F-35-Kauf: Hat die Schweiz ihre strategische Unabhängigkeit leichtfertig aufs Spiel gesetzt?

„So leicht können Amis den F-35 abwürgen.“ 20minuten.ch

Der Artikel behandelt die Abhängigkeit der Schweiz von den USA im Zusammenhang mit dem Betrieb des F-35-Kampfjets. Die wichtigsten Punkte zusammen und überprüfe die Argumentation:

Kernpunkte des Artikels:

  1. Abhängigkeit von den USA:
    • Der Artikel beschreibt, dass die Schweiz für den Betrieb des F-35 in hohem Maße auf die USA angewiesen ist, insbesondere bei Wartung, Ersatzteilen und IT-Systemen.
    • Medienberichte spekulierten über die Existenz eines „Kill Switches“, mit dem die USA den Jet deaktivieren könnten. Das schweizerische Verteidigungsministerium (VBS) dementierte dies.
  2. Bewertung durch den US-Militärblog „The War Zone“:
    • „The War Zone“ verneint die Existenz eines „Kill Switches“ für den F-35, stellt jedoch fest, dass die Abhängigkeit von den USA dennoch erheblich ist.
    • Besonders das Operational Data Integrated Network (ODIN) wird als kritischer Faktor genannt, da dieses System militärische Geheimdienstinformationen verarbeitet und ausschließlich von den USA kontrolliert wird.
  3. Logistische und technische Kontrolle der USA:
    • Wartung und Ersatzteile sind nur über die USA verfügbar.
    • Selbst unter Friedensbedingungen gibt es bereits Probleme mit dem Logistiksystem, was darauf hindeutet, dass eine vollständige Unabhängigkeit in Krisensituationen nicht gewährleistet wäre.
  4. Fazit des Blogs:
    • Auch ohne „Kill Switch“ bleiben F-35-Betreiber stark von den USA abhängig.
    • Sollte die US-Regierung den Support einstellen, könnten die meisten F-35-Flotten nicht mehr einsatzfähig sein.
    • Allerdings argumentiert der Blog, dass die USA sich selbst schaden würden, wenn sie als unzuverlässiger Lieferant gelten.

Es scheint, als ob die Entscheidungsträger in der Schweiz die volle Tragweite der Abhängigkeit entweder nicht vollständig erkannt oder bewusst vernachlässigt haben. Dass der F-35 ohne US-Unterstützung nicht funktionsfähig bleibt, ist keine neue Erkenntnis – andere Länder haben bereits ähnliche Erfahrungen gemacht. Trotzdem wurde das Thema im öffentlichen Diskurs offenbar nicht mit der nötigen Tiefe behandelt.

Warum wurde diese Abhängigkeit unterschätzt oder ignoriert?

  1. Fokus auf militärische Leistung statt auf strategische Autonomie:
    • Der F-35 ist technologisch überlegen, insbesondere in der Stealth-Fähigkeit und bei vernetzten Kampfsystemen.
    • Möglicherweise wurde diese technische Überlegenheit über die geopolitischen Risiken gestellt.
  2. Politischer Druck und diplomatische Interessen:
    • Die USA haben den F-35 international stark beworben und politisch durchgesetzt.
    • In der Schweiz gab es bereits geopolitische Spannungen um den Kauf. Ein anderer Jet (z. B. Rafale oder Eurofighter) hätte möglicherweise diplomatische Verwerfungen mit den USA nach sich gezogen.
  3. Fehlender öffentlicher Diskurs über die Abhängigkeit:
    • Während über die Kosten und die Leistungsfähigkeit des F-35 intensiv debattiert wurde, war die vollständige logistische und operative Abhängigkeit offenbar kein zentraler Punkt in der Entscheidungsfindung.
    • Auch die Medien haben das Thema lange Zeit nur oberflächlich behandelt.
  4. „Kill Switch“ vs. Technische Kontrolle:
    • Es gibt keine direkte Fernabschaltung („Kill Switch“), aber das IT- und Wartungssystem ODIN ist so konzipiert, dass der Betrieb ohne US-Zugriff stark eingeschränkt wird.
    • Ein erzwungener Software- oder Wartungsstopp hätte ähnliche Folgen wie ein „Kill Switch“.

