Ben­ner-Zyklus

Der soge­nann­te „Ben­ner-Zyklus“ oder „Benner’s Pro­phe­ci­es“ ist ein aus dem 19. Jahr­hun­dert stam­men­des Kon­zept zur Vor­her­sa­ge wirt­schaft­li­cher und ins­be­son­de­re agra­ri­scher Kon­junk­tur­zy­klen. Der Ursprung liegt bei Samu­el T. Ben­ner (1832–1913), einem Far­mer aus Ohio, der nach der schwe­ren Wirt­schafts­kri­se von 1873 begann, sys­te­ma­ti­sche Zyklen im Wirt­schafts- und Roh­stoff­ge­sche­hen zu erfor­schen. Ben­ner ver­öf­fent­lich­te 1875 das Buch “Benner’s Pro­phe­ci­es of Future Ups and Downs in Pri­ces”, das erstaun­li­che Auf­merk­sam­keit erlang­te und bis heu­te in öko­no­mi­schen Nischen­krei­sen zitiert wird.

Grund­idee

Ben­ner ging davon aus, dass die Wirt­schaft und ins­be­son­de­re die Prei­se für Roh­stof­fe wie Eisen, Mais oder Schwei­ne­fleisch regel­mä­ßi­gen, zykli­schen Schwan­kun­gen fol­gen, die sich pro­gnos­tisch erfas­sen las­sen. Er iden­ti­fi­zier­te wie­der­keh­ren­de Zyklen unter­schied­li­cher Län­ge, die sich gegen­sei­tig über­la­gern:

  • Eisen­preis-Zyklus: 27 Jah­re
  • Kri­sen-Zyklen: 20 Jah­re
  • Spe­ku­la­ti­ons-Zyklen (Finanz­märk­te): 7–11 Jah­re

Dar­aus ent­wi­ckel­te er eine Art Kalen­der öko­no­mi­scher Auf- und Abschwün­ge, der angeb­lich Kri­sen, Boom­pha­sen und Agrar­preis­zy­klen vor­her­sa­gen kön­ne.

His­to­ri­sche Wir­kung

In sei­ner Zeit galt Ben­ner als Exzen­tri­ker, doch sein Werk fand unter Far­mern, Händ­lern und spä­ter auch Bör­sia­nern Inter­es­se. Eini­ge sei­ner Pro­gno­sen tra­fen tat­säch­lich mit erstaun­li­cher Genau­ig­keit ein – etwa schwe­re Kri­sen in den 1890er-Jah­ren oder 1920er-Jah­ren, die spä­ter als Bele­ge für sei­ne Theo­rie zitiert wur­den. Zugleich war das Modell deter­mi­nis­tisch, also der Annah­me ver­haf­tet, dass Wirt­schafts­ge­sche­hen fast natur­ge­setz­lich in fixen Rhyth­men ver­läuft. Dies passt zum 19. Jahr­hun­dert, in dem zykli­sche Theo­rien (z. B. auch Juglar-Zyklen oder Kond­ra­tieff-Wel­len) Kon­junk­tur­de­bat­ten domi­nier­ten.

Bewer­tung

Aus heu­ti­ger wis­sen­schaft­li­cher Sicht gilt der Ben­ner-Zyklus eher als pseu­do­wis­sen­schaft­lich oder zumin­dest stark ver­ein­fa­chend. Moder­ne Kon­junk­tur­theo­rien berück­sich­ti­gen tech­no­lo­gi­sche Inno­va­tio­nen, geo­po­li­ti­sche Ereig­nis­se, geld­po­li­ti­sche Ein­grif­fe und gesell­schaft­li­che Fak­to­ren, die sich nicht in star­ren Zyklen pres­sen las­sen.
Aller­dings ist bemer­kens­wert, dass in der Wirt­schafts­ge­schich­te gewis­se wie­der­keh­ren­de Mus­ter tat­säch­lich beob­acht­bar sind – etwa regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Finanz­kri­sen in Abstän­den von 7–10 Jah­ren oder län­ge­re Inno­va­ti­ons­wel­len (Kond­ra­tieff). Dass Ben­ner gewis­se Tref­fer erziel­te, dürf­te daher weni­ger auf pro­phe­ti­sche Fähig­kei­ten, son­dern auf die empi­ri­sche Beob­ach­tung sol­cher struk­tu­rel­len Rhyth­men zurück­zu­füh­ren sein.

Fazit

Der „Ben­ner-Zyklus“ ist ein his­to­ri­sches Kurio­sum der Wirt­schafts­pro­gnos­tik: eine Mischung aus ernst­haf­ter empi­ri­scher Beob­ach­tung, deter­mi­nis­ti­scher Geschichts­phi­lo­so­phie und simp­ler Pro­phe­tie. Er ist für die heu­ti­ge Volks­wirt­schafts­leh­re wis­sen­schaft­lich kaum halt­bar, besitzt aber kul­tur­ge­schicht­lich eine gewis­se Fas­zi­na­ti­on – ins­be­son­de­re, weil er den mensch­li­chen Wunsch nach Ord­nung und Vor­her­sag­bar­keit im Cha­os der Märk­te spie­gelt.

