1. Kernaussagen in Kurzform
- Jahresergebnis 2025:
Der Einzelhandel in Deutschland erzielte real +2,4 % und nominal +3,6 % mehr Umsatz als 2024. - Dynamik im Jahresverlauf:
Starkes Wachstum im 1. Halbjahr (+3,8 %), deutliche Abschwächung im 2. Halbjahr (+1,1 %). - November 2025:
Gegenüber Oktober –0,6 % real, gegenüber November 2024 +1,1 % real. - Internet- und Versandhandel:
Besonders stark: +5,9 % real gegenüber November 2024.
2. Entwicklung im Jahresverlauf 2025
2.1 Gesamtjahr
- Real +2,4 %, nominal +3,6 % gegenüber 2024.
- Das Bundesamt nennt ein Schätzintervall von +2,3 % bis +2,6 % real.
Kritische Einordnung:
Der reale Zuwachs ist solide, aber angesichts der schwachen Vorjahre und der Kaufkraftverluste der letzten Inflationsphase eher als Aufholeffekt denn als kräftiger Konsumboom zu interpretieren.
2.2 Halbjahresvergleich
- 1. Halbjahr 2025: +3,8 % real
- 2. Halbjahr 2025: nur noch +1,1 % real
Ursache:
Ein wesentlicher Teil des starken Anstiegs im 1. Halbjahr ist ein Sondereffekt: Durch die Umstrukturierung eines großen Internet- und Versandhändlers im August 2024 wurden Umsätze erstmals in Deutschland erfasst.
Kritik:
Ohne diesen statistischen Effekt wäre das Wachstum spürbar schwächer ausgefallen. Die Zahlen sind daher nicht vollständig Ausdruck realer Nachfrage, sondern teilweise ein Erfassungseffekt.
3. Monat November 2025 im Detail
3.1 Gegenüber Oktober 2025 (kalender- und saisonbereinigt)
- Insgesamt: –0,6 % real, –1,1 % nominal
- Lebensmittel: –1,9 % real
- Nicht-Lebensmittel: +0,3 % real
- Internet- und Versandhandel: +0,9 % real
3.2 Gegenüber November 2024
- Insgesamt: +1,1 % real
- Nicht-Lebensmittel: +2,3 % real
- Internet- und Versandhandel: +5,9 % real
Einordnung:
Der stationäre Einzelhandel zeigt Schwäche im Monatsvergleich, während der Onlinehandel klar wächst. Das unterstreicht die strukturelle Verschiebung hin zum E-Commerce.
4. Warengruppen: Gewinner und Verlierer
4.1 Lebensmittelhandel
- November 2025: –0,1 % real gegenüber Vorjahr, nominal +1,5 %
→ Real stagnierend, nominaler Zuwachs rein preisgetrieben.
Bewertung:
Das deutet auf Kaufzurückhaltung und Preissensibilität der Verbraucher hin.
4.2 Nicht-Lebensmittel
- Real +2,3 % im Vorjahresvergleich (November)
Besonders schwach:
- Textilien, Bekleidung, Schuhe: deutliche Rückgänge
Stärker:
- Apotheken, kosmetische, pharmazeutische Produkte
Kritik:
Der Konsum konzentriert sich auf notwendige oder gesundheitsnahe Güter, während klassische Konsumgüter weiter unter Druck stehen – ein Zeichen für verhaltenes Konsumklima.
4.3 Internet- und Versandhandel
- November +5,9 % real gegenüber Vorjahr
- Januar–November 2025: +10,8 % real
Bewertung:
Der Onlinehandel ist klarer Wachstumstreiber. Allerdings ist der Zuwachs durch den erwähnten Sondereffekt der Umstrukturierung statistisch verstärkt.
5. Methodische Hinweise (wichtig für die Interpretation)
- Die Jahreszahlen beruhen auf Schätzungen für Dezember 2025.
- Stichprobenwechsel im Oktober 2025 führte zu Revisionen früherer Werte.
- Zeitreihen sind separat saisonbereinigt, daher addieren sich Unterpositionen nicht immer sauber zum Gesamtwert.
Kritische Würdigung:
Die Daten sind methodisch korrekt, aber für politische oder wirtschaftliche Schlussfolgerungen muss man:
- Sondereffekte,
- Revisionen,
- und die Schätzunsicherheit
klar mitdenken. Ein „robuster Aufschwung“ lässt sich daraus nicht eindeutig ableiten.
6. Gesamtbewertung
Zusammengefasst zeigt die Statistik:
- Moderates reales Wachstum im Einzelhandel 2025
- Abnehmende Dynamik im Jahresverlauf
- Strukturelle Verschiebung hin zum Onlinehandel
- Zurückhaltung bei klassischen Konsumgütern
Kritisches Fazit:
Das Bild ist weniger das eines starken Konsumaufschwungs, sondern eher eines fragilen, statistisch teilweise verzerrten Wachstums. Der private Konsum bleibt offensichtlich durch Inflationsfolgen, Unsicherheit und Priorisierung notwendiger Ausgaben gebremst.