Gab es Alternativen?

Ja, es hätte Alternativen gegeben, die eine größere Unabhängigkeit geboten hätten:

  1. Eurofighter Typhoon (Deutschland/UK/Spanien/Italien):
    • Vorteil: Europäische Produktion und Wartung
    • Nachteil: Keine Stealth-Fähigkeit, ältere Technologie
  2. Dassault Rafale (Frankreich):
    • Vorteil: Hohe Autonomie, Frankreich hätte der Schweiz wahrscheinlich vollen Zugriff auf Software und Wartung gewährt.
    • Nachteil: Kein Stealth, etwas geringere Netzwerkkampffähigkeit
  3. Saab Gripen E (Schweden):
    • Vorteil: Günstig und für kleine Länder optimiert
    • Nachteil: Nicht so leistungsfähig wie der F-35

Fazit:

  • Die Abhängigkeit der Schweiz von den USA war vorhersehbar, wurde aber entweder unterschätzt oder bewusst ignoriert.
  • Technologisch ist der F-35 überlegen, aber strategisch könnte sich die Entscheidung als problematisch erweisen.
  • Eine europäische Alternative hätte mehr Unabhängigkeit geboten, wurde aber aus politischen oder technologischen Gründen verworfen.

Das Problem betrifft nicht nur die Schweiz, sondern auch Deutschland und viele andere europäische Staaten, die sich zunehmend auf US-Rüstungsgüter verlassen – insbesondere auf solche mit digitalen Komponenten und vernetzten Systemen.

Digitale Abhängigkeit in der Rüstungsindustrie: Ein unterschätztes Risiko?

Die wachsende Integration von Software, Künstlicher Intelligenz (KI) und digitalen Netzwerken in moderne Waffensysteme führt dazu, dass militärische Hardware nicht mehr allein durch den physischen Besitz kontrollierbar ist. Wer die Software und die Datenströme kontrolliert, hat letztlich die Macht über das Waffensystem.

Beispiele für digitale Abhängigkeit in europäischen Streitkräften:

  1. F-35 für Deutschland und Europa:
    • Deutschland hat 35 F-35 bestellt, um die nukleare Teilhabe zu gewährleisten (also im Ernstfall US-Atombomben mit deutschen Jets transportieren zu können).
    • Wie in der Schweiz bleibt Deutschland vollständig auf US-Wartung, Ersatzteile und Software-Updates angewiesen.
    • Ohne US-Zulassung kann Deutschland nicht frei über die Maschinen verfügen.
  2. Patriot-Raketenabwehrsystem:
    • Deutschland und andere europäische Länder setzen auf das US-Patriot-System zur Luftverteidigung.
    • Steuerungssoftware und Wartung sind in US-Hand.
  3. IT-Infrastruktur und Kommunikationssysteme:
    • Viele europäische Streitkräfte nutzen US-Systeme für militärische Kommunikation und Cyberabwehr.
    • Das bedeutet, dass Europa im Krisenfall auf US-Dienste angewiesen wäre.
  4. Drohnen und KI-gesteuerte Systeme:
    • Die US-Drohne MQ-9 Reaper, die auch von europäischen Armeen genutzt wird, benötigt US-Freigaben für Einsätze.
    • Software-Updates für KI-gestützte Waffensysteme könnten von US-Behörden reguliert oder gestoppt werden.

Warum setzt Europa so stark auf US-Rüstung?

  • Technologische Überlegenheit: US-Waffensysteme sind oft moderner und besser integriert als europäische Alternativen.
  • Politische Bündnisse: NATO-Staaten orientieren sich an US-Standards, um Interoperabilität zu gewährleisten.
  • Fehlende europäische Alternativen: Während Frankreich, Deutschland und Schweden eigene Rüstungsprojekte betreiben, sind diese oft teurer oder langsamer in der Entwicklung.

Welche Risiken entstehen durch diese Abhängigkeit?

  1. Politische Erpressbarkeit:
    • Falls die USA Sanktionen verhängen oder Exportbeschränkungen erlassen, könnten europäische Streitkräfte teilweise handlungsunfähig werden.
  2. Verlust der digitalen Souveränität:
    • Militärische Entscheidungen könnten durch US-Software oder Datenkontrolle indirekt beeinflusst werden.
  3. Fehlende Betriebssicherheit im Konfliktfall:
    • Falls die USA entscheiden, einem europäischen Land keinen Support mehr zu geben, könnten Waffensysteme schnell unbrauchbar werden.

