Deutsche Wirtschaft mit vorsichtigem Jahresauftakt: Wachstum nimmt zu, doch Arbeitsmarkt und Industrie bleiben Schwachstellen

1. Kernaussagen

  • Deutsche Wirtschaft gewinnt im Januar 2026 an Dynamik.
    Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex (Composite PMI Output Index) steigt auf 52,5 Punkte (Dezember: 51,3) und erreicht damit ein Drei-Monats-Hoch. Werte über 50 signalisieren wirtschaftliches Wachstum.
  • Dienstleistungssektor bleibt wichtigste Stütze.
    Der Services-Index erhöht sich auf 53,3 Punkte (Dezember: 52,7) und zeigt die stärkste Aktivität seit Oktober.
  • Industrie mit leichter Stabilisierung, aber weiterhin in der Schrumpfungszone.
    Der Manufacturing PMI steigt zwar auf 48,7 Punkte (von 47,0), liegt jedoch weiterhin unter der Wachstumsschwelle von 50.

2. Entwicklung nach Sektoren

2.1 Dienstleistungssektor

  • Deutlich beschleunigtes Wachstum der Geschäftstätigkeit.
  • Starker Zuwachs bei Neuaufträgen, auch aus dem Inland.
  • Deutlich verbesserte Geschäftserwartungen, höchster Wert seit Februar 2022.
  • Gleichzeitig jedoch massiver Stellenabbau – der stärkste seit über fünfeinhalb Jahren.

Einordnung:
Der Dienstleistungssektor zeigt Nachfrage- und Preisstärke, agiert aber gleichzeitig defensiv beim Personal. Dies deutet auf Produktivitäts- und Effizienzdruck hin, nicht auf nachhaltige Expansionszuversicht.

2.2 Verarbeitendes Gewerbe

  • Produktion kehrt knapp in den Wachstumsbereich zurück (Output Index 50,5).
  • Neuaufträge erstmals seit zwei Monaten wieder leicht positiv.
  • Beschäftigungsabbau setzt sich unvermindert fort.
  • Lagerbestände und Auftragsbestände sinken weiter.

Einordnung:
Die Industrie zeigt eher eine technische Erholung als einen strukturellen Wendepunkt. Der anhaltende Abbau von Kapazitäten spricht gegen eine schnelle oder kräftige Industriekonjunktur.

3. Arbeitsmarktentwicklung

  • Beschäftigung sinkt so stark wie seit 2009 nicht mehr (Pandemie ausgenommen).
  • Rückgang betrifft beide Sektoren, besonders stark jedoch:
    • Industrie (seit Mitte 2023 kontinuierlich)
    • Dienstleistungen (ungewöhnlich stark im Januar)

Kritische Bewertung:
Der gleichzeitige Anstieg von Produktion und Abbau von Arbeitsplätzen stellt einen klaren Widerspruch dar. Dies spricht für:

  • strukturelle Anpassungen,
  • Automatisierung,
  • Kostendruck
    und weniger für eine klassische zyklische Erholung.

4. Preisentwicklung und Inflation

4.1 Kosten

  • Stärkster Anstieg der Inputpreise seit fast drei Jahren.
  • Haupttreiber:
    • Löhne
    • Energiepreise
    • Metalle
    • Transportkosten

4.2 Verkaufspreise

  • Outputpreise steigen so schnell wie seit Mai 2023 nicht mehr.
  • Preisauftrieb nahezu ausschließlich im Dienstleistungssektor.
  • Industriepreise fallen weiterhin leicht.

Bewertung:
Die Preissetzungsmacht der Dienstleister nimmt spürbar zu. Dies kann kurzfristig Gewinne stützen, erhöht jedoch das Risiko einer hartnäckigen Dienstleistungsinflation, was geldpolitisch problematisch bleibt.

5. Erwartungen und Ausblick

  • Unternehmen blicken deutlich optimistischer auf die kommenden 12 Monate.
  • Internationale Unterstützung:
    • Der Internationale Währungsfonds hebt die deutsche BIP-Wachstumsprognose für 2026 auf 1,1 % an (+0,2 Prozentpunkte).
  • Zusätzliche Impulse:
    • außergewöhnlich hohe staatliche Investitionen in
      • Verteidigung
      • Infrastruktur

6. Kritische Gesamtbewertung

Positive Aspekte

  • Breitere wirtschaftliche Belebung zu Jahresbeginn
  • Wiederanstieg der Neuaufträge
  • Deutlich verbesserte Stimmung
  • Fiskalpolitischer Rückenwind

Strukturelle Schwächen

  • Massiver und sektorübergreifender Stellenabbau
  • Schwache industrielle Basis
  • Sinkende Auftragsbestände
  • Hoher Kosten- und Lohndruck

Zentrale Problematik

Die Daten zeichnen kein Bild eines klassischen Aufschwungs, sondern eher eines fragilen Wachstums unter struktureller Spannung:

  • Wachstum ohne Beschäftigungsaufbau
  • steigende Preise trotz moderatem Output
  • Erholung getragen fast ausschließlich vom Dienstleistungssektor

7. Gesamtergebnis in einem Satz

Die deutsche Wirtschaft startet 2026 mit spürbar mehr Dynamik, doch der Aufschwung bleibt einseitig, preisgetrieben und arbeitsmarktpolitisch alarmierend, sodass trotz verbesserter Stimmungsindikatoren weiterhin erhebliche strukturelle Risiken bestehen.


Quelle: S&P Global / HCOB Flash Germany PMI, Januar 2026

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