Asien am Morgen – 27.02.2026

Der asiatische Börsenverlauf am 27. Februar 2026 ist geprägt von einer Divergenz zwischen jüngsten Rekordhochs und aktuellem Konsolidierungsdruck, verstärkt durch Sorgen über eine mögliche KI-Blase und eine beispiellose Knappheit bei Speicherchips. Während positive Signale von der Wall Street und Fortschritte in den Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran zunächst für Optimismus sorgten, belasteten schwache Technologiewerte und enttäuschende Wirtschaftsdaten aus Japan die Stimmung im Tagesverlauf.

Japan: Gemischte Wirtschaftsdaten und Yen-Stärke

Der japanische Markt stand unter erheblichem Druck, wobei die Nikkei-Futures früh in der Sitzung nachgaben. Dies folgte auf eine Phase von drei gewinnbringenden Sitzungen, die vor allem durch Exporteure gestützt worden waren.

  • Wirtschaftsdaten: Die Inflationsdaten für Tokio zeigten ein beschleunigtes Wachstum des Kern-VPI (ohne Lebensmittel) von 1,8 %, was über den Erwartungen lag. Während die Einzelhandelsumsätze im Januar überraschend stark um 4,1 % stiegen, enttäuschte die Industrieproduktion mit einem Wachstum von nur 2,2 % (erwartet waren über 5 %).
  • Währungs- und Geldpolitik: Der japanische Yen legte an Stärke zu, nachdem Äußerungen von Gouverneur Ueda auf einen möglichen Straffungspfad der Bank of Japan hindeuteten. Händler wetten zunehmend darauf, ob die BoJ die Zinsen schnell genug anhebt, um die Inflation zu bekämpfen.
  • Unternehmensfokus: Sony konnte um mehr als 6 % zulegen, nachdem das Unternehmen sein Aktienrückkaufprogramm auf 250 Milliarden Yen (ca. 1,5 Milliarden USD) verdoppelt hatte.

Südkorea: Konsolidierung nach der Rekordjagd

Nach einer beeindruckenden Rallye mit sechs aufeinanderfolgenden Gewinnstagen und neuen Rekordhochs erreichte der koreanische Markt ein extrem „überkauftes“ Niveau (RSI über 80).

  • Marktkorrektur: Zu Beginn der Sitzung geriet der KOSPI unter Druck und verlor mehr als 1 %.
  • Halbleiter im Fokus: Die Schwergewichte Samsung Electronics und SK Hynix standen aufgrund der globalen Speicherchip-Knappheit und des Kursrückgangs bei Nvidia im Fokus, was die asiatischen Technologiewerte insgesamt belastete.

China und Hongkong: Tech-Druck und IPO-Pläne

China und Indien wurden in diesem Jahr bisher als Nachzügler („Laggards“) eingestuft.

  • Baidu: Der chinesische Tech-Riese enttäuschte mit dem dritten Quartalsumsatzrückgang in Folge (minus 4 %), da sein Suchwerkzeug bei jüngeren Nutzern an Relevanz verliert, was die KI-Fortschritte kannibalisieren könnte.
  • Syngenta: Es gibt Berichte, dass Syngenta einen Börsengang in Hongkong plant, der bis zu 10 Milliarden USD einbringen könnte.
  • Geopolitik: Die Entfernung von neun Militärabgeordneten aus dem nationalen Parlament durch Präsident Xi Jinping deutet auf eine Fortsetzung der Säuberungsaktionen im Verteidigungssektor hin, was für zusätzliche politische Unsicherheit sorgt.

Australien: Unternehmensspezifische Verluste

Der australische Markt (ASX) verzeichnete einen Rückgang von etwa 0,6 %.

  • Hauptverlierer: Die Supermarktkette Coles stürzte um 7 % ab, da Zweifel an der Nachhaltigkeit der Nachfrage aufkamen.
  • Bankensektor: Die Commonwealth Bank of Australia (CBA) geriet wegen einer Untersuchung zu potenziellem Betrug bei Wohnbaudarlehen unter Druck.
  • Luftfahrt: Qantas gab eine Warnung bezüglich steigender Kosten heraus.

Sektor-Trends: Die Krise am Smartphone-Markt

Ein zentrales Thema war die Warnung von IDC, dass der globale Smartphone-Markt im Jahr 2026 um fast 13 % schrumpfen könnte. Grund ist eine beispiellose Knappheit bei Speicherchips, die die Produktionskosten massiv in die Höhe treibt.

  • Gewinner und Verlierer: Während Premium-Hersteller wie Apple und Samsung durch langfristige Lieferverträge besser geschützt sind, könnten Billighersteller (wie Xiaomi oder TCL) überproportional betroffen sein, da Geräte unter 100 USD wirtschaftlich kaum noch zu halten sind.
  • Der „Barbell-Trade“: Am Markt ist eine Spaltung zu beobachten: Während Hardware-Werte unter der Chip-Knappheit und hohen Bewertungen leiden, gab es zuletzt ein Wiederaufleben bei Software-Aktien, die zuvor stark unterverkauft waren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die asiatischen Märkte derzeit versuchen, die hohen Erwartungen an die KI mit der Realität von Lieferengpässen und einer vorsichtigeren Geldpolitik in Einklang zu bringen, während geopolitische Spannungen (insbesondere um den Iran) weiterhin für Volatilität sorgen.


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