Im Jahr 2023 haben Bund, Kantone und Gemeinden 8,8 Milliarden Franken für Sozialleistungen zur Bekämpfung der Armut aufgewendet, was gegenüber dem Vorjahr einer Zunahme von 261 Millionen Franken (+3,0%) zu laufenden Preisen entspricht. Preisbereinigt (+2,1%) beträgt die Zunahme 0,9%.
Der grösste Teil der insgesamt 8,8 Mrd. Franken entfiel auf die Ergänzungsleistungen (EL) zur AHV/IV; ihr Anteil betrug 5,7 Mrd. Franken bzw. 64,8%. An zweiter Stelle folgte die wirtschaftliche Sozialhilfe mit 2,5 Mrd. Fr. oder 28,6%, gefolgt von den Alters- und Invalidenrenten, der Arbeitslosenhilfe, den Familienzulagen, den Alimentenbevorschussungen und den Wohnbeihilfen mit 581 Mio. Fr. oder 6,6%.
Bei den bedarfsabhängigen Sozialleistungen verzeichneten die EL zur AHV/IV im Jahr 2023 mit einem Plus von 219 Millionen Franken gegenüber 2022 das stärkste absolute Wachstum, was 84% des gesamten Wachstums der betrachteten Sozialleistungen ausmacht. Am 31. Dezember 2023 bezogen 350’000 Personen EL zur AHV/IV, das sind 1,7% mehr als am 31. Dezember 2022 (Statistik der Ergänzungsleistungen zur AHV und IV, BSV).
Die Nettoausgaben für die wirtschaftliche Sozialhilfe blieben mit 2,5 Milliarden Franken gegenüber dem Vorjahr stabil, obwohl die Zahl der Bezügerinnen und Bezüger zurückging (- 7100) und die Sozialhilfequote um 0,1% sank (2023: 2,8%; 2022: 2,9%). Die durchschnittlichen jährlichen Nettoausgaben pro Bezügerin und Bezüger sind nominal von 9772 auf 10 109 Franken gestiegen (+3,4%; zu Preisen von 2023: +1,3%).


Die Grafik zeigt die Top 10 Kantone mit dem höchsten Anteil an Menschen, die armutsbekämpfende bedarfsabhängige Sozialleistungen beziehen (2023):
Spitzenreiter ist Basel-Stadt – mit fast 19 % der Bevölkerung in bedarfsabhängiger Unterstützung.
Weitere auffällige Kantone:
- Genf (~16 %)
- Wallis, Waadt, Neuenburg liegen ebenfalls über 13 %
- Tessin, Jura, Bern ebenfalls deutlich über dem Schweizer Schnitt (~9,3 %)
Diese Kantone weisen somit anteilig die höchsten Armutsraten im Sinne der Abhängigkeit von Sozialleistungen auf.
Top, danke für den ausführlichen Input – das hilft sehr! Die Zahlen geben einen sehr guten Überblick über die Sozialausgaben in der Schweiz 2023. Um deine Frage aufzugreifen:
🇨🇭 So steht die Schweiz da – im internationalen Vergleich
Gesamtausgaben für Sozialleistungen:
- 8,8 Mrd. CHF für bedarfsabhängige, armutsbekämpfende Leistungen.
- Das sind rund 990 Franken pro Einwohner (bei ca. 8,9 Mio. Einwohnern).
- Anteil am BIP: Je nach Definition (wenn man z. B. nur bedarfsabhängige Leistungen zählt) liegt die Schweiz deutlich unter dem EU-Durchschnitt.
Wie sieht das in anderen Ländern aus?
Hier sind Vergleichswerte (2022/2023, gerundet, je nach Verfügbarkeit) für ähnliche Leistungen wie Sozialhilfe, Wohngeld, Mindestsicherung etc.:
Land | Sozialausgaben gesamt (% des BIP) | Bedarfsabhängige Leistungen | Pro-Kopf-Ausgaben (ungefähr) |
---|---|---|---|
🇩🇪 Deutschland | ca. 31% | ca. 5–6% für Grundsicherung (Bürgergeld) | ~1’200 € pro Einwohner |
🇫🇷 Frankreich | ca. 32% | ~7% für Mindestsicherung & Wohngeld | ~1’500 € pro Einwohner |
🇸🇪 Schweden | ca. 28% | relativ geringer Anteil bedarfsabhängig | ~1’000 € pro Einwohner |
🇦🇹 Österreich | ca. 30% | Mindestsicherung & Sozialhilfe ca. 2% | ~800 € pro Einwohner |
🇨🇭 Schweiz | ca. 26% | nur 1.0–1.5% für bedarfsabhängige Leistungen | ~990 CHF (~1’000 €) |
(Quellen: OECD, Eurostat, nationale Statistiken)
Was sagt uns das?
- Die Schweiz gibt insgesamt zwar viel für Soziales aus (v. a. Renten, Gesundheit, ALV), aber vergleichsweise wenig für gezielte Armutsbekämpfung.
- Der Anteil bedarfsabhängiger Leistungen ist kleiner als in vielen europäischen Ländern.
- Gleichzeitig ist die Armutsquote in der Schweiz relativ niedrig, was auf hohe Einkommen und Lebensstandard hindeutet – aber auch auf ein Sozialsystem, das stärker über Versicherungen und nicht über Fürsorge funktioniert.
Fazit
- Basel, Genf und Co. wirken im Vergleich innerhalb der Schweiz „arm“, aber auf internationaler Ebene ist die Schweiz wirtschaftlich deutlich besser gestellt.
- Die Sozialhilfequote von 2.8 % ist extrem niedrig verglichen mit z. B. Deutschland (~9–10 % im Bürgergeld).
- Schlussfolgerung: Die Schweiz hat ein vergleichsweise kleines Netz an bedarfsabhängigen Leistungen, das aber offenbar sehr gezielt eingesetzt wird.