Fazit: Braucht Europa eine eigene Rüstungsstrategie?

Wenn Europa militärisch souveräner werden will, braucht es eine strategische Neuausrichtung:

  • Mehr Investitionen in europäische Rüstungskonzerne (z. B. Airbus, Dassault, Rheinmetall).
  • Unabhängige digitale Infrastruktur für militärische Systeme.
  • Langfristige Zusammenarbeit in der EU-Rüstungsindustrie, statt sich auf US-Technologie zu verlassen.

Israel ist ein Sonderfall, was den F-35 betrifft. Während fast alle anderen Länder, die den F-35 betreiben (darunter Deutschland, die Schweiz, Großbritannien, Italien, Japan und Südkorea), in hohem Maße von den USA abhängig bleiben, genießt Israel einige einzigartige Privilegien.

Warum ist Israel beim F-35 weniger abhängig als andere Länder?

  1. Eigene Software- und Wartungszugriffe („Golden Ticket“)
    • Israel ist das einzige Land, das eigene Software in den F-35 integrieren darf.
    • Während andere Länder vollständig auf das US-Wartungssystem (ODIN) angewiesen sind, kann Israel eigene Systeme zur Wartung und Steuerung verwenden.
    • Das bedeutet: Selbst wenn die USA die Unterstützung für andere Länder einstellen würden, könnten die israelischen F-35 weiter fliegen.
  2. Modifizierte Version: F-35I „Adir“
    • Israel betreibt nicht die Standardversion des F-35, sondern eine speziell für das Land entwickelte Variante namens F-35I „Adir“.
    • Diese Version enthält israelische Avionik, Waffensysteme und elektronische Kriegsführungssysteme.
    • Damit kann Israel den Jet unabhängig von den USA aufrüsten und anpassen.
  3. Eigene Wartung und Ersatzteile
    • Während andere Länder Ersatzteile über das US-Logistiksystem beziehen müssen, kann Israel eigene Teile produzieren und eigene Wartungsinfrastruktur nutzen.
    • Das reduziert die Gefahr, dass die USA die Jets durch einen Lieferstopp „lahmlegen“ könnten.
  4. Unabhängige Kampfstrategie
    • Israel setzt den F-35 bereits aktiv in Kampfoperationen ein, z. B. bei Angriffen in Syrien und gegen iranische Ziele.
    • Da Israel strategisch eigenständig agiert, hat es eine Sonderrolle bei den USA ausgehandelt.

Warum erhält Israel diese Sonderrechte?

  • US-Israelische Sonderbeziehung: Israel gilt als wichtigster Verbündeter der USA im Nahen Osten und erhält bevorzugte Rüstungslieferungen.
  • Hohe militärische Eigenständigkeit: Israel hat immer darauf bestanden, seine Waffensysteme selbst zu kontrollieren, um in Krisensituationen nicht von den USA blockiert zu werden.
  • Erfahrung mit Eigenentwicklungen: Israel hat in der Vergangenheit bereits US-Waffen modifiziert (z. B. F-15, F-16) und besitzt eine eigene hochentwickelte Rüstungsindustrie.

Was bedeutet das für Deutschland und die Schweiz?

Deutschland, die Schweiz und andere europäische Länder haben nicht dieselben Sonderrechte wie Israel. Ihre F-35 bleiben vollständig im US-Ökosystem eingebunden und können nicht unabhängig betrieben oder gewartet werden.
Das bedeutet: Während Israel seine F-35 auch ohne US-Support weiter nutzen könnte, wären europäische F-35 im Ernstfall stark eingeschränkt oder sogar unbrauchbar.

👉 Fazit: Die israelischen F-35 sind tatsächlich weniger von den USA abhängig als die europäischen Modelle. Das zeigt, dass es politisch verhandelbar gewesen wäre, mehr Eigenständigkeit zu erhalten – aber Deutschland und die Schweiz haben diese Möglichkeit offenbar nicht genutzt.


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