Die Königs­ana­ly­se® von Max Otte

Die Königs­ana­ly­se® ist eine von Prof. Dr. Max Otte ent­wi­ckel­te Value-Inves­t­ing-Metho­de zur Bewer­tung von Unter­neh­men. Sie zielt dar­auf ab, „Köni­ge unter den Akti­en“ zu iden­ti­fi­zie­ren – also nach­hal­tig erfolg­rei­che und aktu­ell unter­be­wer­te­te Qua­li­täts­un­ter­neh­men.

Anla­ge­prin­zip und metho­di­scher Auf­bau
Die Ana­ly­se basiert auf einem klar struk­tu­rier­ten, drei­stu­fi­gen Ver­fah­ren:

  1. Qua­li­täts­ana­ly­se – Unter­neh­men wer­den anhand zehn Kri­te­ri­en geprüft, je fünf qua­li­ta­ti­ve und fünf quan­ti­ta­ti­ve.
    Qua­li­ta­tiv: Ver­ständ­lich­keit des Geschäfts­mo­dells, All­tags­re­le­vanz der Produkte/Dienstleistungen, nach­hal­ti­ge Wett­be­werbs­vor­tei­le, Bran­chen­wachs­tums­po­ten­zi­al, Manage­ment­qua­li­tät.
    Quan­ti­ta­tiv: Gewinn­wachs­tum, Ergeb­nis- und Cash­flow-Mar­gen, ein­be­hal­te­ne Gewin­ne, Kapi­tal­struk­tur (ins­be­son­de­re Eigen­ka­pi­tal­quo­te) und Bilanz­sta­bi­li­tät.
  2. Punk­te­sys­tem (Scoring) – Jedes Kri­te­ri­um kann bis zu 10 Punk­te erzie­len. Unter­neh­men, die ins­ge­samt min­des­tens rund 70 von 100 Punk­ten errei­chen, gel­ten als qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig. Erst dann wird der nächs­te Ana­ly­se­pro­zess ange­sto­ßen.
  3. Bestim­mung des Inne­ren Werts – In einem mehr­stu­fi­gen Bewer­tungs­ver­fah­ren wird der intrin­si­sche oder fai­re Wert des Unter­neh­mens ermit­telt, etwa durch Sub­stanz­wert, Ertrags­kraft und Wachs­tums­po­ten­zi­al. Nur wenn der aktu­el­le Kurs deut­lich unter die­sem inne­ren Wert liegt, rückt das Unter­neh­men als poten­zi­el­ler Kauf­kan­di­dat in Betracht.

Ideo­lo­gi­scher Rah­men: Value Inves­t­ing + „Rein­heits­ge­bot der Kapi­tal­an­la­ge“
Otte ver­steht sei­ne Stra­te­gie im Sin­ne des klas­si­schen Value Inves­t­ing à la War­ren Buf­fett – güns­ti­ger kau­fen, als es wert ist – und ver­mei­det bewusst kom­ple­xe Finanz­pro­duk­te. Er legt Wert auf Klar­heit, Unab­hän­gig­keit und lang­fris­ti­ge Anla­ge in Akti­en, Anlei­hen, phy­si­sche Edel­me­tal­le sowie Liqui­di­tät.

Media­le Dar­stel­lung und exter­ne Beur­tei­lung
Die Metho­de wird in Ottes Publi­ka­tio­nen, wie dem Bör­sen­brief „Der Pri­vat­in­ves­tor“, aus­führ­lich bewor­ben – die kla­re Struk­tur und Ein­fach­heit der Bewer­tung sol­len auch Pri­vat­an­le­gern den Zugang ermög­li­chen. Bei­spiels­wei­se erschien 2023 das Buch „End­lich mit Akti­en Geld ver­die­nen: Mit der Königs­ana­ly­se© die bes­ten Unter­neh­men fin­den“, das die Metho­de Schritt für Schritt erläu­tert.

