jeher töricht gewesen, gegen Amerika zu wetten“. Doch diese Stärke allein reicht nicht mehr aus, um die Märkte zu beruhigen – schon gar nicht, wenn politische Risiken zunehmen.

Die entscheidende Frage lautet nun: Stehen wir vor einer strukturellen Neubewertung globaler Märkte – weg von der einseitigen US-Fixierung hin zu einer multipolaren Anlagestrategie? Für viele Investoren ist diese Entwicklung längst Realität. Trumps Rückkehr ins Oval Office könnte somit nicht nur politische, sondern auch tiefgreifende wirtschaftliche Folgen für die Position der Vereinigten Staaten in der globalen Finanzarchitektur haben.

Amerikas Börsen verlieren ihre Strahlkraft. Und der Präsident, der einst mit einem Versprechen auf wirtschaftlichen Aufschwung gewählt wurde, steht nun im Zentrum eines beispiellosen Vertrauensverlusts.


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