Am 19. März 2025 hat die US-Notenbank (Federal Reserve, kurz Fed) beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Dies ist bereits das zweite Mal in Folge, dass die Fed die Zinsen stabil hält, und unterstreicht die wachsende Unsicherheit, die durch die wechselhafte Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump verursacht wird. Die Entscheidung, den Leitzins im Bereich von 4,25 % bis 4,50 % zu belassen, spiegelt die vorsichtige Haltung der Fed wider, während sie versucht, die Auswirkungen von Trumps politischen Maßnahmen auf die Wirtschaft abzuschätzen.
Wirtschaftliche Unsicherheit durch Trumps Politik
Fed-Chef Jerome Powell betonte in seiner Pressekonferenz nach der Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC), dass die aktuelle wirtschaftliche Unsicherheit maßgeblich auf die „Turbulenzen“ der Trump-Administration zurückzuführen sei. Dazu gehören nicht nur die hohen Zölle, die Trump auf verschiedene Importe erhoben hat, sondern auch andere umstrittene Maßnahmen wie Massenabschiebungen und der Abbau von Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst. Diese Politik hat zu einer Zunahme von Unsicherheit bei Unternehmen und Verbrauchern geführt, was sich wiederum auf Investitionen und Konsum auswirken könnte.
Powell räumte ein, dass die Zölle ein Faktor sind, der die Inflationsprognosen der Fed für dieses Jahr nach oben getrieben hat. Allerdings ist es schwierig abzuschätzen, wie stark die erwartete Inflation tatsächlich auf den Handelskonflikt zurückzuführen ist. Die Fed bleibt daher wachsam und bereit, die Zinsen je nach Entwicklung der Wirtschaftsdaten in beide Richtungen anzupassen.
Stagflation als mögliches Szenario
Ein besorgniserregendes Szenario, das die Fed ins Auge fasst, ist die Möglichkeit einer „Stagflation“ – einer Kombination aus stagnierendem Wirtschaftswachstum und steigender Inflation. Dieses Phänomen trat zuletzt in den 1970er Jahren auf und könnte erneut Realität werden, wenn die aktuellen politischen Maßnahmen nicht sorgfältig gesteuert werden. Die Fed hat ihre Wachstumsprognosen für dieses Jahr bereits nach unten korrigiert und erwartet gleichzeitig einen Anstieg der Inflation.
Trotz dieser düsteren Aussagen bleibt der Arbeitsmarkt ein stabiler Faktor in der US-Wirtschaft. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,1 %, und die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze bleibt robust. Powell betonte, dass die Stärke des Arbeitsmarktes ein wichtiger Lichtblick sei, warnte jedoch davor, dass eine unerwartete Schwächung die Fed dazu zwingen könnte, die Zinsen früher als geplant zu senken.
Verbraucherstimmung und Inflationserwartungen
Ein weiterer Faktor, der die Fed beschäftigt, ist die zunehmend pessimistische Stimmung unter Verbrauchern und Unternehmen. Verschiedene Umfragen, darunter der Consumer Sentiment Index der University of Michigan, zeigen, dass die Amerikaner nicht nur besorgt über die wirtschaftliche Entwicklung sind, sondern auch höhere Inflationsraten in den kommenden Jahren erwarten. Sollten diese langfristigen Inflationserwartungen weiter steigen, könnte dies die Fed dazu zwingen, die Zinsen zu erhöhen, um die Inflation einzudämmen.
Powell versuchte jedoch, die Sorgen zu mildern, indem er darauf hinwies, dass die langfristigen Inflationserwartungen „weitgehend verankert“ seien. Er betonte, dass kurzfristige Schwankungen in den Inflationserwartungen normal seien, insbesondere angesichts der aktuellen politischen Unsicherheiten.
Fazit: Abwarten und beobachten
Die Entscheidung der Fed, die Zinsen stabil zu halten, ist ein Zeichen dafür, dass die Notenbank die Auswirkungen von Trumps Politik erst noch vollständig abschätzen muss. Während der Arbeitsmarkt weiterhin stark ist und die Inflation unter Kontrolle bleibt, gibt es zahlreiche Unwägbarkeiten, die die Wirtschaft in den kommenden Monaten belasten könnten. Die Fed bleibt daher in einer abwartenden Haltung, bereit, je nach Entwicklung der Wirtschaftsdaten zu handeln.
Für die Verbraucher und Unternehmen bedeutet dies, dass sie sich auf eine Phase der Unsicherheit einstellen müssen. Die Frage, ob die US-Wirtschaft in eine Phase der Stagflation gerät oder ob sie sich stabilisiert, bleibt vorerst offen. Die Fed wird weiterhin genau beobachten, wie sich die politischen Entscheidungen der Trump-Administration auf das Wirtschaftswachstum, die Inflation und den Arbeitsmarkt auswirken.