Come­back der Neben­wer­te: War­um Small Caps wie­der inter­es­sant wer­den

Über Jah­re hin­weg gal­ten euro­päi­sche Neben­wer­te als gro­ße Ent­täu­schung an der Bör­se. Wäh­rend inter­na­tio­na­le Groß­kon­zer­ne – allen vor­an US-Tech­no­lo­gie­ak­ti­en – von Rekord zu Rekord eil­ten, kamen Small Caps kaum vom Fleck. Hohe Zin­sen, stei­gen­de Ener­gie­kos­ten und eine schwa­che Kon­junk­tur tra­fen klei­ne­re Unter­neh­men beson­ders hart.

Doch 2025 deu­tet sich ein Rich­tungs­wech­sel an. Erst­mals seit lan­ger Zeit zei­gen euro­päi­sche Neben­wer­te wie­der rela­ti­ve Stär­ke – und vie­le Argu­men­te spre­chen dafür, dass dies mehr als nur eine tech­ni­sche Gegen­be­we­gung sein könn­te.

Lan­ge Durst­stre­cke für klei­ne Unter­neh­men

In den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren ent­wi­ckel­ten sich Neben­wer­te deut­lich schlech­ter als Stan­dard­ak­ti­en. Der Grund dafür war kein ein­zel­ner Fak­tor, son­dern eine Kom­bi­na­ti­on ungüns­ti­ger Rah­men­be­din­gun­gen:

  • stark gestie­ge­ne Zin­sen ver­teu­er­ten die Finan­zie­rung,
  • Lie­fer­ket­ten­pro­ble­me belas­te­ten die Pro­duk­ti­on,
  • die Ener­gie­kri­se traf beson­ders mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men,
  • gleich­zei­tig kon­zen­trier­te sich Anle­ger­ka­pi­tal auf weni­ge glo­ba­le Markt­füh­rer.

Wäh­rend gro­ße Kon­zer­ne mit Preis­set­zungs­macht und inter­na­tio­na­ler Prä­senz pro­fi­tie­ren konn­ten, fehl­te klei­ne­ren Fir­men die­se Sta­bi­li­tät.

Ers­te Signa­le einer Trend­wen­de

Seit Beginn des Jah­res 2025 hat sich das Bild jedoch spür­bar ver­än­dert. ETFs auf euro­päi­sche Small Caps leg­ten zeit­wei­se um rund 20 Pro­zent zu. Noch wich­ti­ger als die Kurs­be­we­gung selbst sind die beglei­ten­den fun­da­men­ta­len Ver­än­de­run­gen:

  • Der Zins­er­hö­hungs­zy­klus der Euro­päi­schen Zen­tral­bank ist been­det.
  • Finan­zie­rungs­kos­ten sta­bi­li­sie­ren sich.
  • Die Liqui­di­täts­be­din­gun­gen ver­bes­sern sich.
  • Die euro­päi­sche Kon­junk­tur zeigt ers­te Erho­lungs­ten­den­zen.

His­to­risch betrach­tet zäh­len genau sol­che Pha­sen zu den stärks­ten Zeit­räu­men für Neben­wer­te.

War­um Small Caps beson­ders pro­fi­tie­ren könn­ten

1. Sen­si­ti­vi­tät gegen­über Zin­sen

Klei­ne­re Unter­neh­men reagie­ren über­durch­schnitt­lich stark auf sin­ken­de oder sta­bi­le Zin­sen. Wäh­rend Groß­kon­zer­ne häu­fig lang­fris­tig finan­ziert sind, wirkt sich jede Ver­än­de­rung der Kre­dit­kon­di­tio­nen bei Small Caps deut­lich schnel­ler auf Gewin­ne und Inves­ti­ti­ons­spiel­räu­me aus.

Eine geld­po­li­ti­sche Ent­span­nung wirkt daher wie ein Hebel.

2. Fokus auf die Bin­nen­wirt­schaft

Vie­le euro­päi­sche Neben­wer­te erzie­len den Groß­teil ihrer Umsät­ze im Hei­mat­markt. Anders als mul­ti­na­tio­na­le Kon­zer­ne sind sie weni­ger abhän­gig von glo­ba­len Han­dels­kon­flik­ten, pro­fi­tie­ren dafür aber direkt von einer wirt­schaft­li­chen Erho­lung in Euro­pa.

Ver­bes­sert sich das Wachs­tum, schlägt sich dies oft unmit­tel­bar in Umsatz und Gewinn nie­der.

3. His­to­risch güns­ti­ge Bewer­tung

Beson­ders auf­fäl­lig ist die aktu­el­le Bewer­tungs­si­tua­ti­on:

  • Small Caps wer­den der­zeit mit deut­li­chen Abschlä­gen gegen­über Lar­ge Caps gehan­delt.
  • His­to­risch war das Gegen­teil der Fall – klei­ne­re Unter­neh­men wur­den meist höher bewer­tet, da ihnen stär­ke­res Wachs­tum zuge­traut wur­de.

