Die ver­mö­gens­ver­wal­ten­de GmbH: Steu­er­vor­tei­le und Wirt­schaft­lich­keit

In Bezug auf aktu­el­le poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen hat Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Robert Habeck kürz­lich für Auf­re­gung gesorgt. Er hat vor­ge­schla­gen, Sozi­al­ab­ga­ben auf Kapi­tal­erträ­ge ein­zu­füh­ren. Dies steht im Ein­klang mit den lang­fris­ti­gen Zie­len von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, die alle Ein­kunfts­ar­ten der Pflicht zur Sozi­al­ver­si­che­rung unter­wer­fen und eine gene­rel­le Pflicht zur Sozi­al­ver­si­che­rung für alle Bür­ger ein­füh­ren wol­len. Die­se Ankün­di­gung, Kapi­tal­erträ­ge (Zin­sen und Divi­den­den) der Bei­trags­pflicht zur Sozi­al­ver­si­che­rung zu unter­wer­fen, kommt in einer Zeit, in der immer mehr Men­schen pri­vat durch die Anla­ge in Akti­en und ETF für das Alter vor­sor­gen, nicht gut an.

Ange­sichts die­ser mög­li­chen Ent­wick­lun­gen scheint die ver­mö­gens­ver­wal­ten­de GmbH (auch “Spar­do­sen-GmbH” oder “Akti­en-GmbH” genannt) in Deutsch­land zuneh­mend an Bedeu­tung zu gewin­nen. Es ist jedoch wich­tig, die indi­vi­du­el­len Umstän­de sorg­fäl­tig zu prü­fen und pro­fes­sio­nel­len Rat ein­zu­ho­len, bevor man sich für die­se Unter­neh­mens­form ent­schei­det.

1. Defi­ni­ti­on und Zweck der ver­mö­gens­ver­wal­ten­den GmbH

Die ver­mö­gens­ver­wal­ten­de GmbH (vvGmbH) ist eine Kapi­tal­ge­sell­schaft, die aus­schließ­lich zur Ver­wal­tung von Ver­mö­gens­wer­ten genutzt wird. Ihr Haupt­zweck besteht dar­in, steu­er­li­che Vor­tei­le zu nut­zen, ins­be­son­de­re im Ver­gleich zur pri­va­ten Ver­mö­gens­ver­wal­tung. Dabei dür­fen kei­ne gewerb­li­chen Tätig­kei­ten aus­ge­führt wer­den, da sonst steu­er­li­che Nach­tei­le dro­hen.

2. Steu­er­li­che Vor­tei­le und Beson­der­hei­ten

a) Kör­per­schaft- und Gewer­be­steu­er
  • Die Gewin­ne der vvGmbH unter­lie­gen einer Kör­per­schaft­steu­er von 15% zzgl. Soli­da­ri­täts­zu­schlag (ins­ge­samt etwa 15,8%).
  • Durch die soge­nann­te erwei­ter­te gewer­be­steu­er­li­che Kür­zung kann die Gewer­be­steu­er ent­fal­len, sofern kei­ne gewerb­li­chen Akti­vi­tä­ten aus­ge­übt wer­den.
  • Im Ver­gleich zur pri­va­ten Ver­mö­gens­an­la­ge, wo Ein­künf­te mit bis zu 45% Ein­kom­men­steu­er belas­tet wer­den kön­nen, stellt dies eine erheb­li­che Steu­er­erspar­nis dar.
b) Besteue­rung von Kapi­tal­erträ­gen
  • Kurs­ge­win­ne inner­halb der GmbH unter­lie­gen einem effek­ti­ven Steu­er­satz von nur ca. 1,5% (da Kör­per­schaft­steu­er und Soli­da­ri­täts­zu­schlag anfal­len, aber kei­ne Abgel­tungs­steu­er).
  • Divi­den­den wer­den je nach Betei­li­gungs­hö­he unter­schied­lich besteu­ert:
    • Unter 10% Betei­li­gung: Steu­er­last von ca. 30,8%.
    • Zwi­schen 10% und 15% Betei­li­gung: Redu­zier­te Steu­er­last von ca. 15,8%.
    • Über 15% Betei­li­gung: Nur etwa 1,5% Steu­er durch Anwen­dung von § 8b KStG.
  • Im Pri­vat­ver­mö­gen unter­lie­gen Divi­den­den der Abgel­tungs­steu­er von 26,375%, was für rei­ne Divi­den­den­an­le­ger ein Nach­teil der vvGmbH sein kann.
c) Steu­er­li­che Behand­lung von Immo­bi­li­en
  • Miet­ein­nah­men wer­den in der GmbH nur mit 15% Kör­per­schaft­steu­er zzgl. Soli­da­ri­täts­zu­schlag besteu­ert.
  • Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung von Immo­bi­li­en unter­lie­gen aller­dings immer der Steu­er­pflicht, wäh­rend im Pri­vat­ver­mö­gen nach zehn Jah­ren eine steu­er­freie Ver­äu­ße­rung mög­lich wäre.
d) Steu­er­stun­dungs­ef­fekt
  • Der Haupt­vor­teil der vvGmbH liegt nicht unbe­dingt in der Redu­zie­rung der Gesamt­steu­er­last, son­dern in der Steu­er­stun­dung: Gewin­ne kön­nen inner­halb der GmbH reinves­tiert wer­den, ohne dass sofort eine hohe Steu­er­last anfällt. Dies führt zu einem lang­fris­ti­gen Zin­ses­zins­ef­fekt.
  • Erst bei Aus­schüt­tung an die Gesell­schaf­ter fällt die Kapi­tal­ertrag­steu­er (25% zzgl. Soli­da­ri­täts­zu­schlag) an.

3. Kos­ten und wirt­schaft­li­che Aspek­te

a) Grün­dungs­kos­ten und lau­fen­de Ver­wal­tung
  • Grün­dungs­kos­ten: Zwi­schen 1.000 und 2.500 € für Notar­ge­büh­ren und Han­dels­re­gis­ter­ein­tra­gung.
  • Min­dest­stamm­ka­pi­tal: 25.000 €, davon müs­sen min­des­tens 12.500 € sofort ein­ge­zahlt wer­den.
  • Lau­fen­de Kos­ten:
    • Steu­er­be­ra­ter­kos­ten zwi­schen 3.000 und 4.000 € pro Jahr.
    • Jah­res­ab­schluss und Buch­füh­rung sind auf­wen­di­ger als bei pri­va­ter Ver­mö­gens­ver­wal­tung.
    • Höhe­re Trans­ak­ti­ons­kos­ten, da vie­le güns­ti­ge Neo­bro­ker kei­ne Depots für Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten anbie­ten.
b) Min­dest­ka­pi­tal und Ren­ta­bi­li­tät
  • Eine vvGmbH lohnt sich nur ab einem Kapi­tal von min­des­tens 250.000 €, da sonst die steu­er­li­chen Vor­tei­le von den Ver­wal­tungs­kos­ten auf­ge­zehrt wer­den.
  • Es wer­den jähr­li­che Kurs­ge­win­ne von min­des­tens 8.000 bis 9.000 € benö­tigt, um die lau­fen­den Kos­ten aus­zu­glei­chen.
c) Oppor­tu­ni­täts­kos­ten
  • Die Ver­wal­tung einer GmbH ist zeit­auf­wen­dig und erfor­dert steu­er­li­che Exper­ti­se.
  • Alter­na­ti­ven wie pri­va­te Kapi­tal­an­la­gen oder Fonds könn­ten für klei­ne­re Ver­mö­gen wirt­schaft­lich sinn­vol­ler sein.

4. Fazit und kri­ti­sche Wür­di­gung

  • Die vvGmbH bie­tet erheb­li­che Steu­er­vor­tei­le bei Kurs­ge­win­nen, da sie nur mit rund 1,5% besteu­ert wer­den.
  • Divi­den­den wer­den oft schlech­ter behan­delt als im Pri­vat­ver­mö­gen, ins­be­son­de­re bei Betei­li­gun­gen unter 10%.
  • Die Gewer­be­steu­er kann ver­mie­den wer­den, sofern kei­ne gewerb­li­chen Akti­vi­tä­ten statt­fin­den.
  • Die Kos­ten und der büro­kra­ti­sche Auf­wand sind hoch, wes­halb sich die Struk­tur nur für grö­ße­re Ver­mö­gen (ab 250.000 €) lohnt.
  • Der größ­te Vor­teil liegt in der Steu­er­stun­dung, nicht in einer end­gül­ti­gen Steu­er­erspar­nis. Gewin­ne müs­sen irgend­wann aus­ge­schüt­tet und dann regu­lär besteu­ert wer­den.

Emp­feh­lung: Die vvGmbH eig­net sich für Anle­ger mit hohen Kapi­tal­ge­win­nen, die Gewin­ne lang­fris­tig reinves­tie­ren möch­ten. Für Divi­den­den­an­le­ger oder Per­so­nen mit klei­ne­ren Ver­mö­gen sind die Nach­tei­le oft grö­ßer als die Vor­tei­le. Eine pro­fes­sio­nel­le steu­er­li­che Bera­tung ist essen­zi­ell, um mög­li­che Fall­stri­cke zu ver­mei­den.


Anmer­kung:
Bit­te beach­ten Sie, dass die obi­gen Infor­ma­tio­nen kei­nen Ersatz für eine fun­dier­te indi­vi­du­el­le Bera­tung dar­stel­len. Ins­be­son­de­re, wenn Sie die Ein­rich­tung oder Nut­zung einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den GmbH in Erwä­gung zie­hen, ist es rat­sam, die Diens­te eines fach­kun­di­gen Steu­er­be­ra­ters oder einer ande­ren ent­spre­chend qua­li­fi­zier­ten Exper­tin in Anspruch zu neh­men. Nur durch eine per­sön­li­che Bera­tung las­sen sich die recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen, poten­zi­el­len steu­er­li­chen Vor­tei­le sowie mög­li­chen Risi­ken in Ihrem kon­kre­ten Ein­zel­fall hin­rei­chend beur­tei­len.

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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater