Deut­sche Kli­ma­fi­nan­zie­rung in Kolum­bi­en: För­de­rung ener­gie­ef­fi­zi­en­ter Kühl­schrän­ke zwi­schen glo­ba­lem Kli­ma­schutz und natio­na­ler Haus­halts­kri­tik

Bun­des­tags­druck­sa­che 21/3624
Quel­le: Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine Klei­ne Anfra­ge zur Kühl­schrank­för­de­rung in Kolum­bi­en

1. Anlass und Gegen­stand des Doku­ments

Die Druck­sa­che doku­men­tiert die Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine Klei­ne Anfra­ge der AfD-Frak­ti­on zur:

Ver­wen­dung deut­scher Steu­er­mit­tel für die För­de­rung ener­gie­ef­fi­zi­en­ter Kühl­schrän­ke in Kolum­bi­en.

Kern des Doku­ments ist die Bewer­tung eines Ent­wick­lungs- und Kli­ma­schutz­pro­jekts, das zwi­schen 2019 und 2024 im Rah­men der inter­na­tio­na­len Kli­ma­fi­nan­zie­rung durch­ge­führt wur­de.

2. Hin­ter­grund der Anfra­ge

Die Fra­ge­stel­ler stel­len die För­de­rung grund­sätz­lich infra­ge und begrün­den ihre Kri­tik mit:

  • begrenz­ten deut­schen Haus­halts­mit­teln,
  • innen­po­li­ti­schen Pro­ble­men (Ener­gie­prei­se, Alters­ar­mut, Infra­struk­tur),
  • Zwei­feln an Effi­zi­enz, Ziel­ge­nau­ig­keit und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit,
  • man­geln­der Trans­pa­renz und Nut­zen­ab­wä­gung für deut­sche Steu­er­zah­ler.

Zen­tral ist die Fra­ge, ob Kühl­schrank­för­de­rung im Aus­land einen legi­ti­men und mess­ba­ren Bei­trag zur deut­schen Kli­ma- und Ent­wick­lungs­po­li­tik leis­tet.

3. Beschrei­bung des geför­der­ten Pro­jekts

Pro­jekt­na­me

„Colom­bi­an NAMA for the dome­stic ref­ri­ge­ra­ti­on sec­tor“

Trä­ger und Umset­zung

  • Durch­füh­rung: GIZ GmbH
  • Pro­jekt­lauf­zeit: Janu­ar 2019 – Juni 2024
  • Teil der Miti­ga­ti­on Action Faci­li­ty (mul­ti­la­te­ra­le Geber­initia­ti­ve)

Finan­zie­rung

  • Deut­scher Bei­trag: 4,33 Mio. Euro
  • Kofi­nan­zie­rung: Däne­mark
  • Gesamt­vo­lu­men: ca. 9 Mio. Euro

Die Bun­des­re­gie­rung betont, dass es kein eige­nes deut­sches Ein­zel­pro­jekt, son­dern ein mul­ti­la­te­ra­les Kli­ma­vor­ha­ben war.

4. Zie­le des Pro­jekts

Das Pro­jekt ver­folg­te drei Haupt­zie­le:

  1. Reduk­ti­on glo­bal wirk­sa­mer Treib­haus­gas­emis­sio­nen
    • Aus­tausch alter Gerä­te mit kli­ma­schäd­li­chen Käl­te­mit­teln (FKW)
  2. Stei­ge­rung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz
    • Ein­füh­rung moder­ner Kühl­schrän­ke mit Iso­bu­tan (R600a)
  3. Struk­tu­rel­le Markt­trans­for­ma­ti­on
    • Auf­bau loka­ler Produktions‑, War­tungs- und Recy­cling­struk­tu­ren

Wich­tig:
Kei­ne kos­ten­lo­se Ver­tei­lung von Kühl­schrän­ken an Haus­hal­te, son­dern För­de­rung auf Her­stel­ler- und Mark­tebe­ne.

5. Zen­tra­le Maß­nah­men

  • Schu­lung von Her­stel­lern, Tech­ni­kern und Prüf­la­bo­ren
  • Auf­bau von Recy­cling- und Ent­sor­gungs­struk­tu­ren (WEEE)
  • Unter­stüt­zung der Markt­ein­füh­rung effi­zi­en­ter Gerä­te
  • Preis­nach­läs­se beim Aus­tausch alter Gerä­te
  • För­de­rung natio­na­ler Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten

Ins­ge­samt wur­den 434 Per­so­nen geschult, deut­lich mehr als ursprüng­lich geplant.

6. Betei­lig­te Akteu­re

Direk­te Emp­fän­ger deut­scher Mit­tel

  • GIZ GmbH
  • Ban­cóldex (kolum­bia­ni­sche Ent­wick­lungs­bank)

Indi­rekt betei­lig­te Unter­neh­men

  • Kühl­schrank­her­stel­ler: Haceb, Mabe, Chal­len­ger
  • Recy­cling­or­ga­ni­sa­tio­nen und Ent­sor­gungs­un­ter­neh­men

7. Ergeb­nis­se laut Bun­des­re­gie­rung

Tech­ni­sche Ergeb­nis­se

  • 4,4 Mil­lio­nen ener­gie­ef­fi­zi­en­te Kühl­schrän­ke auf den Markt gebracht
  • 24.559 Alt­ge­rä­te fach­ge­recht ent­sorgt
  • Alle kolum­bia­ni­schen Her­stel­ler pro­du­zie­ren inzwi­schen:
    • FKW-frei
    • ener­gie­ef­fi­zi­ent
    • nach inter­na­tio­na­lem Stan­dard zer­ti­fi­ziert