Heu­te liegt die­ser Abschlag bei rund:

  • 25–30 Pro­zent gemes­sen an EV/EBITDA,
  • etwa 14 Pro­zent beim Kurs-Gewinn-Ver­hält­nis.

Damit notie­ren Neben­wer­te sowohl unter ihrem lang­fris­ti­gen Durch­schnitt als auch deut­lich güns­ti­ger als gro­ße Stan­dard­wer­te.

Qua­li­tät jen­seits der Bör­sen­grö­ße

Neben­wer­te sind kei­nes­wegs auto­ma­tisch risi­ko­rei­cher Unter­neh­men. Vie­le euro­päi­sche Small Caps ver­fü­gen über:

  • soli­de Bilan­zen,
  • nied­ri­ge Ver­schul­dung,
  • sta­bi­le Cash­flows,
  • füh­ren­de Markt­po­si­tio­nen in engen Nischen.

Gera­de im indus­tri­el­len Mit­tel­stand fin­den sich zahl­rei­che soge­nann­te „Hid­den Cham­pi­ons“ – Unter­neh­men, die welt­weit füh­rend sind, an der Bör­se jedoch kaum Beach­tung fin­den.

Lang­fris­ti­ge Erfah­rung spricht für Small Caps

Ein Blick in die Ver­gan­gen­heit zeigt:

Über Zeit­räu­me von 15 bis 20 Jah­ren erziel­ten Neben­wer­te im Durch­schnitt höhe­re Ren­di­ten als Lar­ge Caps – bei aller­dings höhe­rer Schwan­kungs­brei­te.

Small Caps sind zykli­scher, vola­ti­ler und reagie­ren stär­ker auf wirt­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen. Genau die­se Eigen­schaf­ten machen sie jedoch lang­fris­tig ren­di­te­stark, ins­be­son­de­re in frü­hen Kon­junk­tur­pha­sen.

Wie Anle­ger inves­tie­ren kön­nen

Für Pri­vat­an­le­ger bie­ten sich meh­re­re Wege an:

Brei­te euro­päi­sche Small-Cap-ETFs

  • Abbil­dung von meh­re­ren hun­dert Unter­neh­men
  • Gute Diver­si­fi­ka­ti­on
  • Gerin­ge lau­fen­de Kos­ten

Regio­na­le Schwer­punk­te

  • Euro­zo­nen-Small-Caps (ohne Groß­bri­tan­ni­en)
  • Deut­sche Neben­wer­te über den SDAX

Value-gewich­te­te ETFs

  • Höhe­re Gewich­tung güns­tig bewer­te­ter Unter­neh­men
  • Weni­ger Domi­nanz ein­zel­ner Titel

Akti­ve Small-Cap-ETFs

Neu ist zudem der Ein­stieg aktiv ver­wal­te­ter ETFs in die­sem Seg­ment. Die Argu­men­ta­ti­on: Neben­wer­te wer­den deut­lich weni­ger ana­ly­siert als Stan­dard­wer­te, wodurch akti­ves Manage­ment rea­le Chan­cen auf Über­ren­di­ten haben kann.

Risi­ken blei­ben – trotz guter Argu­men­te

So über­zeu­gend vie­le Fak­to­ren wir­ken, soll­ten Anle­ger die Risi­ken nicht unter­schät­zen:

  • Small Caps blei­ben kon­junk­tur­ab­hän­gig.
  • Eine nach­hal­ti­ge euro­päi­sche Erho­lung ist kei­ne Gewiss­heit.
  • In Markt­kor­rek­tu­ren fal­len Neben­wer­te meist stär­ker.
  • Bewer­tungs­ab­schlä­ge kön­nen län­ger bestehen blei­ben als erwar­tet.

Neben­wer­te eig­nen sich daher nicht als kurz­fris­ti­ge Spe­ku­la­ti­on, son­dern als stra­te­gi­sche Bei­mi­schung mit län­ge­rem Anla­ge­ho­ri­zont.

Fazit: Klei­ne Akti­en mit gro­ßem Poten­zi­al

Nach Jah­ren der Schwä­che spre­chen erst­mals wie­der meh­re­re Fak­to­ren gleich­zei­tig für euro­päi­sche Neben­wer­te:

  • güns­ti­ge Bewer­tun­gen,
  • bes­se­re Finan­zie­rungs­be­din­gun­gen,
  • zykli­scher Rücken­wind,
  • struk­tu­rel­le Stär­ke vie­ler Unter­neh­men.

Ob dar­aus eine mehr­jäh­ri­ge Auf­hol­pha­se ent­steht, bleibt offen. Doch das Chan­ce-Risi­ko-Ver­hält­nis hat sich deut­lich ver­bes­sert.

Für lang­fris­tig ori­en­tier­te Anle­ger könn­te 2025 der Zeit­punkt sein, an dem Small Caps wie­der einen fes­ten Platz im Port­fo­lio ver­die­nen.


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