Arbeits­pflicht statt Exis­tenz­si­che­rung – Die AfD und der Umbau des Sozi­al­staats

zum Antrag der AfD-Frak­ti­on im Deut­schen Bun­des­tag zur Reform der Grund­si­che­rung.

Die AfD ver­steht Grund­si­che­rung nicht als Schutz vor Armut, son­dern als Dis­zi­pli­nie­rungs­in­stru­ment. Mit ver­pflich­ten­der „Bür­ger­ar­beit“, ver­schärf­ten Sank­tio­nen und Bezahl­kar­te rückt sie das Exis­tenz­mi­ni­mum in die Nähe einer Gegen­leis­tung. Damit wird ein zen­tra­les Prin­zip des Sozi­al­staats – die bedin­gungs­lo­se Siche­rung der Men­schen­wür­de – rela­ti­viert und durch ein Miss­trau­ens­re­gime ersetzt.

Beson­ders pro­ble­ma­tisch ist die impli­zi­te Unter­stel­lung, Arbeits­lo­sig­keit sei pri­mär Aus­druck man­geln­den Wil­lens. Struk­tu­rel­le Ursa­chen wie Qua­li­fi­ka­ti­ons­de­fi­zi­te, regio­na­le Arbeits­märk­te oder gesund­heit­li­che Ein­schrän­kun­gen gera­ten aus dem Blick. Zwangs­maß­nah­men mögen kurz­fris­tig Akti­vi­tät erzeu­gen, för­dern aber kaum nach­hal­ti­ge Inte­gra­ti­on und ris­kie­ren Stig­ma­ti­sie­rung sowie Ver­drän­gung regu­lä­rer Beschäf­ti­gung.

Die dras­ti­schen Ein­schrän­kun­gen für Aus­län­der offen­ba­ren zudem eine migra­ti­ons­po­li­ti­sche Agen­da im Gewand der Sozi­al­po­li­tik. Ein zwei­klas­si­ges Sozi­al­sys­tem und pau­scha­le Zumut­bar­keits­an­nah­men („Rück­kehr ins Her­kunfts­land“) ste­hen quer zu Inte­gra­ti­ons­zie­len und Gleich­be­hand­lungs­grund­sät­zen.

Ins­ge­samt ver­schiebt die AfD den Cha­rak­ter der Grund­si­che­rung von sozia­ler Absi­che­rung hin zu Kon­trol­le und Sank­ti­on. Das mag ideo­lo­gisch strin­gent sein, ist sozi­al­po­li­tisch jedoch kurz­sich­tig – und ver­kennt, dass ein star­ker Sozi­al­staat nicht durch Zwang, son­dern durch befä­hi­gen­de Unter­stüt­zung wirkt.

Kern­aus­sa­gen des Antrags

1. Grund­idee: „Akti­vie­ren­de Grund­si­che­rung“

  • Sozi­al­leis­tun­gen sol­len stär­ker an Pflich­ten geknüpft wer­den.
  • Leit­mo­tiv: „Wer arbei­ten kann, soll auch arbei­ten.“
  • Lang­fris­ti­ger Leis­tungs­be­zug soll Aus­nah­me blei­ben.

2. Ein­füh­rung ver­pflich­ten­der „Bür­ger­ar­beit“

  • Nach 6 Mona­ten Leis­tungs­be­zug sol­len erwerbs­fä­hi­ge Erwach­se­ne ver­pflich­tet wer­den,
    15 Stun­den pro Woche gemein­nüt­zi­ge Arbeit zu leis­ten.
  • Kei­ne zusätz­li­che Ver­gü­tung, nur Erstat­tung von Mehr­auf­wen­dun­gen.
  • Befrei­un­gen: mind. 20 Wochen­stun­den Erwerbs­ar­beit, Schule/Ausbildung, Krank­heit.

3. Bezahl­kar­te statt Bar­geld

  • Ein­füh­rung einer Bezahl­kar­te für SGB‑II‑Empfänger.
  • Ein­satz beson­ders bei Ver­wei­ge­rung der Bür­ger­ar­beit als Sank­ti­on.
  • Ziel: mehr Kon­trol­le über Leis­tungs­nut­zung.

4. Stren­ge­re Regeln zur Orts­ab­we­sen­heit

  • Leis­tungs­be­zie­hen­de sol­len sich grund­sätz­lich im Inland auf­hal­ten.
  • Ver­dacht auf unge­neh­mig­ten Aus­lands­auf­ent­halt → sofor­ti­ge vor­läu­fi­ge Zah­lungs­ein­stel­lung.
  • Bei Bestä­ti­gung: voll­stän­di­ge Auf­he­bung der Leis­tun­gen und rück­wir­ken­der Aus­schluss für jeden Monat mit Aus­lands­auf­ent­halt.
  • Hin­ter­grund: Bekämp­fung soge­nann­ter „Pen­del­migra­ti­on“.

5. Mas­si­ve Ein­schrän­kun­gen für aus­län­di­sche Leis­tungs­be­zie­hen­de

  • Voll­jäh­ri­ge Aus­län­der sol­len grund­sätz­lich vom SGB II aus­ge­schlos­sen wer­den, außer sie erfül­len:
    • 10 Jah­re exis­tenz­si­chern­de Beschäf­ti­gung (Dritt­staa­ten) bzw. 5 Jah­re (EU-Bür­ger).
    • Deutsch­kennt­nis­se min­des­tens B2.
    • Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge: unbe­fris­te­ter Auf­ent­halts­ti­tel.
  • Leis­tun­gen sol­len nur noch max. 12 Mona­te am Stück und max. 5 Jah­re im gesam­ten Erwerbs­le­ben mög­lich sein.
  • Aus­zah­lung nur auf inlän­di­sche Kon­ten.

6. Ver­la­ge­rung bestimm­ter Grup­pen ins SGB XII (Sozi­al­hil­fe)

  • Per­so­nen, die fak­tisch nicht erwerbs­fä­hig sind, sol­len aus dem SGB II her­aus­ge­nom­men wer­den:
    • gesund­heit­lich stark ein­ge­schränkt,
    • wegen Kin­der­be­treu­ung weni­ger als 3 Stun­den täg­lich ver­füg­bar,
    • pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge.
  • Ziel: Ent­las­tung der Job­cen­ter und „Berei­ni­gung“ der Arbeits­lo­sen­sta­tis­tik.

Quel­le: Akti­vie­ren­de Grund­si­che­rung statt Grund­si­che­rungs­geld

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