Kri­ti­sche Stim­men aus Anle­ger­fo­ren
Die Reso­nanz in Foren wie Red­dit fällt über­wie­gend skep­tisch aus. Ein Nut­zer bringt es poin­tiert auf den Punkt:

„Was immer er da macht funk­tio­niert ganz offen­sicht­lich nicht.“
„Für Anle­ger halt nicht, aber das ist ja nicht sein Pro­blem.“ (Red­dit)

Sol­che Kom­men­ta­re deu­ten dar­auf hin, dass die prak­ti­sche Umset­zung der Metho­de in den Fonds (z. B. Per­for­mance im Ver­gleich zu ETFs wie dem MSCI World) von vie­len als ent­täu­schend erlebt wird.

Fazit
Die Königs­ana­ly­se® bie­tet ein klar struk­tu­rier­tes, trans­pa­ren­tes Value-Invest­ment-Frame­work, das einen gewis­sen aka­de­mi­schen Anspruch ver­fol­gen will. Doch die tat­säch­li­che Rea­li­sa­ti­on in Invest­ment­pro­duk­ten scheint in der Pra­xis – zumin­dest laut Anle­ger­feed­back – hin­ter den Erwar­tun­gen zurück­zu­blei­ben. Die Metho­de mag in der Theo­rie fun­diert erschei­nen, doch ohne über­zeu­gen­de Per­for­mance bleibt sie für vie­le mög­li­cher­wei­se eher aka­de­mi­sches Inter­es­se als bewähr­tes Invest­ment­re­zept.

Ein didak­ti­sches Bei­spiel, das die Metho­dik illus­triert

1. Aus­wahl des Unter­neh­mens

Wir neh­men als Bei­spiel Nest­lé (welt­größ­ter Nah­rungs­mit­tel­kon­zern). Bekann­tes Geschäfts­mo­dell, hohe Markt­an­tei­le, brei­te Diver­si­fi­ka­ti­on.

2. Qua­li­täts­ana­ly­se: 10 Kri­te­ri­en (je max. 10 Punk­te)

Qua­li­ta­ti­ve Kri­te­ri­en

  1. Ver­ständ­lich­keit des Geschäfts­mo­dells: Nah­rungs­mit­tel, Geträn­ke, Baby­nah­rung, Kaf­fee – sehr klar und für jeden nach­voll­zieh­bar. → 10/10
  2. All­tags­re­le­vanz: Pro­duk­te im täg­li­chen Gebrauch (Nes­ca­fé, Kit­Kat, Mag­gi). → 10/10
  3. Nach­hal­ti­ge Wett­be­werbs­vor­tei­le: star­ke Mar­ken, glo­ba­le Dis­tri­bu­ti­on, Preis­set­zungs­macht. → 9/10
  4. Bran­chen­wachs­tum: Lebens­mit­tel wach­sen mode­rat (2–3 % p.a.), kein Boom­sek­tor. → 6/10
  5. Manage­ment­qua­li­tät: inter­na­tio­nal erfah­ren, in der Ver­gan­gen­heit soli­de Kapi­tal­al­lo­ka­ti­on. → 7/10

Zwi­schen­sum­me qua­li­ta­tiv: 42/50

Quan­ti­ta­ti­ve Kri­te­ri­en

  1. Gewinn­wachs­tum (5 Jah­re): sta­bil, aber nicht rasant (z. B. +4–5 % p.a.). → 6/10
  2. Mar­ge (EBIT-Mar­ge ca. 16–17 %): ordent­lich für Lebens­mit­tel. → 7/10
  3. Cash­flow-Gene­rie­rung: sehr stark, hohe Free-Cash­flow-Ren­di­te. → 9/10
  4. Kapi­tal­struk­tur: Eigen­ka­pi­tal­quo­te rund 40 %, Ver­schul­dung mode­rat. → 7/10
  5. Bilanz­sta­bi­li­tät: soli­de Diver­si­fi­ka­ti­on, welt­weit. → 8/10

Zwi­schen­sum­me quan­ti­ta­tiv: 37/50

Gesamt­score: 79/100 → „Königs­ana­ly­se-taug­lich“ (über 70 Punk­ten).

3. Inne­rer Wert (ver­ein­fach­tes Bei­spiel)

– Erwar­te­ter Gewinn pro Aktie (EPS) nächs­tes Jahr: ca. 4,50 CHF
– Ange­mes­se­ne KGV-Span­ne für ein Qua­li­täts­un­ter­neh­men: 18–22
– Fai­rer Wert pro Aktie: 4,50 × 20 = 90 CHF

Aktu­el­ler Bör­sen­kurs (Stand Som­mer 2025, gerun­det): ca. 100 CHF

→ Aktie wird leicht über dem fai­ren Wert gehan­delt. Kein Kauf, son­dern Halten/Beobachten. Erst bei Kur­sen um 80–85 CHF wäre ein kla­rer Value-Kauf gege­ben.

