Die Verteidigungsindustrie steht derzeit im Rampenlicht – und das aus gutem Grund. Immer mehr Geld fließt in Verteidigung-ETFs, wobei besonders europäische Rüstungsunternehmen von einem deutlichen Nachfrageanstieg profitieren. Geopolitische Spannungen, etwa durch den Krieg in der Ukraine oder Konflikte im Nahen Osten, sowie die Erwartung steigender Verteidigungsausgaben treiben diesen Trend voran. ETFs, die sich auf Rüstung und Verteidigung spezialisieren und in Europa zum Vertrieb zugelassen sind, verwalten mittlerweile ein Vermögen von rund 7,2 Milliarden US-Dollar – ein Wert, der die wachsende Bedeutung dieses Sektors im März 2025 eindrucksvoll unterstreicht. Besonders europäische Rüstungsunternehmen stehen dabei im Fokus, nicht zuletzt, weil die EU klare Ziele formuliert hat: Bis 2030 sollen 50 Prozent und bis 2035 sogar 60 Prozent des Militärgeräts von heimischen Herstellern bezogen werden. Diese Präferenz für regionale Anbieter befeuert die Nachfrage zusätzlich.
Ein Blick auf einzelne Unternehmen zeigt, wie stark dieser Boom bereits ist. Die Aktie des deutschen Rüstungsunternehmens Rheinmetall hat seit Jahresbeginn 2025 ihren Wert mehr als verdoppelt und verzeichnete bis zum 26. März 2025 einen beeindruckenden Gewinn von über 116 Prozent. Auch der schwedische Konzern Saab kann sich sehen lassen: Seine Aktie legte im gleichen Zeitraum um rund 71,9 Prozent zu. Diese Erfolge spiegeln nicht nur das Vertrauen der Anleger wider, sondern auch die gestiegene Bedeutung europäischer Rüstungsunternehmen in einem unsicheren globalen Umfeld.
Das Wachstum zeigt sich ebenso bei spezialisierten Fonds. Der VanEck Defense UCITS ETF (DFNS) hat sein verwaltetes Vermögen innerhalb weniger Monate vervierfacht: Lag das Volumen im August 2024 noch bei etwa einer Milliarde US-Dollar, sind es im März 2025 bereits vier Milliarden. Ein weiteres Beispiel ist der WisdomTree Europe Defence UCITS ETF (WDEF), der erst am 11. März 2025 aufgelegt wurde und in den ersten zwei Handelswochen Nettomittelzuflüsse von 554 Millionen US-Dollar verzeichnete. Ende März verwaltete der Fonds bereits 511 Millionen US-Dollar, und aktuellere Zahlen vom 26. März zeigen ein Vermögen von 575 Millionen Euro. Diese Zahlen verdeutlichen, wie schnell Investoren auf die neuen Möglichkeiten im Verteidigungssektor reagieren.
Hinter diesem Aufschwung stehen auch politische Entwicklungen. Anfang März 2025 stellte die EU-Kommission das Programm „ReArm Europe“ – später umbenannt in „ReArm Europe/Readiness 2030“ – vor, das bis zu 800 Milliarden Euro für ein „sicheres und resilientes Europa“ mobilisieren soll. Geplant ist, dies unter anderem durch flexiblere EU-Schuldenregeln für Verteidigungsausgaben zu erreichen, die den Mitgliedsstaaten über vier Jahre hinweg bis zu 650 Milliarden Euro Spielraum bieten könnten. Ergänzt wird dies durch ein neues EU-Kreditinstrument namens SAFE mit einem Volumen von 150 Milliarden Euro. Diese massiven Investitionen sollen die europäische Verteidigung stärken und gleichzeitig heimische Unternehmen fördern.
Langfristig profitiert die Verteidigungsindustrie von einem klaren Trend: Die Verteidigungsausgaben der NATO-Staaten steigen kontinuierlich, beschleunigt durch geopolitische Ereignisse wie den Krieg in der Ukraine seit 2022. Besonders die europäischen NATO-Mitglieder und Kanada haben ihre Budgets 2024 real um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Eine Rekordzahl von 23 der 32 NATO-Staaten erfüllt oder übertrifft inzwischen das Ziel, mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben – ein deutlicher Sprung gegenüber nur drei Staaten im Jahr 2014. Diese steigenden Budgets, gepaart mit der Notwendigkeit, militärische Fähigkeiten zu modernisieren und Lagerbestände aufzufüllen, kommen der Rüstungsindustrie zugute. Die geopolitische Lage und die politischen Entscheidungen zur Erhöhung der Verteidigungsbereitschaft sorgen somit für ein Umfeld, in dem Investitionen und Aktienkurse in diesem Sektor deutlich zulegen – ein Trend, der so schnell nicht abreißen dürfte.