Über­sicht der von Ben­ner pro­gnos­ti­zier­ten Jah­res­zy­klen (Tabel­len­form)

Pro­gnos­ti­zier­te Jah­res­zy­klen nach Samu­el Ben­ner

Zone A (Panik­jah­re)Zone B (Gute Zei­ten / Ver­kau­fen)Zone C (Har­te Zei­ten / Kau­fen)
192719261924
194519351931
196519451942
198119531951
199919621958
201919721969
203519801978
205319891985
19991996
20072005
20162012
20262023
20342032
20432039
20632050
2059
2069

Wich­ti­ge Anmer­kun­gen:

  • Über­schnei­dun­gen: Sie wer­den fest­stel­len, dass eini­ge Jah­re in meh­re­ren Zonen auf­tau­chen (z.B. 1945, 1999, 2053). Dies deu­tet dar­auf hin, dass ein Jahr der “Guten Zei­ten” (Zone B) in einer Markt­pa­nik (Zone A) gip­feln kann.
  • Die Zyklen: Ben­ner iden­ti­fi­zier­te Mus­ter für die Zyklen:
    • Panik­jah­re (A): Ein wie­der­keh­ren­des Mus­ter von 18, 20, 16, 18, 20, 16 Jah­ren.
    • Kauf­jah­re ©: Nied­rig­punk­te wie­der­ho­len sich oft in einem 11−9−7 Jah­res­zy­klus.
    • Ver­kaufs­jah­re (B): Höhe­punk­te fol­gen oft einem 8−9−10 Jah­res­zy­klus.
  • Aktu­el­le Rele­vanz: Laut die­ser his­to­ri­schen Gra­fik befän­den wir uns im Jahr 2023 in einer Peri­ode der “Har­ten Zei­ten” (Zone C), was eine gute Zeit zum Kau­fen wäre. Das nächs­te pro­gnos­ti­zier­te “gute Jahr” zum Ver­kau­fen wäre 2026.

Bit­te beach­ten Sie: Dies ist ein his­to­ri­sches Modell aus dem 19. Jahr­hun­dert und soll­te nicht als allei­ni­ge Grund­la­ge für Finanz­ent­schei­dun­gen ver­wen­det wer­den. Es ist jedoch ein fas­zi­nie­ren­des Bei­spiel für die frü­he Ana­ly­se von Markt­zy­klen.

Was zeigt die Gra­fik?
Die Gra­fik teilt die Zeit in drei Peri­oden ein, um Anle­gern zu sagen, wann sie kau­fen, hal­ten und ver­kau­fen sol­len:

  • Zone A: “Years in which panics have occur­red and will occur again.”
    • Deutsch: Jah­re, in denen Panik am Markt herrscht oder herr­schen wird. Dies sind die Höhe­punk­te der Zyklen, die oft mit einem Bör­sen­crash ver­bun­den sind.
  • Zone B: “Years of Good Times, High Pri­ces and the time to sell Stocks…”
    • Deutsch: Jah­re der “Guten Zei­ten” mit hohen Prei­sen. Laut Ben­ner ist dies die bes­te Zeit, um Akti­en und ande­re Ver­mö­gens­wer­te zu ver­kau­fen, da die Prei­se auf ihrem Höhe­punkt sind.
  • Zone C: “Years of Hard Times, Low Pri­ces, and a good time to buy Stocks…”
    • Deutsch: Jah­re der “Har­ten Zei­ten” mit nied­ri­gen Prei­sen. Dies ist die emp­foh­le­ne Zeit, um zu inves­tie­ren (z.B. Akti­en, Immo­bi­li­en, Waren), da die Prei­se nied­rig sind. Man soll die­se Anla­gen hal­ten, bis die “Guten Zei­ten” (Zone B) wie­der erreicht sind.

Zusam­men­fas­send:
Es ist ein his­to­ri­scher Ver­such, die Boom- und Bust-Zyklen der Wirt­schaft vor­her­zu­sa­gen. Die Grund­idee ist ein­fach: Kau­fe bil­lig in den “har­ten Zei­ten” ©, ver­kau­fe teu­er in den “guten Zei­ten” (B) und sei vor­sich­tig in den “Panik­jah­ren” (A).

Die Gra­fik ist bis heu­te bei eini­gen Anle­gern und Ana­lys­ten popu­lär, weil eini­ge ihrer Vor­her­sa­gen erstaun­lich gut zutra­fen. Sie soll­te jedoch eher als his­to­risch inter­es­san­tes Doku­ment und nicht als ver­läss­li­ches Anla­ge­instru­ment betrach­tet wer­den.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater