Annalena Baerbock, ehemalige deutsche Außenministerin, wird von der Bundesregierung als Kandidatin für den Vorsitz der UN-Generalversammlung für die Sitzungsperiode 2025/2026 vorgeschlagen. Dies stellt eine überraschende Kehrtwende dar, da Baerbock vor zwei Wochen noch angekündigt hatte, aus persönlichen Gründen aus dem Rampenlicht treten zu wollen. Der prestigeträchtige Posten in New York könnte ihr internationales Profil stärken, stößt jedoch auf Kritik.
Während ihrer Amtszeit als Außenministerin unternahm Baerbock über 100 Auslandsreisen. Ursprünglich war die erfahrene Diplomatin Helga Schmidt für den UN-Posten vorgesehen, doch nun erhält Baerbock den Vorzug. Kritiker wie Christoph Heusgen nennen dies eine „Unverschämtheit“, da Schmidt als international versierte Diplomatin durch ein „Auslaufmodell“ ersetzt werde. Dennoch gilt Baerbocks Wahl nach internen UN-Absprachen als Formsache; sie soll im Juni gewählt und im September ihr Amt antreten.
Die Entscheidung sorgt für Diskussionen. Das Auswärtige Amt informierte kürzlich wichtige Ministerien, einschließlich Kanzleramt und Friedrich Merz, der zustimmte. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, da Baerbock eine hoch qualifizierte Diplomatin wie Schmidt übergeht, was den Eindruck erwecken könnte, eine Politikerin sichere sich nach ihrem Amt den nächsten Posten.
Philipp Peymann Engel, Chefredakteur der „Jüdischen Allgemeinen“, kritisiert die Nominierung scharf. Er sieht Baerbock als unverdient und verweist auf ihre Außenpolitik, die Israel international geschadet habe, etwa durch ein stilles Waffenembargo. Die UN selbst stehe ebenfalls in der Kritik, Israel mit diplomatischen Mitteln zu bekämpfen. Engel befürchtet, dass Baerbocks Politik in der UN Kontinuität zeige und das deutsch-israelische Verhältnis, das unter ihr gelitten habe, weiter belaste – entgegen den Zielen eines möglichen neuen Kanzlers Friedrich Merz.