Kli­ma­wir­kung

  • Emis­si­ons­min­de­rung 2019–2024:
    • 844.683 Ton­nen CO₂-Äqui­va­lent
  • Pro ein­ge­setz­tem Euro:
    • ca. 0,2 t CO₂
    • über Lebens­dau­er der Gerä­te: 0,62 t CO₂

Zum Ver­gleich:

  • Gesamt­emis­sio­nen Kolum­bi­ens 2021: 186,5 Mio. t CO₂

8. Kon­trol­le, Eva­lua­ti­on und Kos­ten

Kon­trol­le

  • inter­ne und exter­ne Audits
  • jähr­li­che Pro­jekt­be­rich­te
  • kei­ne Hin­wei­se auf Miss­brauch oder Kor­rup­ti­on

Unab­hän­gi­ge Eva­lua­ti­on

  • durch­ge­führt von AMBERO Con­sul­ting & Oxford Poli­cy Manage­ment
  • Kos­ten: 51.030 Euro
  • Ergeb­nis:
    • Pro­jekt stößt sek­tor­wei­te Trans­for­ma­ti­on an
    • Ent­sor­gungs­struk­tu­ren wei­ter­hin her­aus­for­dernd

Ver­wal­tungs­kos­ten (deut­sche Sei­te)

  • ca. 396.000 Euro

9. Inter­na­tio­na­le und natio­na­le Ein­ord­nung

  • Kein ver­gleich­ba­res Pro­jekt außer­halb Kolum­bi­ens
  • Der­zeit kei­ne wei­te­ren Kühl­schrank­för­der­pro­gram­me geplant
  • Kolum­bia­ni­scher Eigen­an­teil:
    • öffent­li­che Mit­tel: 4,45 Mio. Euro
    • Pri­vat­sek­tor: 11,63 Mio. Euro
    • damit 3,7‑fach höher als deut­scher Bei­trag

10. Bewer­tung der Bun­des­re­gie­rung

Die Bun­des­re­gie­rung bewer­tet das Pro­jekt als:

  • kli­ma­po­li­tisch sinn­voll, da Emis­sio­nen glo­bal wir­ken,
  • kos­ten­ef­fi­zi­ent, gemes­sen an CO₂-Ver­mei­dungs­kos­ten,
  • struk­tu­rell nach­hal­tig, da Markt­trans­for­ma­ti­on statt Ein­zel­för­de­rung.

Gleich­zei­tig räumt sie ein:

  • Kühl­schrank­för­de­rung ist kein Schwer­punkt deut­scher Ent­wick­lungs­po­li­tik,
  • gesell­schaft­li­che Akzep­tanz in Deutsch­land wur­de nicht erho­ben.

11. Kri­ti­sche Wür­di­gung

Posi­ti­ve Aspek­te

  • ver­gleichs­wei­se gerin­ge deut­sche Mit­tel bei hohem Gesamt­vo­lu­men
  • deut­li­che Hebel­wir­kung durch pri­va­te Kofi­nan­zie­rung
  • nach­hal­ti­ger Ansatz (Markt statt Ein­zel­ge­rä­te)
  • mess­ba­re Emis­si­ons­min­de­run­gen
  • trans­pa­ren­te Eva­lu­ie­rung

Kri­ti­sche Punk­te

  1. Begrenz­te kli­ma­po­li­ti­sche Rele­vanz
    • Ein­spa­run­gen sind im Ver­hält­nis zu glo­ba­len Emis­sio­nen gering.
  2. Hoher admi­nis­tra­ti­ver Auf­wand
    • kom­ple­xe inter­na­tio­na­le Pro­jekt­struk­tu­ren erhö­hen Kos­ten.
  3. Unkla­re poli­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on
    • kei­ne Akzep­tanz­mes­sung bei deut­scher Bevöl­ke­rung.
  4. Lang­fris­ti­ge Wir­kun­gen schwer über­prüf­bar
    • vie­le Effek­te wer­den erst über Jahr­zehn­te ein­tre­ten.
  5. Poli­ti­sche Angreif­bar­keit
    • För­der­ge­gen­stand (Kühl­schrän­ke) wirkt für Öffent­lich­keit sym­bo­lisch pro­ble­ma­tisch, obwohl tech­nisch sinn­voll.

12. Gesamt­ein­schät­zung

Die Druck­sa­che zeigt:

  • kein Miss­brauch von Steu­er­mit­teln,
  • ein fach­lich nach­voll­zieh­ba­res Kli­ma­schutz­pro­jekt,
  • aber auch die grund­sätz­li­che Span­nung zwi­schen inter­na­tio­na­lem Kli­ma­schutz und natio­na­ler Haus­halts­wahr­neh­mung.

Die Maß­nah­me ist kli­ma­po­li­tisch ratio­nal begründ­bar, bleibt jedoch poli­tisch erklä­rungs­be­dürf­tig, da Nut­zen, Ent­fer­nung zum All­tag deut­scher Steu­er­zah­ler und Prio­ri­tä­ten­set­zung nicht unmit­tel­bar ein­sich­tig sind.


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