4. Fazit

Die Königs­ana­ly­se® ergibt: Nest­lé ist ein sehr soli­des Qua­li­täts­un­ter­neh­men mit sta­bi­len Gewin­nen und Mar­ken­macht, jedoch aktu­ell nicht stark unter­be­wer­tet. Es wäre also ein Kan­di­dat für die Watch­list, aber nicht unbe­dingt ein sofor­ti­ger Kauf.

Seit Jahr­zehn­ten zei­gen unzäh­li­ge Stu­di­en, dass die über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit der aktiv gema­nag­ten Fonds ihre jewei­li­ge Bench­mark – also häu­fig einen brei­ten Akti­en­in­dex wie den MSCI World oder den S&P 500 – über län­ge­re Zeit­räu­me nicht schla­gen kann.

Die Grün­de sind viel­schich­tig:
Kos­ten­struk­tur – Ein ETF auf den MSCI World kos­tet oft nur 0,1 %–0,3 % p.a., wäh­rend akti­ve Fonds meist zwi­schen 1 %–2 % Ver­wal­tungs­ge­bühr ver­lan­gen, plus Aus­ga­be­auf­schlä­ge. Die­se Kos­ten­dif­fe­renz muss ein Mana­ger zunächst erwirt­schaf­ten, bevor er über­haupt „vor“ dem Index liegt.
Markt­ef­fi­zi­enz – In stark beob­ach­te­ten Märk­ten mit tau­sen­den Ana­lys­ten und com­pu­ter­ge­stütz­tem Han­del ist es extrem schwie­rig, sys­te­ma­tisch Unter­be­wer­tun­gen zu fin­den. Die Kon­kur­renz ist groß, Infor­ma­ti­ons­vor­sprün­ge sind sel­ten und oft nur kurz­fris­tig nutz­bar.
Anla­ge­dis­zi­plin – Selbst talen­tier­te Mana­ger kön­nen in der Pra­xis nicht immer stur ihrer Stra­te­gie fol­gen: Liqui­di­täts­an­for­de­run­gen, Abflüs­se von Anle­ger­gel­dern oder poli­ti­scher Druck inner­halb der Fonds­ge­sell­schaft füh­ren zu Kom­pro­mis­sen.
Psy­cho­lo­gi­sche Fak­to­ren – Angst, Gier und Kar­rie­re­ab­si­che­rung spie­len eine Rol­le. Vie­le Mana­ger sichern sich gegen Abwei­chun­gen vom Index ab („Her­den­trieb“), um nicht zu weit von der Bench­mark abzu­fal­len – das redu­ziert die Chan­ce auf Out­per­for­mance, aber auch das Risi­ko, im Ver­gleich schlecht dazu­ste­hen.

Aus Sicht eines markt­wirt­schaft­lich ori­en­tier­ten Anle­gers ist der nüch­ter­ne Schluss: Wer nicht gezielt einen Mana­ger mit nach­weis­li­cher, kon­sis­ten­ter Out­per­for­mance über vie­le Markt­zy­klen fin­det, fährt oft bes­ser mit einem breit gestreu­ten, güns­ti­gen ETF. War­ren Buf­fett hat das sinn­ge­mäß so for­mu­liert: „Die meis­ten Men­schen soll­ten in einen kos­ten­güns­ti­gen Index­fonds inves­tie­ren.“

Bei Otte und der Königs­ana­ly­se® ist das Pro­blem ver­schärft: Selbst wenn die Bewer­tungs­me­tho­dik in sich schlüs­sig ist, muss sie nicht zwangs­läu­fig zu Über­ren­di­ten füh­ren, weil ande­re Markt­teil­neh­mer die­sel­ben Kri­te­ri­en eben­falls anwen­den kön­nen. Dazu kom­men die Kos­ten und die teils defen­si­ve Aus­rich­tung, die in Bul­len­märk­ten bremst.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater