Monatliche Dividenden mit ETFs: Attraktives Zusatzeinkommen oder Renditebremse?
Der Beitrag stellt einen ETF-Ansatz vor, mit dem Anlegerinnen und Anleger ein monatlich ausschüttendes Depot aufbauen können. Ziel ist ein passives Einkommen durch Dividendenzahlungen, ohne die Ausschüttungen automatisch zu reinvestieren.
Dafür wurden ausschüttende globale Aktien-ETFs untersucht. Die Auswahlkriterien waren vergleichsweise streng: Die ETFs mussten mindestens fünf Jahre alt sein, global investieren, eine aktuelle Ausschüttungsrendite von mindestens 3 % aufweisen und sich so kombinieren lassen, dass von Januar bis Dezember jeden Monat Dividenden fließen. Nach diesen Kriterien blieben nur drei ETFs übrig.
Der erste ETF ist der iShares STOXX Global Select Dividend 100. Er schüttet im Januar, April, Juli und Oktober aus. Der ETF investiert in Dividendenaktien aus Europa, Nordamerika, Asien-Pazifik und weiteren Regionen, ist aber stark auf Europa und Nordamerika ausgerichtet. Seit Anfang 2023 stieg der Kurs um rund 34 %.
Der zweite ETF ist der SPDR S&P Global Dividend Aristocrats. Er zahlt im Februar, Mai, August und November Dividenden. Enthalten sind Unternehmen, die ihre Dividenden über längere Zeit stabil gehalten oder erhöht haben. Die Kursentwicklung seit Anfang 2023 fiel mit rund 14 % jedoch vergleichsweise schwach aus.
Der dritte ETF ist der VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders. Er schüttet im März, Juni, September und Dezember aus. Der ETF investiert nur in Industrieländer und fokussiert sich auf große Dividendenwerte. Seit Anfang 2023 legte der Kurs um rund 50 % zu.
Ein gleichgewichtetes Portfolio aus diesen drei ETFs hätte eine deutlich andere Struktur als ein klassischer Weltindex wie der MSCI ACWI. Der USA- und Technologiesektor wäre wesentlich geringer gewichtet, während Europa, Finanzwerte, Energieunternehmen und Versorger deutlich stärker vertreten wären. Das kann in bestimmten Marktphasen stabilisierend wirken, führt aber auch zu neuen Klumpenrisiken. Besonders auffällig ist der geringe IT-Anteil von nur etwa 1,5 %, während der Finanzsektor rund 32 % ausmachen würde.
Im Beispiel mit je 10.000 Euro pro ETF, also insgesamt 30.000 Euro Anfangsinvestition Anfang 2023, wären bis zum Zeitpunkt der Auswertung rund 4.800 Euro brutto ausgeschüttet worden. Nach Steuern wären es etwa 3.500 Euro, sofern der Sparerpauschbetrag bereits ausgeschöpft ist. Die monatlichen Ausschüttungen schwankten allerdings stark: zwischen etwa 34 Euro und 211 Euro nach Steuern. Das Depot liefert also zwar monatliche Zahlungen, aber keinen gleichmäßigen oder verlässlich planbaren Cashflow.
Die Gesamtrendite aus Kursgewinnen und Ausschüttungen lag im Beispiel bei rund 50 %. Aus 30.000 Euro wären etwa 44.500 Euro geworden. Das klingt ordentlich, relativiert sich aber im Vergleich zu einem breiten Weltindex: Ein MSCI-ACWI-ETF hätte im selben Zeitraum laut Transkript rund 78 % erzielt. Die regelmäßigen Ausschüttungen gingen hier also mit einer deutlich niedrigeren Gesamtrendite einher.
Kritisch ist außerdem, dass der betrachtete Zeitraum seit Anfang 2023 sehr kurz ist. Daraus lässt sich keine belastbare Aussage über die langfristige Qualität der Strategie ableiten. Hinzu kommen höhere laufende Kosten der Dividenden-ETFs, steuerliche Nachteile durch laufende Ausschüttungen und eine deutliche Abweichung vom globalen Aktienmarkt.
Fazit:
Ein monatlich ausschüttendes Dividenden-ETF-Depot kann für Anleger interessant sein, die bewusst regelmäßige Zahlungen wünschen, etwa in der Entnahmephase. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist der Ansatz jedoch nicht zwingend überzeugend. Die Strategie erkauft monatliche Ausschüttungen mit höheren Kosten, schwankenden Zahlungen, steuerlicher Ineffizienz und einer geringeren Rendite gegenüber einem breit gestreuten Weltindex. Ein günstiger, breit diversifizierter Welt-ETF bleibt für viele Anleger die plausiblere Basislösung.
Quelle: Handelsblatt
